Da muss man kein Mathematiker sein, da reicht Volksschule Sauerland, um zu wissen: Wir müssen irgendetwas machen. Franz Müntefering

Von Äpfeln und Birnen

Was denn nun? Sollen wir für den Frauenfussball andere Maßstäbe anlegen als für Männer oder auf Gleichberechtigung pochen? Beides gleichzeitig geht nicht. Dabei könnte es so einfach sein: Jedem das Seine, jeder das Ihre.

Kann Mann zum Frauenfußball eine eindeutige Meinung haben? Alle männlich-medialen Hämethemen im Stil von „Wird in der Kabine vorm Spiel noch etwas Rouge aufgelegt?“ oder „Welches Schuhdesign wählt Lira Bajramaj heute?“ mal beiseite – zu konstatieren ist: Das Fußballspiel der Frauen ist ein athletisch anderes als das der Männer. Insofern nicht vergleichbar. Insofern eigenständig. Insofern haben die Frauen recht, wenn sie auf diese Unterschiede ständig mit dem Zeigefinger draufzeigen.

Nicht besser, sonders anders

Was mich dennoch stört, ist die Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit. Nämlich einerseits: die Forderung, frauenathletische Maßstäbe anzulegen. Andererseits: das Fußball-Spiel nach genau denselben männerathletischen Regeln spielen zu wollen, der Gleichberechtigung wegen. Das geht genauso wenig zusammen, wie die Forderung – und das Thema läuft seltsam parallel zur Frauen-WM – Lesben und Schwule sollten vorbehaltlos akzeptiert werden; andererseits aber beharren einzelne Gruppen auf geschlossenen Communities, wollen unter sich bleiben.

Frauenfußball ist auch nicht der bessere Fußball, er ist ein anderer Fußball. Kick and rush als Spielgestaltung, Zuspielbillard vor und in den Strafräumen, permanentes Bällewegschlagen, und – mein Liebling: die Hinterkopfballverlängerung eines hohen gegnerischen Balls nach hinten in die eigene Abwehr. Positiv gesagt: der Instinkt überwiegt, Technik und Taktik stehen hintan. Sind das wieder Männermaßstäbe? Es wirkt nicht wie die Frauen-Version des Fußballspiels; es ist eher die Softball-Version des Männerspiels.

Die Atmosphäre in den WM-Stadien ist zweifellos eine komplett andere als bei Männerspielen: statt Schlachtgebrüll und Fäkalbeschimpfung dominiert Frohsinnslachen und Spinnenangstgekreische. Es dröhnt kein basslastiges AC/DC-Stück – vielmehr planscht James Blunt platteuphorisch durchs weite Rund. Es fühlt sich eher an wie Kindergeburtstag.

Was hast du denn gegen Frauenfußball?

Aber die Männer kapieren’s auch nicht. Wann, wenn nicht jetzt, wäre zum Beispiel endlich die Gelegenheit, bei der Berichterstattung generell mal von Zuschauerinnen zu sprechen? Ganz anders auf den Punkt gebracht hat’s diese Dame (Name dem Autor bekannt): „Was hast du denn gegen Frauenfußball? Ich hab neulich in meiner Wohnung rumgeputzt, der Fernseher war an, ein Spiel lief gerade, und dann saß ich aufm Sofa und hab zugeguckt und fand’s ganz possierlich …!“

Leserbriefe

  • Theeuropean-placeholder
    kleinErna – 07.07.2011 - 16:38

    Mir ist ehrlich gesagt nicht ganz klar, worauf Sie (Stefan Erhardt) hinaus wollen? Mal für, mal gegen Frauenfußball, mal nicht vergleichbar mit den Männern, dann wird doch wieder verglichen. Alles in Allem nicht sonderlich aufschlussreich, das Ganze.

    Frauenfussball ist, wie er ist. Es ist wie bei allen anderen Sportarten auch, die von Männern und Frauen parallel betrieben werden, unvergleichbar und doch auch wieder nicht. Die Vergleichbarkeit liegt aber ausschließlich im Auge des jeweilgen Betrachters. Sein (natürlich auch “ihr”) Empfinden ist entscheidend, ob er vergleicht und wie er vergleicht. Das ist wie mit dem Geschmack, über den sich eben doch NICHT STREITEN läßt.

    Ich finde die derzeitige Frauen-Fußball- WM eine tolle Sache für alle aktiv und passiv Beteiligten und ich bin sicher, wenn sich bei den Schiedsrichterinnen noch Einiges tut, wird das (zumindest mal bei uns) über die Bundes-, Landes-, und Regionalliga bis in die Bezirksligen hinein einen positiven Schub für diese Sportart erbringen. Und das wäre doch das Schönste an Anerkennung, oder?

  • Theeuropean-placeholder
    stefan erhardt – 08.07.2011 - 19:04

    Das genau meinte ich: Frauenfußball ist, wie er ist – bzw. inzwischen auch das, was aus ihm gemacht wird. Und so nett die Fernsehbilder ab und an je nach Spielqualität anzusehen sind, bleibt nicht zu verhehlen, dass die FIFA hier allmählich erkannt hat, warum sie diese Seite des Fußballs fördern sollte: Weil nämlich da auch einiges an Geld zu scheffeln ist.
    Da sind wir dann wieder an den Abgründen des Fußballs allgemein, und damit bei der Diskrepanz zwischen Fußballspiel und Fußballgeschäft.

  • Theeuropean-placeholder
    Julia – 09.07.2011 - 08:42

    Ich muss leider feststellen, dass The European beim Thema Frauenfußball an Machismo kaum zu überbieten ist, was mich extremst annervt. Ein reifer Artikel über diese WM von Ihrer Seite würde Ihrem “Blatt” mal gut tun.

  • Theeuropean-placeholder
    Robert Mugabe – 09.07.2011 - 08:54

    Das führende Fachblatt für Frauenfußball ist aber auch Bluthilde – ef hat es kürzlich wieder einmal betont: http://www.ef-magazin.de/2011/06/30/3067-der-hype-um-den-frauenfussball-teil-2-laufen-erna

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