Es ist ein guter Brauch, sich in die Arbeit des Amtsnachfolgers nicht einzumischen. Wolfgang Schäuble

Ort der Hoffnung in Zeiten des IS-Terrors

Erst Pakistan, nun Tunesien. Diese Länder wurden im Rahmen der Fahndung nach dem Attentäter von Berlin genannt. Und dazwischen befindet sich ein breiter Gürtel islamisch geprägter Länder, aus denen uns das erwächst, was wir offenbar fürchten müssen. Israel ist die einzige Landbrücke, die eine Unterbrechung darstellt. Und dort, bei Jerusalem, liegt Bethlehem. Gott sei Dank!

Anis Amri ist tot. Als eine aufmerksame und vorbildlich handelnde Polizeistreife den islamischen Schwerverbrecher in Mailand kontrollieren wollte, hat er ohne Vorwarnung versucht, die Beamten zu ermorden. So hat er sich selbst gerichtet, denn auf ihn wurde das Feuer eröffnet. Die internationale Fahndung nach dem Attentäter, der im Berliner Weihnachtsmarkt auf dem Breitscheidplatz in unmittelbarer Nähe der Gedächtniskirche das christlich geprägte und auf dem Christentum fundierte Mitteleuropa ins Herz traf, indem er einen Lastwagen als Mordwaffe benutzte, ist mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit beendet.

Zunächst war ein Pakistani ins Visier der Fahnder geraten, und das ist eine bemerkenswerte Koinzidenz. Vor wenigern Tagen berichtete ich an dieser Stelle, wie ich im Jahre 2000, also noch vor den Anschlägen auf das New Yorker World Trade Center vom 11. September 2001, durch den Norden Pakistans reiste. Dort habe ich auf den Schreibtischen der Behördenvertreter und Geschäftsleute, die ich besuchte, häufig das Bild des Ayatollah Khomeini gesehen, gerahmt, an einem Ehrenplatz. Als ich im Jahre 2004 wieder im Lande war, standen neue Bilder daneben: Mullah Omar und einmal auch Osama bin Laden. Seit diesem Erlebnis, und das ist über zwölf Jahre her, weiß ich, was uns im westlichen Abendland erwartet.

Die Botschaften des radikalen sunnitischen Islam, die in Pakistan und Afghanistan auf besonders fruchtbaren Boden gefallen sind, werden weltweit gehört. Sie fallen an allen Orten in dem breiten Gürtel der islamischen Länder auf fruchtbaren Boden, denn dort ist die Gesamtgesellschaft durch die Botschaft des Koran geprägt, und auch die medinischen Suren werden vielerorts ohne Abstriche befolgt; in diesen Texten finden sich Verse, die als Mordaufrufe an Christen und Juden interpretierbar sind. Menschen, die aus Ländern kommen, in denen die Vielfalt – die multitudo – der Religionen verfolgt wird, lassen sich auch und gerade dann von aggressiven Botschaften erreichen, wenn sie ihre Heimat verlassen haben und in christlichen Ländern leben. In Anis Amri ging die luzerifische Saat des Terrors auf.

Anis Amri wurde zum religiösen Verbrechen verführt

Der gebürtige Tunesier Anis Amri, am Lenkrad des LKW saß, der zur Mordwaffe wurde, hat geistige Vorbilder, die am Hindukusch und im Industal beheimatet sind. In Europa, in Afrika und in Südostasien fallen Täter auf, die aus dem afghanisch-pakistanischen Kulturkreis kommen, und sie alle haben den Terror höchstwahrscheinlich aus ihrem heimatlichen Kulturkreis mitgebracht. Und so sehr er auch Schwerstverbrecher war: er ist vor allem ein Opfer. Ein Opfer radikaler Verblendung.

Ich zitiere mich selbst: Seit rund einem Jahrzehnt sage ich es, und ich sage es heute wieder: das 21. Jahrhundert wird als Zeitalter der Glaubenskriege in die fernere Geschichte eingehen. Klammert man hier den Nationalsozialismus aus, der natürlich in Wirklichkeit eine starke okkult-religiöse Komponente hatte und eine Revolte gegen den christlich-römisch geprägten Geist Europas war – klammert man also diese schreckliche und menschenfressende Ideologie aus, dann bietet sich als Vergleich die Zeit des Dreißigjährigen Krieges an. Der Blick fällt auch auf die Kreuzzüge, und in einigen Tagen werde ich an dieser Stelle ebendiese christlichen Kreuzzüge unter dem Aspekt untersuchen, was an ihnen als christlicher Verteidigungskrieg gewertet werden kann.

Die „Brücke des Unheils“

Es gibt eine Brücke, über die die Gedanken und Ideen des Terrors hin- und hergehen, und diese Brücke ist, grob gesagt, zwischen dem indischen Subkontinent und den Maghreb-Staaten gespannt. Die arabische Halbinsel ist der wichtigste Pfeiler, auf dem sie ruht, denn von hier kommt mutmaßlich sehr viel Geld, das zur Finanzierung des Terrors gedacht ist und verwendet wird. Wie das derzeit geschieht, ist sehr umstritten und nur teilweise nachvollziehbar; aber recht wahrscheinlich anmutend und auch logisch ist beispielweise dokumentiert, dass Osama bin Laden in seiner Zeit in Afghanistan und im Norden Pakistan mit Kilobarren aus reinem Gold unterhalten wurde, die ihm aus Saudi-Arabien gebracht wurden. Unter anderem hat mir das ein Gold- und Schmuckhändler im Suq von Peschwar glaubwürdig berichtet. Peschawar ist die Millionenstadt, von der aus im Nordwesten Pakistans der Khyber-Pass hinüberführt nach Aghanistan. Peschawar, deren Name „Stadt an der Grenze“ bedeutet, ist seit vielen Jahrhunderten wie ein Brückenkopf des indischen Subkontinents – hinüber nach Kabul, hinüber in die unermessliche Weite des Hindukusch.

Ein zwei weitere wichtige Pfeiler der transkontinentalen „Brücke des Unheils“ sind die Madrasa von Kairo in Ägypten und die Madrasa von Kairouan – in Tunesien. Von hier ging wesentliche frühe Impulse des Islam aus, und es gibt Gelehrte, die hier sogar die Ursprünge des als Glaube fassbaren Islam vermuten. Das so liberal anmutende Tunesien mit seinem Teutonengrill auf Djerba sollte als Quelle islamischer Striktheit und Radikalität nicht unterschätzt werden. In Kairouan wird seit dem neunten Jahrhundert nach Christus auf universitärem Niveau zu religiösen Fragen des Islam geforscht und gelehrt.

Was aber überspannt diese Brücke?

Gerade in diesem Tagen geht der Blick nach Bethlehem und damit auch nach Jerusalem, die hochgebaute Stadt, ganz in der Nähe. Der Blick geht in das jüdisch und speziell in Berthlehem auch palästinensisch geprägte Israel. Über der Stelle, die nach der wahrscheinlichsten Überlieferung der Geburtsort Jesu ist, erhebt sich eine wundervolle, spätantike Basilika, ein Kleinod der Kultur der Menschheit. Wie sähe es an diesem Ort wohl aus, wenn der Islamische Staat hier Kontrolle übernommen hätte wie in großen Teilen Syriens und des Iraks? Die mehrheitlich christlich bewohnte Stadt Maalula, drüben in Syrien, kaum 350 Kilometer Luftlinie entfernt, wurde vor weniger als zwei Jahren von IS-Terroristen gestürmt und geplündert.

In Maalula befindet sich die älteste Kirche der Welt, die Thekla-Kirche aus dem 1. Jahrhundert nach Christus. Sie wurde geschändet, 1.500 Jahre alte Ikonen wurden zerbrochen, auf die Bruchstücke urinierten die Krieger der Islamischen Staates. Die Nonnen, die in dieser älteste christliche Kirche der Welt ihren Dienst tun, flohen nicht vor den radikalen Moslems, sondern nahmen stattdessen soviele Waisenkinder auf – und zwar christliche wie muslimische – wie sie konnten. Als mit dem Ruf „Allah hu akbar“ die islamischen Krieger auf Jeeps und anderen Geländefahrzeugen einmarschiert waren, wurden die Nonnen vergewaltigt und vertrieben. Die Priester, derer der Islamische Staat habhaft werden konnte, wurden teils gekreuzigt. Und diesem Islamischen Staat hatte Anis Amri die Treue geschworen, wie inzwischen fast zweifelsfrei erwiesen ist.

Wie dankbar können wir Israel sein!

Natürlich macht Israel eine Politik, die in Europa nicht in allen Punkten verstanden werden kann. Hierzulande besteht wenig Verständnis für die Politik von Benjamin Netanjahu, und die Siedlungspolitik wird in Bausch und Bogen abgelehnt. Wesentlich größer für Israel und seine Belange ist das Verständnis bei denjenigen, die als Touristen oder Helfer oder Diplomaten wirklich einerseits in Hebron, in Jericho, in Ramallah oder andererseits in Maale Adumim, in Kirjat Arba oder auch in Tabgha gewesen sind. Wie dankbar können wir diesem Staat dafür sein, dass dort die christlichen Pilgerstätten vor muslimischen Übergriffen, vor völliger Zerstörung und Auslöschung bewahrt werden, die andernorts den ältesten, den unwiederbringlichen Zeugnissen der christlichen Kultur droht.

Mit grosser Dankbarkeit sollten wir am Weihnachtsfest dorthin denken, wo das Wunder geschah: nach Bethlehem, was „Haus des Brotes“ bedeutet: בֵּית לֶחֶם. Gott als das geistige Brot, dass der Mensch zum geistlichen Leben benötigt. Dort, am Ort der mit diesem Beitrag abgebildeten Geburtsgrotte, über der sich die spätantike Basilika erhebt, die heute von griechisch-orthodoxen Mönchen bewahrt wird, gab sich Gott den Menschen: „Des ew’gen Vaters einig Kind / Jetzt man in der Krippe find’t“, wie es Martin Luther formuliert, um ihnen das geistliche und damit das ewige Leben zu geben. Was für eine Revolution, was für ein Umsturz! Dieser kulturelle Impuls ist stark genug, um weit über den schlimmsten Terror hinauszublicken, mit dem sich Menschen hervortun, in deren Kopf buchstäblich die Hölle los sein muss. An Weihnachten aber wird in Bethlehem das Erlösungswerk begonnen, das an Ostern in Jerusalem seine Vollendung findet. So schrecklich das Höllenverbrechen des Anis Amri auch war, so entsetzlich die Folgen für die Opfer und die Augenzeugen sind: es ist alles bereits überwunden. Der Attentäter von Berlin ist ein Nichts vor dem Wunder der Weihnacht.

Lesen Sie auch die neuste Kolumne von Sebastian Sigler: Jetzt auch noch BMW: Alles klar, Herr Resch?

Leserbriefe

comments powered by Disqus

Mehr zum Thema: Israel, Islam, Islamisierung

Debatte

Eskaliert jetzt die Nahost-Krise?

Medium_b85d23a4ae

Jerusalem endlich!

Die Entscheidung der Trump-Administration ist alles andere als die radikale Abkehr von bisherigen außenpolitischen Prinzipien der USA, wie Kritiker behaupten. Und wenn fast das gesamte europäische ... weiterlesen

Debatte

Donald Trumps Rede im Dezember 2017 im Weißen Haus

Medium_f8d54e38a5

Israel hat seine Hauptstadt in Jerusalem

Nach mehr als zwei Jahrzehnten des Verzichts sind wir einem dauerhaften Friedensabkommen zwischen Israel und den Palästinensern nicht näher gekommen. Deshalb habe ich beschlossen, dass es an der Ze... weiterlesen

Medium_8b68f870a4
von Donald Trump
08.12.2017

Debatte

Antisemitismus in arabischem Flugzeug

Medium_cf4a8f9db1

Kuwait Airways die Landerechte entziehen!

Die arabische Airline Kuwait Airways hat sich geweigert, einen israelischen Staatsbürger von Frankfurt nach Bangkok zu fliegen, weil ein kuwaitisches Gesetz Geschäfte mit Israelis verbietet und mit... weiterlesen

Medium_f9574af085
von The European Redaktion
19.11.2017
meistgelesen / meistkommentiert