Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen und Gott und dem Evangelium mehr als dem Papst. Hans Küng

Geplantes IS-Messerattentat sollte Racheakt sein

Nicht Münster hat das Terrorproblem! Berlin, 19. Dezember 2016: Terroranschlag auf den Weihnachtsmarkt an der Gedächtniskirche. Der Täter, IS-Terrorist Anis Amri, wurde gestellt und erschossen. Berlin, 8. April 2018: Amris muslimische Terror-Kumpane wollten seinen Tod blutig rächen. Eine Art von Rache, die der hiesige Kulturkreis bisher nicht kannte, ist offenkundig das Motiv.

Ein heiteres Sportereignis, schönstes Frühlingswetter, das erste Erdbeereis im Freien, viele Menschen auf den Straßen Berlins. Und dann der Verdacht: Dieses Szenario sollte einer Gruppe muslimischer Aktivisten dazu dienen, um eine möglichst große Zahl von Menschen mit rasiermesserscharf geschliffenen Kampfmessern zu töten. Es gab sogar erste Hinweise, dass auch eine Bombe gezündet werden sollte – zugleich mit den geplanten Messerattentat oder bei einem weiteren Anschlag. Die Polizei in der Hauptstadt, die das krasse Versagen der Sicherheitsorgane und des mehrheitlich linkgerichteten Berliner Senats allzu oft auszubaden hatte, hatte diesmal gut aufgepasst. Sechs mutmaßliche muslimische Gefährder landeten für rund 48 Stunden im Polizeigewahrsam.

Der Grund löst Entsetzen aus

Ein fataler Terroranschlag, der viele Menschenleben bedroht hätte, war zu befürchten. Allzu konkret waren die Pläne wohl nicht, wie die Polizei ermitteln konnte. Das ist eine erleichternde Nachricht. Erschütternd ist hingegen das Motiv der Täter, die den mehr oder weniger konkreten Plänen unstrittig zugrundelagen: Rache für Anis Amri. Rache für den Tod des Attentäters vom Breitscheidplatz. Rache für den Tod des Mannes, der einen schweren Lastzug in einen Weihnachtsmarkt steuerte. Am 19. Dezember 2016 war es eben nicht nur ein junger, radikalmuslimischer, vielleicht drogensüchtiger Mann aus Nordafrika, dessen Hölle im Kopf offenbar so schlimm ist, dass er eine solche Tat begehen konnte. Nein, Amri hatte Hintermänner, die genauso sehr im Gedankengut des Terrors, der Ideologie der muslimischen Schwertmission und den mutmaßlichen Mordgedanken während der Koranlektüre verstrickt sind, wie es der Attentäter vom Breitscheidplatz war.

Die Tageszeitung „Welt“ fasst auf ihrer Webseite zusammen: „Ein gelungener Anschlag in Berlin hätte, ähnlich wie die Tat am Samstag in Münster, eine überaus gut besuchte Innenstadt getroffen, in der viele Menschen versammelt unterwegs waren. Am diesjährigen 38. Berliner Halbmarathon haben so viele Läufer teilgenommen wie noch nie in dessen Geschichte: rund 32.000.“ Doch warum gerade dieses Szenario? Warum unschuldige Menschen? Um einen naheliegenden Grund zu eruieren, ist kurzer Blick in die Reigions- und Kulturgeschichte vonnöten.

Der fundamentale Unterschied

Die Blutrache ist ein kulturelles Phänomen, das seit prähistorischer Zeit präsent ist. Wird ein Mitglied der eigenen Sippe getötet, gibt es einen Gegenschlag, bei dem nicht nur ein, sondern möglichst viele Mitglieder der „gegnerischen“ Sippe sterben sollen. Diese Art der wahllosen Tötung aus Rache zivilisatorisch in den Griff zu bekommen, ist eine enorme kulturelle Leistung. Sie wurde in mehreren Stufen offenbart – zunächst durch die alttestamentarische Regel „Auge um Auge, Zahn um Zahn, Hand um Hand, Fuß um Fuß“ (2. Mose 21, 24). Das war ein enormer Fortschritt, denn nun wurde das völlig unkontrollierte Töten verhindert. Und diese Regel wurde abermals durch Jesus Christus reformiert, der lehrte, wie die Rache insgesamt als Phänomen zu überwinden ist. Das berühmte Gleichnis von der rechten Wange, die man dem hinhalten solle, der einem auf die linke Wange schlägt (Matthäus 5, 39), illustriert das.

Jesus lehrte seine Jünger, dass es notwendig ist, für die Täter zu beten und ihnen tätig zu vergeben. Einem Leser verdanke ich dabei den Hinweis auf einen Aspekt von Schuld und Vegebung, der auch mir sehr wichtig ist und der hier tatsächlich nicht fehlen darf: Jesus lehrt keinen Pazifismus, wie an seinem Vorgehen gegen die Geldwechsler im Tempel und auch an den Ereignissen rund um seine Verhaftung im Garten Gethsemane klar erkennbar ist. Bei letzterer gelegenheit verwendet Petrus ein Schwert zwecks Verteidigung, und Jesus verbietet es nicht, sondern erklärt nur die psychischen Folgen der Anwendung von Gewalt. Auch von gerchtfertigter Gewalt. Die Vergebung ist, das wird hier klar nicht nur ein Akt der Gnade, sondern auch einer der Selbstreinigung. Deswegen ist der Verzicht auf unreflektierte Rache sogar doppelt wichtig.

Die Lehren Jesu werden im Islam aber abgelehnt, so wie seine Funktion als Messias strikt negiert wird. Das wiederunm hat Folgen für den islamischen Kulturkreis: Es hat seinen Grund, dass die europäischen und von Europa beeinflussten, ja, befruchteten Länder im Laufe der Jahrhunderte so viel erfolgreicher geworden ist als andere Teile der Welt. Die Forderung, auf Rache zu verzichten sowie eine weitgehend verbindliche Durchsetzung dieser Regle gehören dazu. Sie sind Grundlage zum Beispiel auch einer neutralen und damit unabhängigen Justiz. Eines hängt direkt an anderen. Die Moslems, die jetzt den Terroranschlag in Berlin geplant haben, gehören nicht in den Kulturkreis, der diese Regeln respektiert. Was also hatten sie in Berlin zu suchen? Warum sind sie nach Deutschland gekommen, wie wollen hierzulande mit ihnen umgehen?

Wo der Terror herkommt

Als ich im Jahre 2000, also noch vor den Anschlägen auf das New Yorker World Trade Center vom 11. September 2001, durch den Norden Pakistans reiste, habe ich auf den Schreibtischen der Behördenvertreter und Geschäftsleute, die ich besuchte, häufig das Bild des Ayatollah Khomeini gesehen, gerahmt, an einem Ehrenplatz. Als ich im Jahre 2004 wieder im Lande war, standen neue Bilder daneben: Mullah Omar und einmal auch Osama bin Laden, beide mutmaßlich finanziert aus Saudi-Arabien. Seit diesem Erlebnis – und das ist über zwölf Jahre her – weiß ich, was uns im westlichen Abendland erwartet. Falls es dieser junge Tunesier war, der in Berlin gestern als Terrorist in Erscheinung trat: er hat solche geistigen Vorbilder. Wer immer am Lenkrad des LKW saß, der zur Mordwaffe wurde: in ihm ging die Saat dieses Terrors auf.

Seit rund einem Jahrzehnt sage ich es, und ich sage es heute wieder: das 21. Jahrhundert wird als Zeitalter der Glaubenskriege in die fernere Geschichte eingehen. Die kulturelle Auseinandersetzung des 21. Jahrhunderts könnte größer und härter werden als das, was die Menschheit bisher sah. Das liegt an der völlig logischen und einfachen Tatsache, dass es derzeit weit mehr Menschen auf der Erde gibt als je zuvor. Starke Antriebe für den Islam, in dessen Offenbarung, speziell in den medinischen Suren des Koran, die Gewalt verankert ist, sind dabei der Kolonialismus vergangener Tage und die derzeitige wirtschaftliche Globalisierung. Doch diejenigen, die hierzulande und heutzutage getroffen werden, sind an möglichen Verbrechen vergangener Tage unschuldig. Und sie tragen auch keine Verantwortung für muslimischerseits empfundene Kränkungen, die ihre Vorfahren ausgelöst haben könnten.

Entwarnung für Berlin

In Berlin kann aufgeatmet werden. Andernorts aber nicht. Und die Menschen, die Anis Amri in den Tod riss, werden nicht wieder lebendig. Ja, und der Zusammenhang mit der Bundespolitik: er besteht. Wie schön wäre es gewesen, wenn Bundeskanzlerin Angela Merkel mit ihrer ungeheuer starken, ganz und gar mit christlichen Werten im Einklang stehenden Geste, einige Tausend in höchster Not befindlichen Flüchtlingen den Weg nach Deutschland zu öffenen, keine Dose der Pandora geöffnet hätte. Wie schön wäre es gewesen, wenn keine unkontrollierte Völkerwanderung eingesetzt hätte. Wie schön wäre gewesen, wenn keiner derjenigen, die hierzulande die christliche Nächstenliebe erfahren haben, diese missbraucht hätte. Wie schön wäre es gewesen, wenn das völlige Zusammenbrechen der Grenzkontrollen im Herbst 2015 keine Terroristen, keine Menschschlächter in unser Land gebracht hätte und keine Anhänger eines religiösen Faschismus, der sich als Islam geriert. Aber so war es wohl nicht. Die Verfechter einer strikten Obergrenze für den Flüchtlingszuzug haben mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit Recht. Und die Verfechter konsequenter Abschiebungen auch.

Lesen Sie auch die neuste Kolumne von Sebastian Sigler: Deutsche Umwelthilfe: geheime Staatsknete für den Stickoxid-Kreuzzug

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