Ostafrika ist eine von Natur aus fragile Region, die einerseits mit Dürreepisoden und andererseits mit Überschwemmungen geplagt ist, welche zur Vertreibung ganzer Bevölkerungsgruppen führen. Es leben dort mehr als 180 Millionen Menschen, wovon 135 Millionen zur Landbevölkerung zählen. Mindestens 20 Millionen Hirten leben fast ausschließlich von der Viehzucht.
Allerdings kann man die wiederkehrenden Hungersnöte nicht ausschließlich auf die Widrigkeiten der Natur zurückführen. Die Lebensmittelproduktion ist strukturell unzureichend, auch in den Jahren mit relativ guten Niederschlägen. Gründe dafür sind ein Mangel an Produktionsmitteln und wenige Anreize aus der Politik. Darüber hinaus bringt die Einfuhr von überschüssigen Nahrungsmitteln die lokalen Märkte durcheinander. Die Region ist außerdem und vor allem durch die seit mehreren Jahrzehnten immer wiederkehrenden bewaffneten Konflikte geschwächt.
Die nachhaltige Lösung muss strukturell sein
Humanitäre Maßnahmen lindern sicherlich die Schmerzen, aber sie heilen nicht die zugrunde liegende Krankheit. Daher müssen die afrikanischen Regierungen mehr Verantwortung übernehmen. Die Menschen sollten von ihnen erwarten können, dass sie:
- den Teufelskreis aus bewaffneten Konflikten und politischer Instabilität beenden (ein entscheidender Schritt, um eine bessere Steuerung in Sachen Ernährungssicherheit zu gewährleisten);
- eine proaktive Landwirtschafts- und Lebensmittelpolitik einführen, die nachhaltige Investitionen in die Landwirtschaft fördert und die durch den Klimawandel betroffenen Bevölkerungsgruppen stärker dabei unterstützt, sich an die neue Klimabedingungen anzupassen;
- den regionalen Markt stärken, indem sie die Verzerrungen zwischen den nationalen Märkten beseitigen und die Infrastruktur und das Geschäftsklima verbessern;
- Frühwarnsysteme und Einrichtungen zur Vorsorge von Dürren, Lebensmittelknappheit und zur Verhinderung von bewaffneten Konflikten verstärken.
Eine regionale Antwort finden
Isoliert betrachtet, ist kein Land in der Lage, eine nachhaltige Lösung für diese komplexe Situation zu finden. Demnach ist es schwierig, mit der Wiederkehr der Hungersnöte zu brechen, ohne eine regional koordinierte, gemeinsame Antwort zu formulieren. Das Teilen von Erfahrungen und gemeinsame Maßnahmen können dazu beitragen, die strukturellen Gründe für die Hungerkrisen in der Region anzugehen. Eine regionale Organisation wie die Entwicklungsorganisation der Staaten Ostafrikas (Intergovernmental Authority on Development – IGAD) müsste hier eine zentrale Rolle spielen.
Die Bemühungen vonseiten der Geber müssten sich auch noch mehr in einen regionalen Ansatz einfügen und eine regionale Landwirtschafts- und Ernährungssicherungspolitik fördern, die die Komplementarität der Länder einbezieht. Die Erfahrungen der Westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft (frz. CEDEAO, engl. ECOWAS) und insbesondere die Annahme der neuen „Charta für die Prävention und Bewältigung von Ernährungskrisen in West-Afrika“ (Charte pour la prévention et la gestion des crises alimentaires) könnten als Inspiration für die erwarteten Veränderungen am Horn von Afrika dienen.
Mehr Informationen zur Charta finden Sie hier: Charter for Food Crisis Prevention and Management.


















