Grüne Flankendeckung für Angela Merkel

von Stefan Groß-Lobkowicz3.11.2016Innenpolitik, Medien

Winfried Kretschmann ist das grüne Gewissen der Union. Während es in der Partei mächtig brodelt, unterstützt der Ministerpräsident Baden-Württembergs Kanzlerin Angela Merkel im Wahlkampf und will sie als Bundeskanzlerin 2017. Von Rot-Rot-Grünen Alternativen hält er nichts.

Das Bekenntnis zu Angela Merkel

Nicht alle Grünen sind so wie Winfried Kretschmann. Das gemütliche Wohlfühlurgestein meint es gut mit Deutschland, aber noch lieber ist ihm die Kanzlerin. Geht es ihr gut, ist der konservative Dinosaurier zufrieden. Und wenn es Gott nicht gäbe, würde er die ostdeutsche Pfarrerstochter direkt anbeten. Doch Gott existiert und stellt die mächtigste Frau der Welt immer wieder, wie einst Hiob, auf die Probe. Das weiß auch Kretschmann – und da hilft nur Gottvertrauen und Gebet – selbst konfessionsübergreifend, denn der bislang einzige grüne Landesfürst ist bekennender Katholik und Kretschmann wird auch nicht müde, Merkel zu verteidigen und als Kanzlerkandidatin 2017 auszurufen. Rot-Rote-Bündnisse hingegen, so bekennt er offen, bleiben ihm fremd.

Der grüne Monarch kann auch Protest

Aber der Katholik und grüne Monarch Kretschmann kann auch Protest. So kritisiert er mit aller Vehemenz die „kulturelle Hegemonie“ seiner Partei. Von den Grünen als „Vorschrifts- und Verbotspartei“ hat der Schwabe schon lange genug und gehörig die Nase voll: „Anstatt Vorgaben für das gute Leben und die individuelle Lebensgestaltung zu machen, sollten wir uns auf den Kampf für eine gute Ordnung der Dinge konzentrieren“, so Kretschmann in der „Die Zeit“. Auch die „gesellschaftliche Modernisierung“ seiner Partei geht ihm deutlich zu weit. Alternative Familienmodelle und eine durchgenderisierte Gesellschaft bleiben ihm ein Greuel. Dass er sich für die Ehe als traditioneller Familienform verteidigen muss, passt einfach nicht in den Konservatismus des grünen Landesfürsten.

Meister der Anpassung

Kretschmann ist aber auch ein Meister der Anpassung, nur eben nicht an seine Partei. Mehr CDU war nie bei den Grünen, und die Taktik der Imitation ging auf, diese perfide wie perfekte Adaptionspolitik funktionierte, selbst wenn diese der Mehrheit der eigenen Parteigenossen richtig gegen den Strich lief.

Das Liebäugeln mit Grün-Schwarz im Bund verärgert die Grüne-Politikspitze – die sich für 2017 auch andere Optionen wie Rot-Rot-Grün vorstellen könnte. Doch mit Kretschmann ist das nicht zu machen. So durchkreuzt der Provinzpolitiker im Störfeuer permanent Berliner Ambitionen. Was in Berlin stört ist, dass man am Schwaben derzeit einfach nicht vorbeikommt. Kretschmann ist immer einen Schritt voraus und die Grüne-Parteispitze immer einen zurück. Kretschmann ist einfach zu populär, so wie einst Joschka Fischer in seinen besten Zeiten.

Bundespräsident 2017?

Der Erfolg im Ländle gibt Kretschmann Recht. Und dass der Schwabe in Berlin an die Schaltstellen der Macht kommt, ist 2017 zumindest nicht unwahrscheinlich. Vorstellbar wäre, dass er mit seiner soliden, erdverbundenen, beflissentlichen Art des Taktierens die wogende und tobende See der politischen Diskurse als Bundespräsident majestätisch beruhigen könnte. Fraglich bleibt allerdings, ob das Urgestein überhaupt in das Berliner Haifischbecken eintauchen will. Aber eine Doppelspitze mit dem Grünen wäre ganz im Interesse der Kanzlerin.

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