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„Ich dachte immer, ich würde in einer Bibliothek enden“

Was ist eigentlich ein Seabear? Und worin liegt die Faszination für Astrid Lindgren? Louisa Löwenstein sprach mit Sindri Siguffon über Musik und die Fragen des Erwachsenwerdens.

The European: Wie haben Sie mit der Musik begonnen?
Sigfusson: Ich war einfach sehr interessiert an Musik, als ich ein Kind und Teenager war. Als ich dann 19 oder 20 wurde, habe ich gedacht, dass ich es vielleicht einmal versuchen sollte. Also habe ich angefangen Gitarre zu spielen.

The European: Sie haben einfach angefangen Gitarre zu spielen ? Das klingt einfacher, als es ist. Wann haben Sie angefangen, eigene Musik zu machen, Songs zu schreiben?
Sigfusson: Damit habe ich schon relativ früh angefangen. Ich bin für einige Monate zum Gitarrenunterricht gegangen und war nicht besonders gut im Lernen. Mein Lehrer sagte immer: „Geh nach dieser Stunde nach Hause und spiele den Song“ und beim nächsten Mal haben wir ihn dann zusammen gespielt. Die Songs anderer Leute konnte ich mir nicht so gut einprägen, also fing ich stattdessen an, meine eigenen ganz einfachen Lieder zu machen. Das fand ich viel lustiger. Ich habe auch viel herum experimentiert mit Computernmusik, einfachen Tönen, Lärm und so. Kurz darauf habe ich meine eigenen Sachen aufgenommen.

The European: Der Rolling Stone hat Sie den „Beck Islands“ genannt. Gefällt Ihnen dieser Vergleich?
Sigfusson: Ich habe nichts dagegen.

The European: Mit wem würden Sie lieber verglichen werden?
Sigfusson: Prince.

“Ich habe wirklich Spaß”

The European: Kritiker überschlagen sich ja gerne mit Vergleichen…
Sigfusson: Genau. So etwas wie „ein Mix zwischen dieser Band und jener“. Ich schätze, dass ist eine einfache Methode, um die Musik von jemandem zu beschreiben.

The European: Mit welchem Wort würden Sie sich denn beschreiben?
Sigfusson: Spaß. Wenn ich Musik aufnehme und wenn ich Musik spiele, habe ich wirklich Spaß. Ich glaube auch, ich würde es nicht mehr tun, wenn es keinen Spaß machen würde. Spaß für mich in erster Linie. Ich denke, wenn der Musiker Spaß hat, werden es auch andere Leute mögen. Daran glaube ich fest.

The European: Als Sie anfingen Musik zu machen, waren Sie noch allein und dann erst formierte sich die Band um Sie herum. Wie ist das passiert?
Sigfusson: Ich wurde eingeladen, hier in Berlin zu spielen. Das war 2005 glaube ich. Vorher hatte ich noch nie live gespielt. Also habe ich zwei Freunde von mir gebeten – einer spielt Gitarre und der andere Violine – mit mir nach Berlin zu kommen und das Konzert zu spielen. Danach spielten wir erste einmal als Trio bevor wir irgendwann beschlossen daraus eine Band zu machen. Wir haben einige Konzerte wie eine Probesession gespielt. „Kannst du vorbei kommen und bei dem Konzert Schlagzeug spielen?“ Und irgendwann waren sie einfach Teil der Band. Heute besteht der Kern der Band aus uns sechs Leuten.

The European: Nordische Bands wie Mando Diao, Kashmir, Shout Out Louds oder Sigor Ros sind international bekannt. Welche nordische Bands mögen Sie am meisten?
Sigfusson: Ich mag viele Bands aus der isländischen Musikszene. Die sind wirklich gut. Efterklang aus Dänemark sind sehr gut. Es gibt auch viele gute Sachen in Schweden, wie Robyn und Lykke Li und Wildbird & Peace Drums. Ich glaube mein nordisches Lieblingsland in Sachen Musik ist neben Island Schweden. Ich finde, die sind wirklich sehr gut. Aber es gibt auch richtig viele tolle isländische Bands!

The European: Wenn Sie nicht Musiker wärem, was wären Sie dann gerne geworden?
Sigfusson: Ich dachte immer, ich würde in einer Bibliothek enden.

The European: Wirklich? Als Bibliothekar?
Sigfusson: Genau. Ja. Vielleicht mache ich das ja später einmal, wenn es mit der Musikkarriere nicht mehr klappt.

The European: Was bedeutet „Seabear“?

Sigfusson: Eigentlich ist es nur ein Name, den ich einmal in ein Notizbuch gekritzelt habe als ich in England lebte. Da habe ich eigentlich angefangen Musik zu machen. Ich besorgte Mikrofone und so und versuchte aufzunehmen. Dann dachte ich, ich bräuchte langsam einen Namen für das Projekt. Also schaute ich mein Notizbuch durch und dort stand „Seabear“ geschrieben.

“Seabear würde wie ein alter Seemann aussehen”

The European: Soll das ein Tier sein?
Sigfusson: Nein. Es bedeutet eigentlich nichts. Mir gefiel einfach, wie es klang.

The European: Wie würde ein „Seabear“ denn aussehen, wenn er ein Tier wäre?
Sigfusson: Ich weiß es nicht, aber ich habe von Deutschen gehört, dass ein „Seebär“ ein alter Seemann ist. Also würde er wohl wie ein alter Seemann aussehen.

The European: Welcher Nicht-Musiker hat Sie Ihrer Meinung nach am meisten beeinflusst?
Sigfusson: Nicht-Musiker? Oh, ich weiß es nicht. Das ist schwer. Es war kein Künstler. Kann ich sagen, es war meine Familie? Ist das die richtige Antwort?

The European: Selbstverständlich. Sie können sagen, was immer Sie wollen. Im März sind Sie durch die USA getourt. Inwiefern war das anders als in Europa?
Sigfusson: Viele lange Autofahrten. Aber es hat Spaß gemacht. Wir waren auch vor einem Monat noch einmal dort. Im März tourten wir an der Ostküste und letzten Monat an der Westküste. Schon als Kind habe ich amerikanische Musik und Filme und Kultur geliebt. Bis ich 27 war, bin ich nie dort gewesen. Also war es bis dahin so etwas wie eine Traumwelt für mich. Und dann fährt man hin und man fühlt sich als wäre man in einem amerikanischen Film oder so. Die einzelnen Bundesstaaten sind auch alle so unterschiedlich. Das könnten viele verschiedene Länder sein. Anders ist vielleicht auch, dass ich glaube in Amerika gibt es mehr von diesen verrückten Super-Fans, ungefähr einen bei jedem Konzert. Dann fühlt man sich, als wäre man Bon Jovi oder so.

The European: Für wen würden Sie gern spielen?
Sigfusson: Das ist eine schwere Frage. Ich würde Astrid Lindgren sagen.

The European: Welches ist Ihr Lieblingsbuch von Astrid Lindgren?
Sigfusson: Der Klassiker, Pippi Långstrump (Pippi Langstrumpf). Ich hatte das auf Video als ich klein war. Und meine Tochter hat gerade angefangen es zu schauen. Ich liebe es, mir das wieder anzusehen.

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