First things first: Die Nachricht, dass die sogenannte Telefonabzocke gesetzlich erschwert werden soll – was all jene erleichtert haben dürfte, die dumm genug sind, am Telefon ihre Bankverbindung durchzugeben –, war der “Süddeutschen Zeitung“ im Sommerloch eine Titelstory wert; die eventuell noch etwas brisantere, dass die deutschen Stromkonzerne ihren Kunden scheint’s überhöhte Rechnungen gestellt haben, fand sich, später, zwar auch auf Seite eins, aber nur am rechten Seitenrand und der Bericht bloß im Wirtschaftsteil; aber immerhin: “Insgesamt kassierten Energiekonzerne nach Berechnungen der Grünen in diesem Jahr beim Strompreis bis zu einer Milliarde Euro zu viel. Die Strompreiserhöhungen im Jahr 2010 seien nicht mit gestiegenen Kosten zu erklären, sagte die stellvertretende Fraktionschefin der Grünen, Bärbel Höhn, am Dienstag: ‘Die Marktmacht von RWE und E.ON muss gebrochen werden.’ Am Strommarkt regierten quasi Monopolisten.”
Ein deutscher Atommeiler ist eine Lizenz zum Gelddrucken
Auch wenn man den Grünen sonst nicht viel glauben darf: Hier haben sie recht, und es mag am Alter der Leier liegen, auf der die Klage über die Räuberpraxis der Energieindustrie gespielt wird, dass niemand mehr so recht hinhören mag; allenfalls dann noch, wenn es um den Ausstieg (oder den Ausstieg aus dem Ausstieg) aus der Atomenergie geht.
Ein deutscher Atommeiler ist eine Lizenz zum Gelddrucken: Längst abgeschrieben, sind mit jedem Tag, den eine Anlage am Netz bleibt, sagenhafte Gewinne zu erzielen, und alles, was man gerechterweise gegen Atomkraft vorbringen muss: dass sich im Mittel jedes Jahr allein in Deutschland 132 meldepflichtige Störfälle ereignen; dass es nach wie vor – und zwar weltweit – kein sicheres Endlager gibt; dass die Geschichte der Zwischenlager eine Skandalgeschichte ist (Asse, Gorleben); oder dass Kernanlagen natürliche Ziele für Terroristen sind, die mit vergleichsweise kleinem Aufwand ein ganzes Bundesland auf den Strahlenmüllhaufen der Geschichte werfen könnten – all das verblasst vor den, pardon, Profitinteressen der deutschen Atomwirtschaft, die mit Unterstützung hervorragend eingebundener Energielobbyisten wie auch bayerischer Ministerpräsidenten “Versorgungslücken“ herbeiflunkert und die Meiler als zuverlässige Lieferanten günstigen Stroms und sogar Klimaschützer verkauft, wobei selbstredend unterschlagen wird, dass Atomstrom ohne die massive Subventionierung von Anfang an gar nicht marktfähig gewesen wäre und dass das CO2-Einsparpotenzial durch Kernkraft im einstelligen Prozentbereich liegt.
Die übliche Kumpanei von Staat und Kapital
Aber solange die Dinger laufen, wird Geld verdient; und während langsam ins Kollektivbewusstsein gesickert ist, dass die viel besungene “Energiewende“ jedenfalls was mit Dezentralisierung zu tun haben müsste, hat die Regierung Schröder, deren Minister Clement und Müller (wie ihr Kanzler auch) in der Energiewirtschaft noch ein schönes Auskommen gefunden haben, die Monopolbildung im Energiesektor sogar noch gefördert. Dass der das ausnutzt und jetzt Restlaufzeiten von einem Atomkraftwerk zum anderen schiebt, ist bloß Betriebswirtschaft; und dass das Bundesumweltministerium bei der anhängigen Begutachtung Gorlebens auf Experten aus dem Dunst- und Freundeskreis der Atomwirtschaft zurückgreift, die übliche Kumpanei von Staat und Kapital.
Und fast möchte man drauf wetten, dass der baden-württembergische Ministerpräsident Stefan Mappus, der den vorsichtig ausstiegsbereiten Umweltminister Röttgen öffentlich zum Teufel gewünscht hat, einen entfernten Bekannten beim Atomstromkonzern EnBW hat; und wenn’s bloß Rezzo Schlauch ist.




















@ Stefan Gärtner.Die einzigen Dinge die beim Atomstrom geklärt sind ist a). die Berteiber damit riesen Gewinne einfahren b).jetzt auch noch die Politik aufspringt um mit zu kassieren.Nun ist auch noch bekannt geworden, das sich das Bundesamt für Strahlenschutz, mangels Experten ausser Stande sieht, eine Expertise für das Endlager Gorleben zu erstellen.Wer da auf den Gedanken kommt das das Bundesamt erst mal auf die Regierung warten muss das man auch die richtige ausstellt ist ein Schelm.Und die Grünen? unsere Vorkämpfer von Asse und Gorleben, sorry, die haben im Moment keine Meinung aus Rücksicht auf eingegangene Koalitionsverträge.Die Laufzeitverlängerung wird kommen, denn nur so lässt sich die Frage nach der Endlagerung aufschieben, erspart er den Betreibern und Regierung die Antwort das es keine sichere Endlagerung geben wird und die Demontage eines Atomkraftwerkes nicht möglich ist.
Wie kann man die Frage nach der ENDlagerung aufschieben und gleichzeit Laufzeitverlängerungen diskutieren? Warum lässt die meisten von uns, das blökende Stimmvieh, kalt? Muss erst ein Unfall passieren (der nicht vertuscht wird?)??
Wenn ich etwas zu sagen hätte, würde ich alle Kernkraftwerke sofort abschalten. Den Aufschrei, auch von Ihnen, möchte ich dann hören, wenn Sie abends bei Kerzenschein die Zeitung lesen, Ihre Frau den Kohleofen anschmeissen muß, das Telefon nicht mehr geht etc. Den Strom müßten wir aus Frankreich teuer beziehen.
Sehr geehrter Herr Schuster. Das wird nie passieren. Der Anteil der aus Atomkraftwerken erzeugten Energie im deutschen Netz beträgt knapp mehr als ein Viertel und liegt derzeit bei etwa 28% Tendenz fallen. Sicher würden sie Ihren weihnachstbaum vielleicht für eine Übergangszeit eher mit echten Kerzen schmücken, oder darauf verzichten alle elekrischen Geräte im Haus gleichzeitig auf Hochtouren laufen zu lassen, jedoch wäre eine Alltagsversorgung gewährleistet. Apologeten wie sie spielen mit den Ängsten der Menschen und der Lobby in die Hand. Traurig. Quelle:http://www.atomstrom.biz/anteil-atomstrom.html
Jeden Freitag warte ich schon auf Gärtners Kolumne im European; sollte sie aufhören, generiere ich hier bestimmt keine Klicks mehr!
Traurig, dass man sich heutzutage zumindest teilweise in die Satire begeben muss, um noch seriösen Journalismus zu produzieren (vgl. auch Erwin Pelzig).
GENAU! Ganz zu schweigen vom Großmeister Georg Schramm! Schade, dass er die “Anstalt” verlässt (verlassen musste?)!
@ Klingelhella: Gärtner mit Pelzig zu vergleichen ist aber mal sehr geschmacklos, mein Lieber!
@Payman: bitte ausführlicher erklärt und mit Begründung. Außerdem verbitte ich mir solche schmierig-herablassenden Anreden wie “mein Lieber”.
wenn man hier schon Namen nennt, dann sollte man auch Joschka Fischer und Rezzo Schlauch als ehemalige Promi-Grüne bennenen, die nun in der Energiewirtschaft – SChlauch sogar bei EnBW – mit einem Beratervertrag belohnt wurden – fragt sich nur, für was….