Joachim Gauck passt kaum in eine Schublade. Angela Merkel

Der Deckel-drauf-Präsident

Joachim Gauck ist Bundespräsident und das ist wichtig und richtig so. Denn ganz egal wie es wird, es wird besser als zuletzt.

Es ist vorbei. Endlich. Als am Sonntag im Reichstag Blumensträuße in Hände gedrückt wurden, fand ein Kapitel seinen Abschluss, das wohl traurigste, das die BRD und ihr höchstes Amt je erleben mussten. Dieses Mal bitte fünf Jahre, mahnte denn auch Bundestagspräsident Norbert Lammert gleich zu Beginn des Wahlakts an und erntete damit breiten Zuspruch im Saal. Er sei es leid, alle paar Jahre eine Bundesversammlung zu organisieren, zwinkerte Lammert spaßbetont, schließlich falle damit ja auch immer viel Arbeit (für ihn) an.

Es ging entspannt zu im Reichstag, kein Wunder. Niemand hatte erwartet, dass diese Wahl ein Aufreger wird, ganz anders als einst 2010 – Joachim Gauck ist Konsens. Selbst die Linke erwies ihm ohne großes Murren die Ehre, nachdem sie zuvor tapfer ihre eigene Kandidatin, Beate Klarsfeld, gewählt hatte. Joachim Gauck ist vor allem aber auch deshalb Konsens, weil jeder dachte: „Jetzt ist gut, Klappe zu.“

„Was für ein schöner Sonntag“

Die Wahl war vor allem ein dicker Schlusspunkt. Wenn sich in der Nacht von Samstag auf Sonntag Spitzenpolitiker schlaflos in ihren Betten wälzten, dann wegen anderer Wahlen – es steht Wichtigeres auf dem Programm: das Saarland, Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein. Das Amt des Bundespräsidenten erfuhr zuletzt eine Form der Politisierung, die Gift war. Man will und muss sich endlich wieder auf die echte Politik konzentrieren, auch auf Inhalte.

Am Sonntag konnte noch einmal durchgeatmet werden, bevor es in die nächsten politisch turbulenten Wochen geht. „Was für ein schöner Sonntag“, sagte Gauck. Es war sein eröffnender und sein letzter Satz, als er, frisch gewählt, seine ersten Worte an all jene richtete, die nun sein Volk sind. Die erste Rede des neuen Präsidenten Gauck war keine politische und noch sehr auf sich selbst fixiert. Warum ihm der 18. März als Tag seiner Wahl so viel bedeute, sagte er, welchen Stellenwert Freiheit und Verantwortung in seinem Leben hätten. Da wird mehr kommen müssen, um der Präsident aller Deutschen zu sein.

Unfrei sind die Bundesbürger nicht

Doch dafür hat Gauck noch viel Zeit. Klar wurde schon jetzt, das Land wird viele rhetorisch zur Perfektion geschliffene Reden hören. Die werden, ganz anders als seine Wahl, nicht immer Konsens sein. Kaum einer erwartet, dass Gauck ein Präsident wird, der sich zurücklehnt und auf nette Plaudereien beschränkt. Dann muss jedoch mehr kommen als das eine Thema, sein Thema, die Freiheit.

Es dürfte – ein Glück – derzeit nur wenige Bundesbürger geben, die sich unfrei fühlen. Jedenfalls nicht so, als dass sie der Staat an ihrer freien Entfaltung hindere. Eher sind es wirtschaftliche Zwänge, die drücken. Und auch das historische Bewusstsein hat, mangels leiblicher leidlicher Erfahrung, nur ein Teil der Deutschen mit Gauck gemein. Ob der neue Bundespräsident darüber hinaus andere Themen – wie das seines Vorgängers Wulff, die Integration – übernehmen kann, wird sich zeigen. Vor hat Gauck es angeblich.

Eins zumindest ist sicher: Joachim Gauck wird alleine schon deshalb ein guter Bundespräsident, weil er die Zeit vor ihm vergessen macht. Der Deckel ist drauf. Er passt.

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