Das Wort „alternativlos“ benutze ich nie. Denn es gibt immer Alternativen. Die Frage ist nur: Sind die besser? Jörg Asmussen

Wie der Terror überwunden wurde

Berlin, Stockholm, Paris, Nizza, ganz Syrien, der Norden des Irak sowieso – und zu Ostern auch wieder Kirchen des östlichen Christentums? Der islami(sti)sche Terror zieht eine Blutspur durch die Welt. Was verbindet diese Plätze des Terrors? Dass alles längst überwunden und vergeben ist.

Die radikalen Kräfte innerhalb des sunnistischen Islams, die hinter dem weltweiten Terror im Namen Allahs stehen, sind spätestens seit dem 11. September 2001 in unsere christlich geprägte und fundierte Kultur eingebrochen. Und New York ist längst überall. Wann immer man in Berlin über den Breitscheidplatz geht: Am Mahnmal für die Opfer des islamischen Terroristen Anis Amri – dessen Hintermänner jüngst in Italien dingfest gemacht werden konnten – stehen immer Menschen, gedenkend, mit Blumen oder Kerzen in der Hand.

Unvergessen sind die Mordserien von Brüssel, die Anschläge von Paris. Speziell dort wollten Selbstmordattentäter auf den Tribünen des Nationalstadions während eines Freundschaftsspieles der deutschen und der französischen Fußball-Nationalmannschaft durch Bombenanschläge vor laufenden Fernsehkameras, vor den Augen der Welt Tod, unendliches Leid und große Verwüstung bewirken. Das gelang nicht, aber Paris erlebte einen grausigen Anschlag auf die freie Welt; 130 Menschen wurden ermordet, hunderte verletzt, vor allem durch das Massaker im Musikclub Bataclan – ein ganzer Kontinent wurde traumatisiert. Der Sieg, den des Terror erringen konnte, besteht darin, dass, wenn es irgendwo gewaltig knallt, wir alle unwillkürlich exakt an diesen Terror, an diesen 13. November 2015 denken. Oder auch an den 19. Dezember 2016, als der Berliner Breitscheidplatz zum Schauplatz des islamischen Terrors wurde. Aber das ist trotz allem nicht der entscheidende Sieg.

Es geht gegen uns alle

Es ist Osterzeit. Der Segen Urbi et Orbi ist gesprochen, das ostkirchliche Osterfet steht vor der Tür. In den vergangenen Jahren wurden in Ägypten regelmäßig vor den höchsten Kirchenfesten tiefgläubige Christen koptischer Herkunft angegriffen, in Frankreich dagegen wurden, einer kalten Logik folgend, im November 2015 die Spieler der Fußballnationalmannschaften angegriffen, auch die aus Deutschland, wo man dem Wort Gottes mehrheitlich nicht mehr recht folgen möchte. Unsere gesamte Kultur wird aber von außen als Einheit gesehen und als Einheit bekämpft. Aus radikal-muslimischer Sicht ist jeder, der nicht für Allah kämpft, ein Gegner. Das werden auch alle, die sich vom Christentum abgewandt haben, erkennen müssen. Jeder hierzulande wird das erkennen müssen.

Landauf, landab machen sich viele Menschen Gedanken, ob sie angesichts des IS-Terrors in bestimmte Länder reisen, ihre Kinder im Dezember wieder auf Weihnachtsmärkte mitnehmen – oder sogar, ob sie mit ihnen ins Fußball-Stadion gehen. Und genau das ist der Schaden, den der IS-Terror bereits angerichtet hat. Nicht vergessen sei im übrigen, daß in rund 80 Ländern weltweit Christen verfolgt werden, davon in 50 Ländern von Staats wegen. Mehr als eine Viertelmilliarde Christen lebt in Angest um Leib und Leben, und dazu gehört in Ländern wie Pakistan und Ägypten auch handfester Terror, der die staatliche-religiöse Unterdrückung noch verschärft. Es ist derselbe Schrecken, der auch in der freien Welt diejenigen, die Jesus Christus als ihren Herrn sehen, in Atem hält.

Die christliche Sicht auf all diese schrecklichen Ereignisse weltweit gibt indessen die Möglichkeit, dies alles theologisch zu überblicken und einzuordnen. Die Passion Christi geschieht auch heutzutage, millionenfach. Aber alles ist bereits überwunden, indem es geschieht. Alles ist bereits vergeben. So wie Jesus dem Judas seinen Verrat vergeben hatte, bevor dieser geschehen war. Beim letzten Abendmahl war es Judas, dem Jesus einen Bissen Brot in den Mund schob – diese intime Geste ist symbolisch und im Kontext des jüdischen Seder-Mahles, dem Vorabend und Beginn des Pessach-Festes, zu betrachten.

Die große Passionszeit in Syrien

Doch über diese Überlegungen soll Syrien nicht vergessen werden. Viel ist hier zu sagen – hier sei nur eine Überlegung herausgegriffen: In Syrien existiert die Kirche aus der direkten Nachfolge Jesu Christi bis heute ungebrochen fort. Die Sprache, in der Jesus das Vaterunser betete, ist das Aramäische. Es findet sich auch heute in den Gottesdiensten der aramäischen Christen ebenso wie als Kirchensprache der syrischen Orthodoxie, die auch im Norden des Irak Verbreitung findet, ebenso wie die nah verwandte chaldäische Kirche. Und diese Kirchen, die syrische, die aramäische und die chaldäische, sind nie durch eine Reformation gegangen. Wer Jesus als Bruder spüren möchte durch alle Zeiten hindurch, der soll eine aramäische oder eine syrische Kirche besuchen. Es wäre völlig verwunderlich, wenn der radikale Islam, den der IS repräsentiert, nicht das Ziel hätte, diese frühchristliche, sozusagen originale Gemeinde mit Stumpf und Stiel auszurotten. Die dortigen Christen aber nehmen ihr Kreuz auf sich, sehr oft um ihres christlichen Glaubens willen und im wörtlichsten Sinn.

Viel ist über Syrien schon gesagt worden, über die Zerstörung und Schändung der ältesten Kirche der Welt in Maalula ebenso wie über die völlige Vernichtung des 1.600 Jahre alten Klosters Dair Mar Elia bei Mossul im Nordirak, dem biblischen Ninive. Und vor genau fünf Jahren, in der Passionszeit, wurden in Syrien der syrisch-orthodoxe Erzbischof von Aleppo, Mor Gregorios Yohanna Ibrahim, und sein griechisch-orthodoxer Amtsbruder, Paul Yazigi, brutal entführt und an einen unbekannten Ort verschleppt. Als Hintergrund sei dazugesagt, dass Aleppo für die Christenheit nicht irgendein Ort ist. Der Apostel Paulus wirkte hier, und der Apostelsitz von Antiochia ist nahe – er steht in einer Reihe mit Alexandria, Konstantinopel und Rom. Allerdings verläuft heute die türkische Grenze hier, und für die Christen ist es im alten Antiochia fast so schlimm wie im entsetzlich zerstörten Aleppo. Die Türken lassen in Antiochia, das sie derzeit Antakya nennen, keinerlei christiliches Leben zu. Christenverfolgung kurz vor der Erreichung des grausamen Zieles, sozusagen.

Wo sind die Erzbischöfe von Aleppo?

Von Mor Gregorios Yohanna Ibrahim und Paul Yazigi fehlt indes immer noch jede Spur, über ihren Verbleib oder ihr Überleben ist nichts bekannt. Für die Aramäer weltweit und die christliche Gemeinschaft im Nahen und Mittleren Osten markiert der 22. April 2018 damit einen schmerzhaften Jahrestag. Sämtliche Bemühungen zur Freilassung der Bischöfe blieben bisher erfolglos, wie der Bundesverband der Aramäer in Deutschland berichtet. Hinweise auf mögliche Lösegeldforderungen der Täter gibt es nicht, was überrascht, denn Islamisten sind oft sehr geldgierig. War es also ein rein religiös motivierter Terrorakt? Bis heute fehlt jedes Lebenszeichen. Immerhin, die baden-württembergische CDU-Landtagsfraktion setzte sich für die beiden hohen christlichen Würdenträger ein. Gemeinsam mit den aramäischen Christen hierzulande appellieren die Christdemokraten daran, die Botschafter des interreligiösen Dialogs und der Versöhnung niemals zu vergessen und appelliert an die Bundesregierung, ihre Bemühungen zur Freilassung der Bischöfe mit Nachdruck und aller Entschlossenheit fortzuführen.

Was in islamisch gepräften oder seit kurzen islamisch mejorisierten, also eroberten Gebieten immer wieder stattfindet, ist die Bekehrung durch Gewalt. Menschen werden gezwungen, sich durch Aussprechen der Worte der 1. Sure des Koran zum Islam zu bekennen. Die Alternative ist der Tod. Lossagung ist dann schwerlich möglich, denn auf Apostasie steht nach der Scharia ebenfalls die Todesstrafe. E möchte uns westlich geprägten, laizistisch gewendeten, bis zur Beliebigkeit von Riten und Traditionen entprägten Menschen schier unglaublich erscheinen, doch überall, wo der Islam herrscht, ist es so. An manchen Orten ist es ein gesellschaftlicher Druck, doch in sehr vielen Ländern ist es handfester, totalitärer, religiöser Terror. Und auch in Europa ist dieser Terror mitten unter uns. Immer mehr muslimische Mitbürger, die in unsere – immer noch – christlich geprägte Leitkultur integriert sind, sollen auch in Deutschland vor die Entscheidung gestellt werden, sich der „reinen“ Lehre des Koran zu verpflichten und die in den medinischen Suren des Koran vorgeschriebene Tötung von Christen zu praktizieren: Tötung dann, wenn sie sich nicht bedingungslos unterwerfen wollen. Dies geschieht zum Beispiel gehäuft in Flüchtlingsunterkünften.

Ist da eine Rettung?

Das Leid der Christen weltweit, es ist immens. Und dennoch ist alles bedacht, alles überwunden, jeder Terror ist nutzlos. Die Rettung konnte nur eine moralische Instanz bringen, die den Hass wirksam und immer wieder – also für alle Zeiten – überwindet. Und das ist die Liebe. Es ist Gott in seiner menschlichen Gestalt, der im Garten Gethsemane immer wieder – und auch heute – unsere Rolle einnimmt und bittet, dass der Kelch an ihm vorübergehen möge. Jesus betet also nicht zu einem anderen Gott, was ja die Dreieinigkeit ad absurdum führen würde. Gott ist ganz Mensch in diesem Moment. Und gibt sich in einem Akt der Selbstentsagung selbst hin, stellvertretend für die Sünden aller. In Bachs Matthäus-Passion ist das exemplarisch, in überzeitlicher – ja, fast überirdischer – Art zum Ausdruck gebracht.

Nur eine Liebe, die sich für der Erlösung aller Menschen selbst hingibt, konnte die Welt retten. Daran erinnert das Weihnachtsfest. Nur im Christentum gibt es diese Liebe. Im Judentum, bei den „Vätern“, wurde sie bereits an- und festgelegt; sie offenbart sich seit rund dreitausend Jahren Stück für Stück und manifestiert sich in dem dreieinigen Gott. Diese Liebe hat durch die Auferstehung Jesu Christi die Welt gerettet. Das ist die Grundlage für das Osterfest. Diejenigen, die erkennen, freuen sich und sind dankbar. Alle aber sind gerettet. Der Terror – er ist besiegt.

Lesen Sie auch die neuste Kolumne von Sebastian Sigler: Deutsche Umwelthilfe: geheime Staatsknete für den Stickoxid-Kreuzzug

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