Nur mit Gedankenspielen kommen wir der Wahrheit kritisch nahe. Juli Zeh

Bono: Milliardär dank Facebook

„You’re the best thing about me“, das ist der neueste Hit der legendären Rockgruppe U2 um ihren Frontmann Bono. Längst ist der zum Milliardär aufgestiegen – nur zu einem kleinen Teil wegen seiner Musik, und auch nicht wegen Steuertricks, die zwar legal sind, aber nicht gern gesehen werden. Nein, das meiste Geld machte Bono mit einem Investment in Aktien. Dabei bewies er Fähigkeiten als Visionär.

U2-Sänger Bono ist dieser Tage deutlich ins Zwielicht geraten. Zwar ist seit langem bekannt, dass er große Summen in karitative Projekte steckt, doch nun hat ein Reporternetzwerk eine riesige Blase von Steuervermeidung aufgedeckt, die sogenannten Paradise Papers. Und Bonos Name taucht darin auf. Zwar ist alles legal, doch es werden Steuern nicht fällig, die an anderen Orten bezahlt werden müssten. Ist denn ein Investor nicht frei in der Wahl des Ortes für legale Geldanlagen?

Nicht ganz. Was nicht jederman zugänglich ist, was nicht sozialisiert ist, das mag legal sein. So richtig legitim erscheint es den sehr sozialisierten unter den Zeitgenossen aber nicht. Darum kommt nun Kritik. Und seit der Vorgänger-Recherche, den Panama-Papers, ist alles anrüchig. Darum doppelt Kritik! Wie ja sowieso alles latent anrüchig ist, was Geld bedeutet. Und dreifach vedächtig ist, was gute Rendite bringt. Zumindest für gewisse Rechercheure.

Ein wenig mehr Objektivität und etwas Abstand, das täte hier gut. Sein Vermögen machte Bono offenbar, so weit man es bis jetzt weiß, völlig legal. neben den Einnahmen aus der Musik sind es Investitionen, die er tätigte. Die sind legal, werden aber nun teilweise als anrüchig empfunden. Natürlich investierte Bono in ein Einkaufszentrum in Litauen, das dann zweifelhafte Verluste gemeldet haben soll Und in Firmen, die in den Steuerparadiesen Malta und Guernsey beheimatet sind. Zwar legal, aber eben nicht Geschmäckle. Und so haben die Rechercheure zweier regionaler Radionsender und einer großen Tageszeitung eifrig und empörungheischend alles vermeldet. Und den Namen des Rockstars besonders hervorgehoben. Weil ihn nun mal jeder kennt.

Der Autor dieser Zeilen ist durchaus nicht wohlhabend. Aber die Investments von Bono stören ihn nicht. Die Paradise Papers, der neueste Aufreger in bestimmten Medien,sind aus Investorensicht gar nicht so aufregend. Und auch der Rockstar Bono verdankt den einen großen Teil seines Vermögens auch nicht irgendwelchen Briefkastenformen, sondern seiner Beteiligungsgesellschaft Elevation Partners, einen auf Medien, Unterhaltung und Technologie spezialisierten Investmentfonds, der derzeit auch ohne sein bestes Investment schon mehrere hundert Dollarmillionen schwer sein soll, und an dem bis auf weiteres nichts anrüchig ist. Doch Bono ist Milliardär, und dafür sorgt eben dieses ganz bestimmte Investment.

Die Vision eines Facebook

Bono lernte die Idee von Facebook früh kennen, wohl schon 2002, als noch kaum jemand an die Durchsetzungsfähigkeit einer Vison der weltweiten Vernetzung von Menschen glaubte. Doch Bono tat dies. Gute Kontakte zum Facebook-Gründer Mark Zuckerberg, der damals eher ein weltferner Nerd war, konnte der weltläufige und etwas raue, jedenfalls aber weltbrühmte Musiker wohl leicht aufnehmen. Ihn hatte diese Idee einer solch sozialen Art der sozialen Vernetzung überzeugt, er fand sie zukunftsweisend, und damit war Zuckerberg seinerseits auf doppelte Weise Bonos Fan. So kam Elevation Partners bereits 2009 zum Zug, als es um Venture Capital ging – Bono engagierte sich mit 90 Millionen bei Facebook, drei Jahre vor dem Börsengang des Netzwerkes. Dieses Investment sollte sich für den Musiker als eine Art weltweite Nummer 1 mit Platinstatus erweisen, und zwar ohne Zeitlimit.

Die Facebook-Anteile gewannen in den Folgemonaten an Wert, Elevation Partners kaufte nach. 2,3 Prozent an Facebook gehörten de facto Bono, als der Konzern den Börsengang im Jahre 2012 wagte. Bono wurde allein damit auf einen Schlag zum Milliardär: Facebook war zu 38 Dollar je Anteilsschein auf dem Parkett plaziert, seine 2,3 Prozent waren gute eine Milliarde US-Dollar wert. In der Folge veräußerte Elevation Partners gut ein Drittel des Aktienpakets: 1,5 Prozent blieben übrig. Inzwischen ist auch diese Beteiligung rund 2,1 Milliarden Dollar wert – angesichts einer Börsenkapitalisierung von Facebook von zuletzt 428 Milliarden US-Dollar.

Bono hat mit seiner Beteiligung an Facebook mehr Geld verdient als mit seiner kompletten Laufbahn als Sänger. Und unendlich viel mehr als mit seinen nun so sehr in die Kritik geratenen Investments. „You’re the best thing about me“, ist eine Hymne an seine Ehefrau, die es musikalisch in sich hat – aber Bonos Sinn für Investments, der ist auch nicht zu verachten. Mag sein, dass der Rockstar nun daran erinnert werden muss, dass man dem Kaiser geben soll, was des Kaisers ist – einerseits. Der Besitz von Eigentum ist bis dato indes erlaubt. So sei denn andererseits auch draran erinnert, dass, wer Eigentum besitzt, damit im Rahmen der Gesetze nach Belieben verfahren darf. Und erst, wenn sich die Gesetze ändern, was ja durchaus sinnvoll sein kann, werden auch Rockstars neue Wege des Investments suchen müssen. Erst dann.

Dieses Thema finden sie auch in den soeben erschienenen Anlagetrends 2018.

Lesen Sie auch die neuste Kolumne von Sebastian Sigler: St. Martin statt Halloween!

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