Nichts ist gut in Afghanistan. Margot Käßmann

Leider ein trauriger Tag

Zum 25-jährigen Gedenken an den Mauerfall wird die Linke im Bundestag gedemütigt. Norbert Lammert hat bestellt, Wolf Biermann geliefert. So ist keine Einheit zu machen.

Für die einen war es ein besonders raffiniertes Gesellenstück, für die anderen ein Skandal. Eigentlich war der Auftritt von Wolf Biermann aber vor allem eines: traurig.

Bundestagspräsident Norbert Lammert hat den Liedermacher eingeladen. Und fädelte das wohl so clever ein, dass die Linken erst gemerkt haben, was ihnen blüht, als es zu spät war. Biermann ist für seine – freundlich formuliert – Antipathie gegenüber den Linken bekannt. Und man mag es einem Mann mit seiner Historie nachsehen, dass er nicht sortieren will, wenn es um Politiker geht, die auf die eine oder andere Art in der Tradition der SED stehen.

Im Gedenken spalten

Sie seien „der elende Rest dessen, was zum Glück überwunden wurde“, sagt der 77-jährige Biermann in Richtung der Linken. Er hat Lammerts Einladung wohl verstanden: Er solle ein paar Ohrfeigen verteilen: „Aber das kann ich nicht, ich war ja Drachentöter. (…) Ein Drachentöter kann nicht mit großer Gebärde die Reste der Drachenbrut tapfer niederschlagen.“

Von den Abgeordneten kommt dazu stets ordentlich Beifall. Nur von den Linken nicht, natürlich. Man kann sich daran jetzt weiden und es richtig und lustig finden, was zur Gedenkstunde des Mauerfalls vor sich ging. Man kann aber auch fragen, ob es Not tut, die Abgeordneten der Linken 25 Jahre danach vor aller Augen zu demütigen. Hämisch zu sein. Im Gedenken an das Gemeinsame zu spalten. Die Antwort sollte klar sein. Natürlich nicht.

Keine Reaktionären

Biermann nimmt die Linken in Sippenhaft. Er darf das, meinetwegen. Aber Lammert und Co wissen, dass es so einfach nicht ist. Sie können sich jetzt zurücklehnen und sagen, sie hätten nicht ahnen können, was Biermann so sagen würde. Was das Ganze auch noch feige macht. „Ihr seid dazu verurteilt, das hier zu ertragen. Ich gönne es Euch“, sagt Biermann. Die Kamera fängt Petra Pau und Dietmar Bartsch ein. Das sind keine „Reaktionären“, wie Biermann sagt, und keine SED-Verbrecher.

Was will man ihnen vorwerfen, außer, auf der falschen Seite der Mauer gelebt zu haben und nicht im Widerstand gewesen zu sein? Das muss man dann Millionen Ostdeutschen vorwerfen. 25 Jahre danach könnte ein Gedenken an das Ende der deutschen Teilung kaum trauriger sein.

So geht die Einheit dahin, wo der Pfeffer wächst.

Lesen Sie auch die neuste Kolumne von Sebastian Pfeffer: Die lauwarme Partei

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