Wenn ein Begriff gerade in Mode ist, so ist es dank der Sitzung der Enquete-Kommission Internet und digitale Gesellschaft sowie der Diskussion rund um den Jugendmedienschutz-Staatsvertrag wohl gerade jener der “Medienkompetenz”. Auffällig dabei ist allerdings, dass meist nicht definiert wird, was er eigentlich meint, und so bedeutet er wahrscheinlich für jeden etwas leicht anderes.
Allen Diskussionen gemeinsam ist aber wohl eines: Es geht um Gefahren, die von Jugendlichen abzuwenden sind. So gibt es einmal mit dem Jugendmedienschutz-Staatsvertrag die Variante, in der der Staat die Jugendlichen beschützt, und bei der Medienkompetenz die Variante, mittels derer der Jugendliche sich selbst beschützt.
Im Internet ist jeder Sender
Doch beide Ansätze greifen zu kurz. Beim Jugendmedienschutz-Staatsvertrag ist das Hauptproblem, dass man versucht, Gesetzmäßigkeiten des klassischen Rundfunks auf das Internet zu übertragen. Man geht davon aus, dass es nur wenige Sender und kein Ausland gibt. Das Ergebnis sind Sendezeiten im Internet. Was aber fehlt, ist die Erkenntnis, dass im Internet jeder ein potenzieller Sender ist.
Beim Thema Medienkompetenz scheint man da ein wenig weiter zu sein, denn hier wird immerhin anerkannt, dass im Prinzip alle senden. Doch anstatt eben genau dies als Chance zu begreifen, wird es doch wieder als Risiko gesehen. So soll Jugendlichen z. B. klargemacht werden, wie sie ihre Privatsphäreneinstellungen konfigurieren, sodass eben nicht die ganze Welt alles von ihnen mitbekommt. Senden also gern, aber bitte doch nicht an alle.
Nun ist es sicherlich so, dass einem schon bewusst sein sollte, an wen man gerade sendet, und man sollte auch in der Lage sein, Inhalte bewerten und einordnen zu können. Aber damit darf es sich nicht erschöpfen.
Das Internet gibt jedem das Wort
Die vielleicht größte Chance des Internets ist ja genau die, dass jeder publizieren kann. Man braucht keinen Verlag, keine Druckerei, kein Fernseh- oder Radiostudio, man braucht einen handelsüblichen PC und einen Internetanschluss und schon hat man die Chance auf ein großes Publikum. Was sollte man sich in einer Demokratie mehr wünschen, als wenn jeder Bürger Gehör finden kann und die Meinung nicht am Stammtischrand endet? Sollte nicht darauf hingearbeitet werden, die eigene Meinung sagen und vertreten zu wollen? Oder wollen wir nur Ja-Sager?
Sollte also nicht die Erstellung von Inhalten gefördert werden? Sollte man nicht lernen, wie man YouTube-Videos erstellt, bloggt, twittert, eine Community aufbaut und mit Trollen umgeht?
Auch ist das Internet ein sozialer Raum und soziale Interaktionen finden nun einmal besser statt, wenn man das Gegenüber kennt. Es ist also eventuell nicht unbedingt sinnvoll, sein komplettes Profil privat zu schalten. Sollte man hier nicht eher lernen, damit offensiv umzugehen, also sein eigenes Image im Internet zu schaffen, anstatt dies andere tun zu lassen?
Der Bürger braucht Medienkompetenz
Verfolgte man die Sitzung der Enquete-Kommission, so war davon leider wenig zu hören. Es ging hauptsächlich um Gefahren, um die Namensgebung der Arbeitsgruppe und um die Frage, wem man denn eigentlich Medienkompetenz beibringen müsse. Ist es der Jugendliche? Oder sind es doch die Eltern? Oder gar Journalisten? Die Antwort ist natürlich: jedem Bürger!
Meines Erachtens sollte das Ziel keine Gesellschaft von Geheimniskrämern sein, sondern eine, in der es normal ist, seine Meinung sagen zu wollen und sagen zu können. Das globale Dorf ist hier, wir müssen es nur akzeptieren!























Der JMStV beinhaltet deutlich mehr, in aller Ausführlichkeit nachzulesen beim AK Zensur. Das Hauptproblem besteht nicht in der Gleichbehandlung mit dem Rundfunk, sondern in der Sichtweise Nichtkundiger, die die Entstehung von Medienkompetenz unterbindet. Außerdem werden Lobbies und Sperrbefürworter angehört, nicht aber Sachverständige z.B. aus der Jugendarbeit, die wissen, was realiter passiert.
Und Deine Frage
war wohl eher rhetorischer Natur, oder?
Natürlich beinhaltet der JMStV viel mehr, aber im Grunde ist es eben doch einfach der falsche Ansatz, nämlich Regulierung anstatt Bildung. Das dort so einiges vermischt wird, was nicht vermischt werden sollte (also Rundfunk und Internet), macht es nicht besser.
Was die Frage betrifft, so wird sicher jeder zustimmen, dass wir das nicht wollen. Die dann getroffenen Entscheidungen führen dann aber doch meist in diese Richtung. Und genau das müsste sich mal ändern.
Unverstand und Begehrlichkeiten von Politik und Behörden konnte ich auch während der öffentlichen Anhörung zum JMStV am 13.9. im Landtag Sachsen vernehmen, wo oft “regulieren” mit der Vokabel “kontrollieren” ausgesprochen wurde. So forderte Martin Heine, Direktor der Medienanstalt Sachsen- Anhalt, die generelle redaktionelle Bearbeitung von user generated content, und Birgit Braml, stellv. Leiterin KJM-Stabsstelle, einen “Betreuungsschlüssel” von 100 zu 1 Millionen Usern bei social networks wie z.B. SchuelerVZ.
Ich verweise gerne auf die Forderung http://bit.ly/9yIxze von IJAB / Jugendonline.eu an die EIDG:
-cut-Der im Antrag zur Einsetzung der Enquete-Kommission (Drucksache 17/950) beschriebene Auftrag zur Stärkung der Medienkompetenz umfasst jedoch gerade im Hinblick auf junge Menschen mehr als den Aspekt des Jugendmedienschutzes. Digitale Jugendbildung muss alle Potenziale junger Menschen und ihre gesamte Lebenswelt berücksichtigen und in allen gesellschaftlichen Bereichen, auch in der außerschulischen Jugendbildung, wirksam sein.
Der IJAB-Vorstand fordert daher die Enquete-Kommission auf, nicht nur die Risiken, sondern auch die Bildungschancen des Internets und die damit verbundenen Möglichkeiten zur Partizipation junger Menschen in den Blick zu nehmen und den wichtigen Bereich der informellen Bildung im Rahmen außerschulischer Jugendarbeit zu berücksichtigen.
-cut-und auf meine Sicht http://forum.bundestag.de/showthread.php?141-Medienkompetenz-2.0 zur Medienkompetenz im Forum der EIDG
-cut-Chancen orientierte Kompetenzstärkung
Förderung von Medienkompetenz darf nicht als Reparaturbetrieb des Jugendschutzes gesehen werden und sich gleichwohl auch nicht kompensatorisch ausrichten.
Vielmehr geht es um das Hervorbringen kreativer Potenziale, die Innovationen (technisch, inhaltlich und gesellschaftlich) befördern können und sollen. Ja, es geht um Weltverbesserung im besten Sinne :-).
Dabei sind alle Generationen und Akteure die Zielgruppe für eine zu erweiternde Medienkompetenz, die einer Gesellschaftskompetenz gleichkommt.
Die neuen Gemeinwohl hervorbringenden Herausforderungen sind u.a. die sozial vernetzte Kommunikation und die damit verbundenen Möglichkeiten der Kollaboration. Es geht um die Nutzbarmachung von gesellschaftlichem, politischem Engagement. Dabei gilt immer Partizipation als Prinzip und Transparenz als Spiegel der Entwicklungen
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