Herr Professor Bratzel, Sie haben eine Studie mit dem Titel „i-Car: Die junge Generation und das vernetzte Auto“ durchgeführt. Was waren die Ergebnisse?
Eine wichtige Erkenntnis war, dass für große Teile der jungen Generation Handy und Internet wichtiger sind als das Automobil – sie würden deutlich bereitwilliger auf ihr Fahrzeug verzichten als auf ihr Smartphone. Darum stellen sie hohe Ansprüche an ein vernetztes Auto, sind aber andererseits auch bereit, für attraktive Mehrwertdienste Geld auszugeben. Das bedeutet für die Hersteller eine Chance, sich zu profilieren.
Welche Rolle wird das Automobil als Teil unseres Lebens spielen?
Eine unverändert große. Dabei wird es einerseits immer sicherer werden, gleichzeitig werden andererseits auch vielfältige Infotainment-Angebote ins Auto Einzug halten. Die Autoindustrie wird viele wichtige Trends der IT-Welt in den nächsten 10 bis 15 Jahren aufnehmen.
Zum Thema Sicherheit: Wie weit sind aktuelle Fahrerassistenz- und Verkehrsleitsysteme – und was werden sie in Zukunft können?
Zwei sehr wichtige Schlüsselbegriffe, die mit Vernetzung zusammenhängen, sind Car-to-Car-Communication und Car-to-Infrastructure-Communication. Bei Letzterer ist es zum Beispiel denkbar, dass mein Auto bald mit der einen Kilometer entfernten Ampel kommuniziert und seine Geschwindigkeit auf die nächste Grünphase abstimmt. Entsprechende Pilotprojekte gibt es schon. Auch bei der Kommunikation zwischen Fahrzeugen geht es um Synchronisierung und vorausschauendes Risikomanagement. So könnten Autos sich per Netzanbindung – oder aber über Nahfunkverbindungen – vor Gefahrenstellen auf der Strecke warnen. Hier müssen viele Daten ausgetauscht und organisiert werden, die passenden Protokolle und Verfahren sind aber ebenfalls schon vorhanden.
Zwei Schlüsselbegriffe: Car-to-Car-Communication und Car-to-Infrastructure-Communication
Das Auto wird also eingebunden in umfangreiche Machine-to-Machine-Kommunikation (M2M). Wo kommt diese noch zum Einsatz?
Denken Sie an Servicelösungen, zum Beispiel Telerepair. Das Auto ist ja heute schon mit unzähligen Sensoren ausgestattet. Die stellen ein Problem fest und melden es direkt der Werkstatt. Je nach Situation könnte das Auto sogar direkt die nächstgelegene Servicestelle suchen – oder für mich einen Termin in der Stammwerkstatt vereinbaren.
Immer sicherer, aber auch immer individualisierter? Wie persönlich wird mein Fahrzeug bald werden?
Per Datenanbindung an die Cloud gibt es vielfältige Möglichkeiten, das Auto noch mehr an den Fahrer anzupassen. Ein Beispiel: Das Auto kennt meinen Terminkalender und vergleicht ihn mit den Navigationsdaten und der Verkehrssituation. Ist mit einer Verspätung zu rechnen, kann ich dem Auto eine SMS an meine Verabredung diktieren oder es als Notlösung eine Verbindung mit einem anderen Verkehrsmittel suchen lassen.
Dafür ist eine sichere Schnittstelle zwischen Mensch und Auto
nötig…
Unbedingt. Damit die Aufmerksamkeit des Fahrers nicht beeinträchtigt wird, brauchen wir eine vernünftige und komfortable Sprachsteuerung. Aber auch hier ist die Branche ja auf einem guten Weg.
Können Sie prognostizieren, welche Technologien die größten Chancen auf Umsetzung haben?
Grundsätzlich sind Sicherheit und Infotainment die großen Megatrends im Automotive-Bereich. Und natürlich werden alle Ideen, die die Unternehmen allein realisieren können, einen Zeitvorsprung haben.
„Connected Drive“ mit Vodafone
Im Bereich der Machine-to-Machine-Kommunikation (M2M) kooperiert Vodafone ab Sommer 2012 mit der BMW Group. In allen Neuwagen des bayerischen Herstellers werden spezielle SIM-Chips von Vodafone verbaut. Für die Automobilindustrie entwickelt Vodafone innovative Konzepte für das vernetzte Fahrzeug von morgen.











