Wird Annegret Kramp-Karrenbauer Merkels Nachfolgerin?

von Stefan Groß-Lobkowicz5.12.2017Gesellschaft & Kultur, Innenpolitik, Medien

Nach aktuellen Umfragen, wer Bundeskanzlerin Angela Merkel im politiscchen Amt beerben könnte, steht die saarlänische Ministerpräsidentin ganz weit oben auf der Wunschliste der Deutschen. 45 Prozent könnten sich die charismatische Politikerin in Berlin vorstellen. Jens Spahn und Thomas de Maizière liegen weit abgeschlagen auf der Wunschliste, allein Julia Klöckner kommt mit 43 auf Platz 2.

Es gibt in Deutschland Politiker, die machen ihre Aufgaben statt großen Lärm. Sie sind die leisen Regenten, die Probleme nicht bloss bereden, sondern eben lösen. Zu dieser Gattung Mensch zählt die saarländische Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer. Der Name ist ein wenig sperrig, doch die Person, die dahintersteht, geht derzeit geradlinig und geschmeidig ihren Weg nach ganz oben. In der CDU fällt ihr Name immer häufiger, wenn es um die Frage geht, wer nach Angela Merkel eigentlich die Union der Zukunft verkörpert. Der stete Aufstieg von „AKK“, wie sie unter Unionisten gerne genannt wird, ist bemerkenswert, gerade weil er sich so leise vollzieht. Während viele Politiker fast sklavisch nach medialer Aufmerksamkeit gieren und sich geschickt in jeder Medienwelle inszenieren, pflegt AKK im Saarland demonstrative Bescheidenheit. Die Zeiten, in denen der rote Oskar Lafontaine das Land pompös und in absolutistischer Manier regierte, sind passé. Ja AKK ist – genau besehen – ein Anti-Lafontaine, politisch wie persönlich.

Vom Populismus eines Lafontaine ist die derzeitige amtierende Ministerpräsidentin des zweitkleinsten Bundeslandes, Kramp-Karrenbauer, denkbar weit entfernt. Während Lafontaine in der Opposition weiter Politik mit Hammer und Sichel betreibt und poltert, regiert die studierte Rechts- und Politikwissenschaftlerin ihr Land diskret und sachlich, mit weiblicher Vorausschau und weiser Hand, ja mit viel Geschick und dem nötigen Gespür für Bodenhaftung. Kramp-Karrenbauer ist eine Politikerin vom ur-alten Schlag, die ihre Hausaufgaben macht, die bei sachpolitischen Themen sattelfest ist und dem gesunden Menschenverstand folgt. Derzeit hat sie ihrem Land eine rigide Sparpolitik verordnet. Kramp-Karrenbauer ist uneitel und pragmatisch und steht dabei noch immer mit voller Nummer im Telefonbuch. Im Saarland ist sie „eine von uns“, Berührungsängste gibt es nicht, wer mit ihr unterwegs ist, stellt verblüfft eine ungeheure Bürgernähe fest.Von Lärm, Selbstinszenierungswahn und einem damit verbundenen Herrschaftskult wie in Bayern hält sie wenig. Manche sagen, sie sei eine junge Angela Merkel – nur eben westdeutsch sozialisiert und darüber hinaus einem konservativ-katholischen Milieu entstammend.

„Wahlkampf bei allen Windverhältnissen“

Lange Zeit war die Ministerpräsidentin aus dem beschaulichen Völklingen eine Art Nebendarstellerin am Rande der Republik. Ihr fehlte die Stahlkraft einer Julia Klöckner oder Ursula von der Leyen. Die Medien hatten sie kaum auf dem Schirm, für die höheren Weihen war sie zu weit weg im Westen. Doch inzwischen hat sie in der innerparteilichen Akzeptanz die beiden anderen eingeholt. Kramp-Karrenbauer ist der Typ von Frau, der immer unterschätzt wird, hier Merkel nicht unähnlich. Doch Kramp-Karrenbauer kann auch anders – auch gegen Merkel, sie ist mutiger als die Kanzlerin, hat mehr Chupze. Spätestens 2012 war ihre Stunde gekommen und ihr Name in aller Munde. Gegen Merkels Rat hatte sie die Jamaika-Koalition an der Saar mit einem Federstrich aufgelöst und durch eine Große Koalition ersetzt. Und die Nachfolgerin von Peter Müller ist seitdem aus der CDU nicht mehr wegzudenken. Kramp-Karrenbauer macht „Wahlkampf bei allen Windverhältnissen“.

Die Netzwerkerin

2016 wurde sie als Merkel-Nachfolgerin und als neue Bundespräsidentin gehandelt. In ihrer Partei gilt sie als einflussreich und als gute Netzwerkerin. Sie genießt das höchste Vertrauen der Kanzlerin, die ihre politischen Tugenden schätzt, ihre Zielstrebigkeit und Gelassenheit. Kramp-Karrenbauer zählt zum liberalen Kreis ihrer Partei und kann sich auf den Arbeitnehmerflügel verlassen. Das macht sie auch für SPD und Grüne wählbar. Darüberhinaus hat sie eine hohe Reputation in der Frauen-Union und unter den deutschen Katholiken. Seit Jahren ist sie Mitglied des Zentralkomitees und setzt sich dort verstärkt für eine Lockerung des Zölibates, für die Weihung weiblicher Diakone und für die Verteidigung der klassischen Ehe ein. Dafür musste sie sich den Vorwurf von SPD und Grünen gefallen lassen, dass sie Homo-Ehe mit Inzest und Polygamie vergleiche. Doch Kramp-Karrenbauer ist weder homophob oder gar reaktionär. Eine Ehe für alle geht ihr aber deutlich zu weit.

Die Vita von AKK liest sich wie eine zielstrebige Karriereplanung: mit 19 Jahren CDU-Mitglied, später Stadträtin, mit 36 Jahren Bundestagsabgeordnete, dann Landtagsmitglied und Ministerin. Dabei hatte sie ihre Karriere keineswegs geplant. Hebamme oder Lehrerin waren erstmal ihre Ziele. Doch nach dem Marsch durch die politischen Institutionen, von der Lokal- in die Landespolitik, blickt das politische Talent auf eine traumhafte Karriere zurück, gekrönt mit dem Amt der Ministerpräsidentin 2011.

Den Höhepunkt ihrer politischen Karriere könnte jetzt das Amt der Bundeskanzlerin krönen. Damit hätte Deutschland eine weitere CDU-Politikerin von Format, die mit frischen Wind die Berliner Republik neu aufmischen würde.

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