Deutschland ist, wenn neben den Containern für Weiß-, Grün- und Braunglas drei einsame blaue Flaschen stehen. Marina Weisband

Energie-Utopia

Erneuerbare Energien sind teuer. Entsprechende Kraftwerke brauchen mehr Platz, als Werke zur Verbrennung fossiler Brennstoffe. Für intelligente Lösungen muss die Politik Rahmenbedingungen festlegen. Den Umsetzungszeitraum und die Art und Weise, diese Form der Energiegewinnung zu etablieren, müssen die Marktakteure aber selber bestimmen.

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Klimaschutz und Energiesicherheit sind die Gründe für ein politisches Planspiel der Energieversorgung, das in einer Zukunft münden soll, die ihren Energiebedarf allein aus erneuerbaren Energieträgern deckt. Die Aussicht auf eine umweltfreundliche Energiezukunft auf Basis der Energie des Windes, der Sonne und des Wassers klingt sympathisch, doch ein Blick auf das Kleingedruckte einschlägiger Prognosen ist trotzdem notwendig.

Zum Umweltschutz gehört ein möglichst kleiner Fußabdruck

Unsere Energie soll möglichst umweltfreundlich produziert werden. Viele glauben, dies ginge sanft mit Wind, Sonne und Wasser. Doch zum Umweltschutz gehört auch ein möglichst kleiner Fußabdruck. Der Natur muss für die Stromerzeugung aus Windkraft fast das 50fache der Fläche entrissen werden, die für die Gewinnung aus Erdgas erforderlich ist, bei Photovoltaik ist das achtfache der Fläche erforderlich, Biomasse verschlingt für diese Aufgabe gleich das 130fache der Fläche. Hinzu kommt, dass der unstetig produzierte Solar- und Windstrom aufwendig gespeichert werden muss. Da dies auf absehbare Zeit mit extrem flächenintensiven Pumpspeicherkraftwerken gelöst werden muss, erhöht sich der ohnehin schon riesige Fußabdruck noch weiter.

Dass das Szenario weniger Kosten verursacht, als die Schäden die sonst der Klimawandel anrichten würde, wäre nur sicher, wenn dieser deutsche Sonderweg weltweite Nachahmer findet. Wenn nicht, dann tragen wir die Kosten, ohne die Klimaerwärmung abzumildern. Und die Kosten für diese „Energierevolution“ sind enorm. Man benötigt um ein Megawatt Nennleistung mit einer Windkraftanlage so versorgungssicherbereit zu stellen, wie mit einem modernen GuD-Gaskraftwerk das 140-fache an Stahl und die 32-fache Masse an Beton. Bei anderen Erneuerbaren sieht diese Relation zum Teil noch schlechter aus.

Wie teuer uns der Klimaschutz mit erneuerbaren Energieträgern zu stehen kommt, kann man letztlich anhand eines Vergleichs der Kohlendioxidvermeidungskosten feststellen. Vergleicht man diese 37 bis 611 Euro mit den 15 Euro, die sich die Betreiber konventioneller Kraftwerke die Vermeidung einer Tonne CO2 im Rahmen des Europäischen Emissionshandels kosten lassen, zeigt sich einmal mehr, wie wenig sinnvoll die knappen Finanzen der Bürger in den Energieutopien der Bundesregierung angelegt sind.

Kein Energiemodell lässt belastbare Aussagen über die Zukunft zu

Unsere Energiezukunft wird sich von der Gegenwart unterscheiden. Allein der Kostendruck der endlichen fossilen Lagerstätten wird die Marktteilnehmer zwingen, nach billigeren Alternativen zu suchen. Auch die Energie aus Wind und Sonne wird hier ihre Nische finden, doch nicht so, wie es sich die von den Unsicherheiten der Zukunft heillos überforderten Prognostiker der Bundesregierung derzeit ausmalen. Kein noch so ausgefeiltes Energiemodell lässt belastbare Aussagen über die Zukunft zu, wenn der technischen Perfektion die ökonomische Stringenz geopfert wird. Keine Volkswirtschaft lässt sich über vierzig Jahre in ein Modell sperren, wenn schon ein ungeahntes Naturereignis, eine Wirtschaftskrise oder eine ungeahnte Innovation die Märkte von heute auf morgen auf den Kopf stellt. Die Lösung dieses Koordinationsaufwands sollte man den Marktakteuren überlassen und ihnen stabile Rahmenbedingungen zur Seite stellen, an denen sie sich orientieren können. Wenn Klimagase Schäden verursachen, dann sind diese zu kompensieren. Hierzu reicht es den Umfang der Kompensation zu bestimmen, es ist aber völlig unnötig auch noch das Wie und den genauen Zeitplan festzulegen. Das mag vielen Politikern zu passiv erscheinen, doch weniger ist manchmal mehr.

Leserbriefe

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    Ralf Köhl – 25.07.2010 - 15:20

    Das Damoklesschwert namens Atomausstieg, das über den Betreibern unserer Atomkraftwerke schwebte hat zu viel Rost angesetzt und wurde erst mal wieder in die Scheide gesteckt.Anstatt die Klinge zu polieren und zu schärfen gibt es jetzt die Laufzeitverlängerung für altgediente AKWs.Die Rede ist von bis zu 25 Jahren.Das bedeutet eine Einnahmegarantie für die Betreiber von ca.260 Milliarden Euro für die nächsten 25 Jahre. Kein Wunder das bei dieser Vorstellung die Atomlobbyisten zur Höchstform auflaufen und uns vorzurechnen versuchen welche Vorteile der Atomstrom mit sich bringt. Von Übergangstechnologie, Klimaschutz, Umweltverträglich,Platzsparend, die Vorteile nehmen kein Ende.Es lebe die Kernspaltung, sorgt sie doch dafür das das Licht angeht wenn wir den Schalter dafür betätigen.Das Gorleben als Endlager gescheitert ist,ist mitlerweile jedem klar, und die Merkeladministration wird das auch bald begreifen. Um die Frage der Lagerung der hochverstrahlten Brennstäbe gar nicht erst zu laut werden zu lassen, Zaubert man ein Endlager in Finnland aus dem Hut, an dessen Kosten sich dann Betreiber, Staat und natürlich der Verbraucher beteiligen sollen, ganz im Sinne der freien Marktwirtschaft und des Wettbewerbs der Stromanbieter.Es ist sicher interessant zu erfahren wer die Geldgeber dieses finnischen Endlagers sind, dennn ohne zahlungskräftige Investoren gibt der finnische Haushalt kein Endlager her. Wer jetzt denkt das die Betreiber auch an der Endlagerung ihres eigenen erzeugten radioaktiven Abfalls auch noch verdienen möchten ist ein Schelm.Was passiert eigentlich bei einer Katastrophe ala Tschernobil fragt sich da manch besorgter Bürger, für den der Strom mal nicht eben aus der Steckdose kommt. Für diesen Fall sind die Betreiber mit 250 Millionen Euro Versichert. Höher geht nicht. denn für den Rest muss ja eh der Steuerzahler aufkommen.

  • Theeuropean-placeholder
    RCB – 26.07.2010 - 15:07

    Der Artikel von Herrn Hentrich beinhaltet das ganze Dilemma, unter dem Deutschland seit seiner Sättigkeitsphase Ende der 60-iger-Jahre leidet, dem Mangel an Risikobereitschaft. Innovationen umzusetzen, auch wenn man noch nicht abschätzen kann, ob etwas Neues auch ein Kracher auf dem Weltmarkt, oder doch ein Flop wird. So sind wir mal groß geworden, wir Deutschen, indem wir etwas erfunden und es dann auch gleich umgesetzt haben; Flops mit eingeschlossen. Heute erfinden wir etwas, lassen es patentieren und wenn wir einen “Dummen” finden, der uns das Patent abkauft und das Produktionsrisiko eingeht, dann leben wir eben nur vom Verkauf der Idee, machen aber nicht selbst den fetten Reibach. Das FAX war das bekannteste Beispiel, aber lange nicht das Einzige!
    Wie schon gesagt, wenn wir Nachahmer finden, machen wir das große Geschäft (dazu müssen wir aber erst mal etwas vor machen, was nachgeahmt werden kann) , finden wir keine Nachahmer, weil wir das Risiko der Vorleistung nicht eingehen, werden wir irgendwann selbst zum Nachahmer Anderer und die machen die Kohle.
    Wären wir alle Hellseher und wüssten im Voraus, ob und was uns etwas bringt, bräuchten wir keine Unternehmer mehr, sondern nur noch Buchhalter. Denn Unternehmer kommt von unternehmen und riskieren und nicht von ängstlich sein, alles Bestehende festhalten wollen und ansonsten kneifen.
    Und weil kein Energiemodell derzeit eine belastbare Aussage über die Zukunft (Prognose) zulässt, muss zum Einen weiter geforscht und getestet werden, zum Anderen dort, wo man schon Ergebnisse hat, weiter gemacht werden. Auf die „göttliche Eingebung“ zu warten, hat noch Niemanden voran gebracht!

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