Die “Rente mit 67”, zentraler Teil der Schröderschen “Agenda 2010”, kommt nun also, und wie stets, wenn wir uns einmal ganz dumm stellen und der veröffentlichten Meinung Glauben schenken, ist das zwar keine angenehme, aber jedenfalls unumgängliche Maßnahme: Weil es nämlich immer mehr Alte und immer weniger Junge gibt, müssen die Alten halt länger ran, um das umlagefinanzierte Rentensystem zukunftsfest zu machen. So einfach ist das. Oder nicht?
Zunächst mal zahlen in Deutschland Selbstständige, Freiberufler, Beamte und also genau die sogenannten Besser- und Bestverdiener erst gar nicht in die Rentenkasse ein (oder nur ausnahmsweise). Daran mal zu kratzen ist aber bislang keinem Rentenpolitiker eingefallen, natürlich nicht, das ginge ja ans eigene Portemonnaie wie an das der Klientel. Bevor über irgendwelche Kollapse des Rentensystems lamentiert wird, müsste also erst mal ausnahmslos jeder nach seinen Möglichkeiten (und ohne nach Rendite zu fragen) in die Rentenkasse einzahlen, der Generaldirektor genauso wie seine Putzfrau – aber das ist natürlich Enteignung und freiheitsfeindlich und geht folglich nicht. Außer in der Schweiz, aber die ist ja kommunistisch.
Das Hohelied der Spätverrentung
Die Alten bzw. neuerdings “Best Ager” wollen ja auch arbeiten; und verständlich ist da die Freude der Arbeits- und Sozialministerin, als sie verkünden konnte, es stünden, nach den Frühverrentungsorgien der jüngeren Vergangenheit, wieder 40 Prozent der 60- bis 64-Jährigen in Lohn und Brot; wobei die Altersgrenze für Frauen ja sowieso bei 60 liegt und die Zahl, wie sich rasch ergab, auch geflunkert war, tatsächlich geht nur jeder Fünfte über 60 einer regulären, sozialversicherungspflichtigen Arbeit nach. Und fast ein Drittel aller Arbeitslosen ist älter als 50.
Und nu’ also, wenn auch bloß schrittweise bis 2029, die Rente mit 67? Wenn ein Abteilungsleiter, Etatchef oder sonst wer, der sich in hochlohnabhängiger Beschäftigung selbstverwirklicht, so lange arbeiten will, wie er will, bitte, seine Sache. Aber warum Stahlkocher, Maurer, Krankenpfleger und Straßenbauer länger auf Maloche sollen (so sie das überhaupt schaffen), bloß damit die Journalisten, die das Hohelied der Spätverrentung singen, nichts von ihrem Netto verlieren, wissen just die Klientelpolitiker, die auch wissen, dass in näherer Zukunft auch nicht viel mehr Expropiierte die neue Altersgrenze erreichen werden (oder können) als Heutige die alte, dass ihnen aber noch zwei Beitragsjahre mehr fehlen und die Rente mit 67 eine Rentenkürzung durch die kalte Küche ist.
Die Demontage der staatlichen Rente seit Schröder
Deswegen, um mit Walter Ulbricht zu fragen: Quo vadis – wem nützt es? Außer den Privatversicherern, die die Demontage der staatlichen Rente seit Schröder – übrigens, wie Uschi v. d. Leyen und der Bundespräsident, ein guter Freund des ehemaligen AWD-Chefs Maschmeyer, der sich mit Finanz- und Vorsorgeprodukten eine Halbmilliarde zusammenverdient hat – mit stiller Freude verfolgen? Doch nicht etwa denen, denen fast alles nützt, was deutsche Bundesregierungen veranstalten, und die deshalb “eine konsequente Umsetzung der Rente mit 67” fordern? “Die schrittweise Anhebung des Rentenalters ist dringend erforderlich, damit die Rentenversicherung finanzierbar bleibt”, hat die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) mitteilen lassen; denn das darf auf keinen Fall passieren: dass die neuerlichen Rekordgewinne der deutschen Industrie durch höhere Rentenabgaben für jene geschmälert werden, die diese Gewinne erwirtschaftet haben.



















Frage quo vadis ist gut, aber ist nicht auch cui bono gemeint?
Da müssen Sie Ulbricht fragen!
Gut gebrüllt, Stefan Gärtner, fast Alles richtig, ausser:
Die Rente mit 67 ist nicht zu Ende gedacht und die “Vorankündigungen” wie die Rente mit 70 sind erst recht völliger Schwachsinn, weil in beiden Fällen der gewünschte Effekt duch die weiterhin Vielen, die vorzeitig aus gesundheitlichen Gründen aufgeben müssen, niemals erreicht werden wird.
Besser wäre -neben den schon tausendfach geforderten Einzahlungen “Aller” in die Rentenkasse, dass eine Mindest-Einzahlungszeit von z.B. 40 Jahren (für Alle) für die anschließende Zahlung der vollen Rente festgelegt würde (früher haben die Leute bis zu 50 Jahre gearbeitet und einbezahlt). Wer weniger Jahre als das noch festzulegende SOLL zusammen bringt, sollte Abschläge in Kauf nehmen, wie jetzt, wenn man vorzeitig oder mit Altersteilzeit in Rente geht. Natürlich kann man Ersatzzeiten oder auch vorzeitige Verrentung aus Gesundheitsründen, ähnlich wie jetzt auch schon, weiterhin berücksichtigen, aber grundsätzlich wäre eine geregelte Einzahlungsdauer sicherer, als ein hochgesetztes Rentenalter!
In diesem Falle sollte das Renten-Eintrittsalter wegfallen. Soll heißen, es kann im Prinzip Jeder so lange arbeiten (wenn er kann), bis er die Gesamt-Einzahlungszeit (hier mit 40 Jahren vorgeschlagen) erreicht hat. Also auch bis 67 oder 70, oder ggf. noch länger, aber eben evtl. auch schon mit 55 oder 60.
Was noch zu sagen wäre: Zusätzlich sollten sich diese und spätere Regierungen auch einmal mit einer schleichenden Umstellung der Finanzierungsart unserer Renten auseinander setzen. Die Zahlung der Renten aus den laufenden Einnahmen (aufgemotzt mit Steuermitteln) ist schon lange nicht mehr zeitgemäß. Da man aber nicht von heute auf morgen in Pensionsfonds o.ä. umstellen kann, muss man eine Weile parallel agieren, um ein neues System zu etablieren. Wie, damit hat sich offenbar noch Niemand erfolgreich beschäftigt. Es wäre aber “im Sinne der Generationen-Gerechtigkeit” dringend erforderlich.
In diesem Sinne, denkt mal Alle nach; vor Allem die in den Parlamenten unserer Republik…..
Nun ja, wenn Freiberufler und Selbststaendige einzahlen wuerden, dann staende Ihnen auch eine Auszahlung zu. Dies ist aber nicht der Fall und sicherlich wird dies, im Falle des Falles. auch von diversen Gerichten bestaetigt werden. Was ich auch verstehen kann und bestimmt zu weniger Unternehmensgruendungen fuehrt.(Unternehmensgruendung ungleich neue Industriekapitaene die alles ausbeuten)…
Mal ein anderer Vorschlag, mal 3 Mio neue sozialversicherungspflichtige Jobs und Zack ist der Wald gerettet, zumindest die Rente. Wenn man eine Rente seitens des Staates will, das ist die erste Frage und in vielen Laendern wird dies anders gehandhabt, dann muss man sagen, wie man das bezahlen will und was die Gesellschaft bereit ist dafuer zu geben (wie eigentlich bei allen Sozialleistungen). Man kann ueber eine Grundrente nachdenken, die man je nach Punktesystem bekommt, aber da muss man ueberlegen, wer wieviele Punkte bekommt – der Maurer mehr als der Versicherungssachbearbeiter. Und wenn man genug Punkte hat, haut man in den Sack.
Egal wie es geloest wird, es wird in der Breite weniger und stellenweise vielleicht auch ungerechter. Nur, ich bin derzeit 31 und werde sicherlich KEINE Rente bekommen, egal ob ich bis 67 oder 76 arbeite. Aber ich habe gut eingezahlt. Damit die Renter heute zur AWD gehen koennen (nur am Rande weil im Artikel erwaehnt) und umsonst ins Schwimmbad duerfen. Aber um die Hoehe der Rente geht es hier ja nicht und immerhin wird das ja in den naechsten Jahren die groesste Waehlergruppe werden. Also, von daher, wenn ich 55 ware, schoen fein in Rente, nebenbei ein wenig schwarz malochen und abends nach Feierabend umsonst ins Schwimmbad – oder ins Theater, dafuer hat man ja auch Freikarten