Revolutionen sind die Lokomotiven der Geschichte. Karl Marx

K wie Steinbrück

Peer Steinbrück soll Kanzler können. Darüber ist sich die SPD angeblich vorzeitig einig geworden. Er ist der Kandidat der zwei Gesichter: aussichtsreich und gefährlich zugleich.

Die K-Frage der SPD ist entschieden. Das zumindest behauptet das Magazin „Cicero“ in einer Vorabmeldung. Das Rennen hat demnach Peer Steinbrück gemacht, die beiden anderen der Troika, Gabriel und Steinmeier, geben angeblich auf. Stimmt, was das Magazin berichtet, ist es ein Paukenschlag. Steinbrück wäre der aussichtsreichste Kandidat und gleichzeitig der gefährlichste.

Aussichtsreich wäre Steinbrück, weil er über ähnlich gute Beliebtheitswerte verfügt wie Mitbewerber Steinmeier. Steinbrück hat es geschafft, den Malus des fehlenden Spitzenamts in einen Bonus umzumünzen: Er muss eben nur sprechen, wenn er möchte, nur zu Themen, die ihm gefallen und nur an Orten, die er selbst bestimmen kann. Gabriel und Steinmeier dagegen stehen als Parteichef und Oppositionsführer häufig in der Pflicht. Typisch politische Reden gibt es von ihnen genug, von Steinbrück dagegen weniger Worte, dafür aber klarere.

Seine Glaubwürdigkeit macht Steinbrück auch gefährlich

Der ehemalige Finanzminister wird deshalb weniger als Teil des regulären – und wenig geachteten – Politikbetriebs gesehen, nicht als eines der Gesichter, die ständig in den Medien auftauchen und denen man leicht überdrüssig wird. Zu guten Teilen beruht darauf seine Glaubwürdigkeit.

Gerade diese Glaubwürdigkeit macht Steinbrück aber auch gefährlich. Zwar haben alle drei Köpfe der Troika deutlich gemacht, nicht wieder in einer Großen Koalition und unter Merkel regieren zu wollen. Steinbrück aber wurde allzu deutlich: „Peer Steinbrück wird nie wieder in einem Kabinett Merkel zu finden sein“, versprach er. Wird Steinbrück Spitzenkandidat, gibt es also drei Möglichkeiten: In der ersten unterliegt die SPD der Union. Dann zwingt die resolute Ansage Steinbrück zum Amtsverzicht. Das wäre eine Ohrfeige für alle, die die SPD wegen ihm gewählt haben. Verweigert er sich der Großen Koalition und erzwingt so zum Beispiel Neuwahlen, ignoriert die SPD den Wählerwille ebenso.

In der zweiten Variante unterliegt die SPD ebenfalls, doch Merkel bleibt nicht Kanzlerin. Dass Merkel eine Große Koalition ohne ihre Führerschaft duldet, ist jedoch kaum denkbar. Dafür ist die Union zu sehr auf sie zugeschnitten und personell zu ausgedünnt.

Größtmögliche Ähnlichkeit zu Merkel

Bleibt Variante drei: Die SPD wird stärkste Kraft. Das kann aus jetziger Sicht nur eintreten, wenn es den Sozialdemokraten gelingt, potenzielle Wähler der Union für sich zu gewinnen. Dafür ist Steinbrück, der konservativste der drei Troikaner, anscheinend ideal. Viele Wähler aus dem eher bürgerlichen Lager haben ihn aus der Zeit der großen Koalition noch gut in Erinnerung, denken daran, wie er auf dem Höhepunkt der Euro-Krise die Spareinlagen der Deutschen für sicher erklärte. Allerdings stand schon damals Angela Merkel neben ihm und im Scheinwerferlicht.

Die Kanzlerin ist die große Herausforderung der SPD. Stellt die SPD Peer Steinbrück auf, dann setzt sie auf größtmögliche Ähnlichkeit zu Merkel. Das kann klug sein, weil niemand, der mit Merkel sympathisiert, plötzlich für einen Sigmar Gabriel votiert. Im Zweifel wählen die Menschen aber lieber das Original. Der neuerliche Ruck nach rechts kann den Sozialdemokraten zudem auch das in der Nach-Schröder-Ära erst mühsam wieder aufgebaute Vertrauen zu Linken und sozial Benachteiligten zerrütten. Die Stimmen, die die SPD dann Mitte-Rechts gewinnt, könnte sie Links verlieren. Auch hier liegt eine Gefahr des Kandidaten Steinbrück.

Inzwischen dementiert Steinbrück in einem Interview mit der „Süddeutschen Zeitung“: „Alles ungelegte Eier“.

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