Am 27. Januar 1945 wurde das Konzentrationslager Auschwitz von sowjetischen Truppen befreit. Ein Tag, der einschneidender und bedeutungsvoller für die Geschichte des 20. Jahrhunderts nicht sein könnte, ist er doch zum Symbol der Beendigung des Mordens und Folterns von sechs Millionen Juden sowie politisch Verfolgten und anderen Gruppen, die nicht in das Bild der nationalsozialistischen Volksgemeinschaft „passten“, geworden. Das Gedenken und die Erinnerung an den Holocaust bilden heute einen zentralen Bestandteil des öffentlichen Umgangs mit Vergangenheit und das nicht nur in Ländern, die von den Gräueltaten der Deutschen zwischen 1933 und 1945 betroffen waren. Sowohl die Vereinten Nationen, die Europäische Union, als auch viele Staaten innerhalb der EU führen den 27. Januar als staatlichen Gedenktag in ihren Kalendern und unterstreichen damit gemeinsam die Maxime des „Nie wieder Faschismus; nie wieder Holocaust!“, die zugleich als Gründungsformel der Bundesrepublik Deutschland verstanden werden muss.
Es waren „ganz normale Männer“
Jedes Jahr werden an diesem Tag Reden von Staatsoberhäuptern und von den noch verbleibenden Überlebenden gehalten, die Parlamente kommen zu zentralen Gedenkveranstaltungen in ihren Ländern zusammen, es werden Gottesdienste gefeiert, Veranstaltungen abgehalten und Ausstellungen eröffnet und das nicht „nur“, um der Opfer zu gedenken, sondern auch, um daran zu erinnern, dass es „ganz normale Männer“ waren, um die Formulierung des Historikers Christopher Browning aufzugreifen, die den Mord an Millionen von Menschen zu verantworten haben. Es waren ebendiese Männer aus ganz „normalen“ Familien, die zu Tätern geworden sind, die nach Massenerschießungen wieder nach Hause zu Frau und Kindern zurückkehrten. Die Mitglieder der Erschießungskommandos der SS, der Polizeibataillone und der Wehrmacht waren keine diabolischen Monster, die nach Blut lechzten, es waren Menschen aus allen gesellschaftlichen Schichten mit unterschiedlichsten Ausbildungen und Hintergründen, die zu Mördern wurden. Eben genau aufgrund dieser unbequemen Wahrheit ist es so wichtig, immer wieder an die Massenvernichtungen zu erinnern, die in den vierziger Jahren des 20. Jahrhunderts in Europa stattfanden. Die Gefahr des Wiederholens des Holocaust ist nur dann gebannt, wenn wir heute nachhaltig diese Erinnerungskultur pflegen und uns somit gegen die These stemmen, dass der Holocaust Geschichte sei, und für dessen Thematisierung einige wenige Wissenschaftler ausreichen.
Leitlinie dieses Anspruches sollten die Worte von Bundespräsident Richard v. Weizsäcker sein, der 1985 in seiner Rede zum Kriegsende am 8. Mai sagte: „Wir brauchen … die Kraft, der Wahrheit so gut wir es können ins Auge zu sehen, ohne Beschönigung und ohne Einseitigkeit.“ Diese Vorgabe, die damals in Bezug auf die Deutschen stand, sollte aber schon längst zu einer europäischen geworden sein. In Anbetracht einer 60 Jahre alten, friedlichen europäischen Integration sollte die Aufarbeitung der gemeinsamen Geschichte schon längst ein Teil dieses Erfolgsprojektes sein. Historische Kategorien wie „Sieger“ und „Besiegte“ verzerren viele Tatsachen und tragen zur, von v. Weizsäcker genannten, Beschönigung und Einseitigkeit von Geschichte bei. Eine kritische Selbstreflexion und die Frage nach Kollaboration mit den Nationalsozialisten in den Jahren zwischen 1933 und 1945 würde das europäische Moment des Holocaust vervollständigen und der Wahrheitsfindung dienen. Die Tatsache, dass die Geschichte des Holocaust in jedem europäischen Land auf den Lehrplänen der Schulen steht, ist sehr zu begrüßen. Darüber hinaus wäre es aber wichtig, dass die Curricula auch eine historische Kontextualisierung des Holocaust vorsehen, damit das längst überfällige Verständnis reift, dass der Mord an sechs Millionen Juden das „Produkt“ einer langjährigen anti-jüdischen Politik ist, bei der sich die Nationalsozialisten der antisemitischen Traditionen bedienten, die bereits schon im 19. Jahrhundert stark ausgeprägt waren und zwar nicht allein in Deutschland. In diesem Zusammenhang stimmt einen der erst gestern veröffentlichte Antisemitismus-Bericht des Bundesinnenministeriums nachdenklich, in dem festgestellt wird, dass antisemitische Tendenzen in der deutschen Bevölkerung weiter verbreitet sind als allgemein angenommen.
Auf dass die Maxime „Nie wieder!“ stets Gültigkeit behalte
Die europäische Dimension ist in der europäischen Wissenschaftswelt schon lange Konsens. Es bedarf nun der Politik und der Medien, dass Fragen nach Verantwortung, Mitwisserschaft und antisemitischen Traditionen auch in Ländern gestellt werden, die zwischen 1939 und 1945 gegen Hitler-Deutschland kämpften. Nur so kann es gelingen, Erkenntnisse zu sammeln, die das gesamte „Phänomen“ des Holocaust in seiner ganzen Komplexität erklärt und dadurch auch die Maxime des „Nie wieder!“ stets Gültigkeit behält.



















Diese einseitige Betrachtung finde ich extrem nervig. Was hat denn die Welt aus dem Holocaust gelernt?? NICHTS!!!
Immer noch finden weltweit ethnische Säuberungen ( alleine das das Wort ekelt mich an ) statt. Werden Menschen auf Grund ihrer Abstammung, ihres Glaubens oder Hautfarbe ausgebeutet, vertrieben und getötet. Und die sogenannten bewahrer des Holocaust verdienen sich mit diesen Ungerechtigkeiten eine goldene Nase. Solange der Holocaust nur für die Ermordung der Juden steht wird er seinem Sinn nicht gerecht. Die Opfer, Täter und Befreier von damals setzen Heute die Ungerechtigkeiten fort, nur mit anderen Mitteln. Verteidigt wird das Ganze dann mit Worten wie politisch, wirtschaftlich notwendig. Man sehe nur wie Afrika, Südamerika oder Asien von der sogenannten zivilisierten Welt ausgebeutet und am Hungertuch gehalten wird. Es ist für mich die Fortsetzung des Holocaust, nur gibt es keine Erschiessungskommandos und Gaskammern mehr. Dafür lassen wir Menschen verhungern oder wir schüren Bürgerkriege und liefern dazu die Waffen.
Verehrter Herr Schuster,
die Zeilen meines Vorschreibers “Saarfregatt” unterschreibe ich in vollem Umfang.
Wenn man die Ungerechtigkeiten und Grausamkeiten auf dieser (ganzen) Welt zusammen fasst, dann waren die Verbrechen der Nazis (die übrigens nicht nur Juden getroffen haben!) leider nur ein verhältnismäßig überschaubarer (trotzdem nicht weniger schrecklicher) Teil des Ganzen. Es stünde den Verantwortlichen in den jüdischen Gemeinden und Verbänden dieser Welt gut zu Gesicht, zum Einen die Machenschaften der israelischen Regierung etwas neutraler und kritischer zu kommentieren (es ist ja eine ganz normale Landesregierung und kein religiöser Staat) und zuim Anderen die noch immer auf dieser Welt vorkommenden Grausamkeiten (Unterdrückungen, Ausbeutungen, Völkermorde etc.) mit den selbst durchlittenen Qualen der Nazizeit gleich zu setzen und sich für Alle Unterdrückten und nicht nur für Eigeninteressen ein zu setzen! Dies würde viele Mißverständnisse und Unstimmigkeiten auf dieser Welt vermeiden helfen.
Sehr geehrter Don Bavarese,
Ihre Art der Argumentation ist ein Paradebeispiel für die unterschwelligen Verharmlosungen, Verzerrungen und einseitigen Darstellungen von historischen Gegebenheiten.
Der Holocaust war die perfide Industrialisierung des Tötens von Millionen von Menschen und muss und darf deshalb nicht aus seinem historischem Kontext gerissen werden und mit den zusammengefassten “Ungerechtigkeiten und Grausamkeiten auf dieser (ganzen) Welt”, so wie Sie es nennen, gleichgestellt werden. Sie verwischen dadurch, vielleicht ganz unbewusst, die sozialen und politischen Vorbedingungen, die dem Holocaust zu Grunde lagen und entziehen damit einer seriösen Ursachenforschung jede Grundlage.
Formulierungen wie “verhältnismäßig überschaubar” halte ich in diesem Zusammenhang nicht nur für geschmacklos, sondern auch für gefährlich. Sie geben dadurch denen Wasser auf die Mühlen, die meinen den Holocaust in die Kontinuität einer 1000 jährigen Geschichte menschlicher Gewalt stellen zu müssen und sich somit den entscheidenden Details dieses bürokratisch organisierten Massenmordes entziehen und ihn dadurch verharmlosen!
Herzliche Grüße,
Ruben Schuster
Sehr geehrter Herr Schuster.
Ihre Art der Argumentation ist die Ursache dafür, das das Wort Holocaust dem nicht gerecht wird was es ausdrücken soll. Mit Holocaust verbindet der Deutsche den Völkermord an den Juden. Aber auch, das dieses Wort zur Gefügigmachung Europas und besonders Deutschland genutzt wird um die israelische Politik zu Dulden und finanziell zu unterstützen.Jeder Massenmord wird bürokratisch organisiert. Ob jetzt Stalin, Mao oder der Mord an den Armeniern, überall steckt Methode dahinter.Angesichts der Völker umd Massenmorde in der Geschichte gibt es keine Goldmedaille dafür wer am meisten gelitten hat. Doch die wird von ihnen beansprucht. Das ist das Perfide in ihrer Antwort.