Es ist vorbei. Die Affäre Christian Wulff glich einer nicht enden wollenden Grippe: Man schleppt sich zur Arbeit, die Nase trieft, der Kopf schmerzt. Kollegen sprechen einen an, man sieht einfach scheiße aus. Trotzdem: „Irgendwie geht es schon.“ Nein, geht es nicht. Inzwischen ist die halbe Belegschaft krank, die Republik leidet schwer. Es bleibt nicht viel Zeit zur Genesung, ein Heilmittel muss her – nur wer?
Maximal 30 Tage wird Horst Seehofer (CSU) den Posten des Staatsoberhauptes kommissarisch übernehmen können, dann muss ein neuer Mann (oder eine neue Frau) gefunden sein. Neben der weiteren Aufarbeitung der Wulff-Affäre und unweigerlichen Fragen zur Bezahlbarkeit des Ehrensolds wird die Suche nach einem neuen Präsidenten die innenpolitische Landschaft in den nächsten Wochen bestimmen.
Fehler der Wulff-Kandidatur nicht wiederholen
Sofort fällt Wulffs ehemaliger Mitbewerber Joachim Gauck ins Sichtfeld. Der damals schon überparteilich beliebte und integre Mann galt vielen ohnehin als die eigentlich bessere Wahl. Nur, er wird es nicht.
Sicher ist, dass nach dem „Outsider“ Köhler und dem „Insider“ Wulff ein Kandidat gefunden werden muss, der einerseits mit den Besonderheiten des politischen Betriebs klarkommt, der aber andererseits auch den nötigen Abstand zum Parteien-Geschacher aufweist. Zudem muss absolute Sicherheit herrschen, dass sein Lebenslauf einer genauen Prüfung standhält – die Medien werden den Neuen sicher durchleuchten.
Bundeskanzlerin Angela Merkel hat in ihrer Stellungnahme angekündigt, „unmittelbar“ mit den Oppositionsparteien SPD und Grüne (die Linke erwähnte sie nicht) sprechen zu wollen und hat so signalisiert, dass sie ihren Fehler der Wulff-Kandidatur nicht wiederholen will: Die Kandidatenfrage soll diesmal nicht parteipolitisch beantwortet werden.
Trotzdem kann Merkel kaum zu Joachim Gauck zurück. Es ist ihres und das Glück der Bundesregierung, dass aus der Causa Wulff bislang keine Causa Merkel wurde. Gibt Merkel nun aber Gauck den Segen, dann stärkt sie nur nachträglich ihre Verbindung zu Wulff. Unweigerlich käme die Frage auf: „Warum jetzt und nicht damals?“
SPD-Parteichef Sigmar Gabriel wird sich ohnehin längst die Hände reiben. Er war es, der schon vor einigen Wochen vorschlug, „gemeinsam“ einen neuen und geeigneten Ersatz für Wulff zu finden. Auf ihn wird Merkel in der kommenden Zeit besonders angewiesen sein. Diese staatstragende Position wird Gabriel für sich zu nutzen wissen – auch angesichts des internen Kandidatenwettbewerbs in der SPD.
Klaus Töpfer könnte ein Kandidat sein
Stimmte Merkel in einer solchen Situation für Gauck, käme dies einem Schuldeingeständnis gleich: „Ja, ihr hattet recht, ich lag (zum zweiten Mal) total daneben.“ So weit wird es nicht kommen, Merkel ist keine, die ihren politischen Gegnern ohne Not einen Trumpf austeilt.
Unrealistisch sind ob der parteipolitischen Nähe auch Kandidaten wie Wolfgang Schäuble und Ursula von der Leyen – nicht zuletzt, weil Merkel ihre Regierung zu stark schwächen würde. Denkbar ist dagegen Klaus Töpfer – SPD und Grüne haben den ehemaligen Umweltminister schon 2010 gefragt. Oder Bundestagspräsident Norbert Lammert, der seine derzeitige Position schon mehrfach im Sinne eines Light-Präsidenten interpretierte und sich mit Kritik am politischen Betrieb und den Hauptstadtmedien selten zurückhielt.
Wer heilt die Republik? Die Zeit drängt.



















Der Wulff kann ja gehen, aber er soll die Bettina dalassen!!!
Tolle Erklärung warum es Gauck nicht werden kann. Die Merkel hat es trotzdem getan. Mal sehen, ob du trotzdem Recht behältst und Merkel sich selbst damit schwächt und stürzt.