Ein Läufer braucht Träume im Herzen, nicht Geld in der Tasche. Emil Zatopek

Wie der Terror überwunden wurde

Berlin, Stockholm, Paris, Nizza, Alexandria, ganz Syrien – und auch Dortmund? Der islami(sti)sche Terror zieht eine Blutspur durch die Welt. Allein, dass in Dortmund an Terror im Namen Allahs gedacht wird, ist ein Sieg der Koran-Krieger. Auch wenn ganz andere Extremisten im Spiel sind, was durchaus sein kann. Was verbindet diese Plätze des Terrors? Dass alles längst überwunden und vergeben ist.

Am Mittwoch platzt die Bombe. Nur durch glückliche Umstände blieb eine Katatstrophe aus. Selbstbezichtigungsschreiben am Tatort deuten in islamistische Richtung, aber wichtige Details passen nicht, Zweifel bleiben. Karsamstag 2017 morgens kommt dann die Meldung, es gebe ein neues Selbstbezichtigungsschreiben zum Bombenanschlag auf die Fußballmannschaft von Borussia Dortmund, das als „letzte Warnung“ tituliert ist. Konkret soll dort die ungebremste Einwanderung von Menschen nach Deutschland als Anlass für dieses Verbrechen genannt werden. Also Rechtsextremisten am Werk? Die Art der Zustellung und auch deren Zeitpunkt lassen aber große Skepsis zu. Die unterschiedlichen Richtungen, aus denen das Verbrechen beansprucht wird, schaffen gleichwohl auch Raum für die Vermutung, dass ganz andere, kriminelle Motive hinter den Bomben von Dortmund stecken. Die Frage nach den Tätern ist völlig offen. Sicher ist dagegen, dass sofort nach dem Anschlag an den islamischen Terror des IS gedacht wurde. Und allein dieser kollektive Reflex ist für sich genommen ein Sieg des muslimischen Terrors.

Dortmund weckt aktuelle Erinnerungen

„Wenn das irgendein Islamist ist oder so was, dann – können die mich schön am Arsch lecken.“ Das sind, grammatikalisch nicht ganz korrekt, die Worte eines Menschen, der noch nicht vom Terror erfasst worden ist. Ausgesprochen hat sie im WDR ein einfacher Mann aus Dortmund, der den Terrorangriff vom 11. April auf das von ihm bevorzugte Fußball-Team, dessen „Fan“ er ist, kommentiert. Und er spricht damit aus, was auch der Dortmunder Vereinspräsident verlauten ließ: Profis, die die Spieler der Dortmunder Borussia seien, müssten „das wegstecken können“. Moderne Gladiatoren, die für die heutige Version von „Brot und Spielen“ zu funktionieren hätten, sah wohl auch die UEFA in den Dortmunder Fußballprofis, als sie die Spielwiederholung für den Folgetag ansetzte. Und dabei waren der BVB 09, die Spieler, die Dortmunder Fans und der ganze europäische Fußball nur knapp dem Terror, einer Fortsetzung der blutigen Passion 2017, entgangen. Denn von Dortmund geht in diesem Jahr die Blutspur über Stockholm nach Tanta und Alexandria.

Aber halt! Was soll denn der Fußball, diese fast wunderbarste Nebensache der Welt, mit dem religiösen Begriff der Passion zu tun haben? Ist das nicht arg weit hergeholt?

Nun, der Reihe nach. Der Fußball ist ein wunderbares Narrativ, eine moderne Märchenwelt unserer Tage. Und für viele Menschen eine Art Zweitreligion, ja, ein Religionsersatz. Und damit die berechtigte Erfüllung einer Hoffnung dieser Menschen auf zeitweilige Erlösung aus einem oft schwierigen und niederdrückenden Alltag. Dass diese Menschen sich auf Fußball – oder auf materielle Werte – kaprizieren, anstatt wie ihre Väter im Evangelium das Heil zu suchen, ist in erster Linie ein Problem der christlichen Kirchen. Nicht das derjenigen, die den Ruf nicht mehr hören können. Die Fußballspieler werden damit sogar in die relative Nähe von vergöttlichten Personen gerückt. Die Religionsgeschichte ist gespickt mit jungen, lichtbringenden, körperlich starken Männern: Ra, Apollo, Helios, Mithras, Mani, Sol Invictus, nicht zu vergessen Buddha – und auch Jesus. Diesen klandestinen Zusammenhang könnten islamische, islamistisch genannte Terroristen ausgenutzt haben. Falls der Bombenanschlag auf den Dortmunder Spielerbus aus muslimischer Richtung kam. Was an sich noch nicht erwiesen ist.

Das religiöse Bindeglied

Wir erleben eine Passionszeit der intensiven Art in diesem Jahr – in Alexandria die christlichen Brüder, in Stockholm ebenso – und in Deutschland? Wie passt das zum Anschlag von Dortmund? Es ist egal, ob es islamischer Terror war – allein die Tatsache, dass jederman sofort an diese Form der schrecklichen Gewalt denkt, bedeutet, dass der Terror da ist. Seine Existenz in den Köpfen aller Menschen hierzulande ist der erste große Schritt, der erste große Sieg. Die radikalen sunnistischen Moslems, die hinter diesem Terror stehen, sind damit in unsere christlich geprägte Kultur eingebrochen. Denn wer dachte nicht nach dem Angriff auf den Dortmunder Mannschaftsbus sofort an die Anschläge von Paris, wo sich Selbstmordattentäter auf den Tribünen des Nationalstadions während eines Freundschaftsspieles der deutschen und der französischen Fußball-Nationalmannschaft vor den Augen der Welt Tod, unendliches Leid und große Verwüstung bewirken wollten? Der Sieg des Terrors besteht darin, dass, wenn es irgendwo gewaltig knallt, automatisch exakt an den Terror, gerade auch an diesen 13. November 2015 gedacht wird.

Abermals halt! Es ist trotzdem alles andere als sicher, dass es Terroristen des IS waren, die hinter den Bomben von Dortmund stecken.

Zugestanden. Die Selbstbezichtungungsschreiben passten nicht, die Machart übrigens auch nicht. Wären es aber islamische Attentäter gewesen – in Dortmund hätten sie aus den Erfahrungen von Paris gelernt. Wer die Mannschaft auf der Straße wegbombt, erreicht dasselbe Ziel, als wenn er seine Bomben im Stadion zündet. Und es ist viel, viel einfacher. Im übrigen wäre der Gedankengang aus der Außensicht nur folgerichtig: in Ägypten werden die tiefgläubigen Christen koptischer Herkunft angegriffen, in Deutschland dagegen, wo man dem Wort Gottes mehrheitlich nicht mehr recht folgen möchte, würden eben, einer kalten Logik folgend, die Spieler einer Fußballmannschaft angegriffen worden sein. Unsere gesamte Kultur wird von außen als Einheit gesehen. Aus radikal-muslimischer Sicht ist jeder, der nicht für Allah kämpft, ein Gegner. Das werden auch diejenigen unter den Fußballfans, die sich vom Christentum abgewandt haben, erkennen müssen. Jeder hierzulande wird das erkennen müssen.

Nochmals halt! Theoretisch kann es sein, dass gewöhgnliche Verbrecher, radikalisierte Fußball-Fans aus dem rechten Spektrum oder auch die latent mordlüsterne, linksextreme Antifa die Bomben gelegt haben.

Rechts- oder linksextremer Terror – das wäre wahrlich schlimm genug. Und ein Verbrechen aus anderen Motiven ebenso. Ungeachtet dessen machen sich aber landauf-landab viele Menschen Gedanken, ob sie angesichts des IS-Terrors in bestimmte Länder reisen, ihre Kinder im Dezember wieder auf Weihnachtsmärkte mitnehmen – oder eben ins Fußball-Stadion gehen. Und genau das ist der Schaden, den der IS-Terror bereits angerichtet hat. Die christliche Sicht auf all diese schrecklichen Möglichkeiten gibt indessen die Möglichkeit, dies alles zu überblicken und einzuordnen. Denn alles ist bereits überwunden, indem es geschieht. Alles ist bereits vergeben. So wie Jesus dem Judas seinen Verrat vergeben hatte, bevor dieser geschehen war. Beim letzten Abendmahl war es Jesus, der Judas einen Bissen Brot in den mund schob – diese Geste ist, wohlgemerkt, symbolisch und aus dem Kontext des jüdischen Seder-Mahles heraus zu betrachten.

Die große Passionszeit in Syrien

Doch über diese Überlegungen soll Syrien nicht vergessen werden. Viel ist hier zu sagen – hier sei nur eine Überlegung herausgegriffen: In Syrien existiert die Kirche aus der direkten Nachfolge Jesu Christi bis heute ungebrochen fort. Die Sprache, in der Jesus das Vaterunser betete, ist das Aramäische. Es findet sich heute in den Gottesdiensten der aramäischen Christen ebenso wie als Kirchensprache der syrischen Orthodoxie, die auch im Norden des Irak Verbreitung findet, ebenso wie die nah verwandte chaldäische Kirche. Und diese Kirchen, die syrische, die aramäische und die chaldäische, sind nie durch eine Reformation gegangen. Wer Jesus als Bruder spüren möchte durch alle Zeiten hindurch, der soll eine aramäische oder eine syrische Kirche besuchen. Es wäre völlig verwunderlich, wenn der radikale Islam, den der IS repräsentiert, nicht mit Stumpf und Stiel ausrotten wollen würde.

Viel ist über Syrien schon gesagt worden, über die Zerstörung und Schändung der ältesten Kirche der Welt in Maalula ebenso wie über die völlige Vernichtung des 1.600 Jahre alten Klosters Dair Mar Elia bei Mossul im Nordirak, dem biblischen Ninive. Und vor genau vier Jahren, in der Passionszeit, wurden in Syrien der syrisch-orthodoxe Erzbischof von Aleppo Mor Gregorios Yohanna Ibrahim und sein griechisch-orthodoxer Amtsbruder Paul Yazigi an einen unbekannten Ort verschleppt. Von ihnen fehlt immer noch jede Spur, über ihren Verbleib oder ihr Wohlbefinden ist nichts bekannt. Für die Aramäer weltweit und die christliche Gemeinschaft in Syrien markiert der 22. April 2017 einen schmerzhaften Jahrestag. Sämtliche Bemühungen zur Freilassung der Bischöfe blieben bisher erfolglos, wie der Bundesverband der Aramäer in Deutschland berichtet. Hinweise zu ihrem Wohlergehen oder zu möglichen (Lösegeld-) Forderungen der Täter gibt es nicht. Bis heute fehlt von ihnen jedes Lebenszeichen. Immerhin, die baden-württembergische CDU-Landtagsfraktion setzt sich für die beiden hohen christlichen Würdenträger ein. Gemeinsam mit den aramäischen Christen hierzulande appellieren die Christdemokraten daran, die Botschafter des interreligiösen Dialogs und der Versöhnung niemals zu vergessen und appelliert an die Bundesregierung, ihre Bemühungen zur Freilassung der Bischöfe mit Nachdruck und aller Entschlossenheit fortzuführen.

Und auch hierzulande ist der Terror mitten unter uns. Die unter unserer – immer noch – christlich geprägten Leitkultur integrierten Moslems sollen vor die Entscheidung gestellt werden, sich der reinen Lehre des Koran zu verpflichten und die in den medinischen Suren des Koran vorgeschriebene Tötung von Christen zu praktizieren: Tötung dann, wenn sie sich nicht bedingungslos unterwerfen wollen. Dies geschieht zumindest in Flüchtlingsunterkünften. Und diese fatale Praxis könnte bald Schule machen.

Ist da eine Rettung?

Ja, es ist alles bedacht, alles überwunden, jeder Terror ist nutzlos. Die Rettung kann nur eine moralische Instanz bringen, die den Hass überwindet. Und das ist die Liebe. Es ist Gott in seiner menschlichen Gestalt, der im Garten Gethsemane unsere Rolle einnimmt und bittet, dass der Kelch an ihm vorübergehen möge. Jesus betet also nicht zu einem anderen Gott, was ja die Dreieinigkeit ad absurdum führen würde. Gott ist ganz Mensch in diesem Moment. Und gibt sich in einem Akt der Selbstentsagung selbst hin, stellvertretend für die Sünden aller. Nur eine Liebe dieser Größenordnung kann die Welt retten. Und nur im Christentum gibt es diese Liebe. Im Judentum, bei den „Vätern“, wurde sie bereits an- und festgelegt; sie manifestiert sich in dem dreieinigen Gott seit rund dreitausend Jahren Stück für Stück. Und diese Liebe hat durch die Auferstehung Jesu Christi die Welt gerettet. Der Terror – er ist besiegt.

Lesen Sie auch die neuste Kolumne von Sebastian Sigler: Deutsche Umwelthilfe: Wer ist Herr Resch?

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