Wir sollten neugierig sein und ins Gespräch kommen. Dazu will ich in den kommenden Jahren beitragen. Christian Wulff

„Wir lieben es, Leute leiden zu sehen“

Ab 11. Januar geht das Dschungelcamp in die nächste Runde. Alexandra Schade spricht mit Sänger Ross Antony, Dschungelkönig von 2008, über seine Zeit in Australien, die Kandidaten der neuen Staffel und Dirk Bach.

The European: Am 11. Januar beginnt die 7. Staffel von „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus“, besser bekannt als Dschungelcamp. Werden Sie sich die Sendung ansehen?
Antony: Ich werde die Sendung nicht nur anschauen, ich bin für RTL auch als Reporter unterwegs. Ich berichte jeden Tag. Darauf freue ich mich sehr. Weil ich selbst schon im Dschungel war, weiß ich, wie hart es dort eigentlich ist. 17 Tage ohne Handy, ohne Kontakt zur Außenwelt – das ist wirklich schlimm.

The European: Was erwarten Sie von der Sendung, vor allem vor dem Hintergrund, dass Dirk Bach leider nicht mehr dabei sein kann?
Antony: Es ist wahnsinnig traurig, dass Dirk gestorben ist. Er war ein toller Typ, ich habe viele schöne Erinnerungen an ihn und vermisse ihn sehr. Für mich waren Dirk Bach und Sonja Zietlow ein Dreamteam. Daniel Hartwich wird das auf seine eigene Art gut hinkriegen, er ist ein lustiger Mensch.

The European: Hätte man die Sendung einstellen sollen?
Antony: Nein. Die Entscheidung, ob es weiter geht oder nicht, sollte nicht von den Moderatoren abhängen. Hauptsächlich sind es die Kandidaten, die für uns Zuschauer interessant sind. Ich glaube, Dirk hätte es sich nicht anders gewünscht.

„Die Sendung ist eklig, furchtbar, grausam“

The European: An kaum einer anderen Sendung scheiden sich die Geister so sehr wie am Dschungelcamp, aber die Quoten sind seit Jahren traumhaft. Warum ist die Sendung so erfolgreich?
Antony: Wir lieben es, Leute leiden zu sehen. Die Promis machen im Dschungel Sachen, die sie im normalen Leben nie tun würden. Das ist ein Grund, warum die Sendung die Leute so anzieht. Sie ist eklig, furchtbar, grausam. Wir nähern uns aber auch den Menschen hinter der Promifassade und lernen sie besser kennen. Das ist super. Mir hat das als Teilnehmer wahnsinnig viel gebracht. Vorher war ich nur eine Figur in einer Band, Ross von Bro’sis. Ich bin froh, dass ich ins Camp gegangen bin. Heute, fünf Jahre später, kann ich deshalb noch immer das machen, was mir Spaß macht: die Leute unterhalten. Ich habe viel zu tun. Ich bin begeistert und sehr dankbar.

The European: Was war das Schlimmste, was Sie im Dschungel erlebt haben?
Antony: In der offenen Natur zu leben und zu schlafen, in dem Wissen, dass es dort Schlangen gibt, war für mich das Schlimmste. Manchmal bin ich aufgewacht, weil Spinnen von den Bäumen auf meinen Schlafsack gefallen sind. Furchtbar.

Die Zeit im Dschungel war sehr intensiv. Die ersten Tage waren am härtesten für mich, weil ich immer wieder für die Prüfungen ausgewählt wurde. Die wurden auch von Mal zu Mal schwieriger und schlimmer. Das war der Horror!

The European: Warum glauben Sie, dass Sie damals Dschungelkönig geworden sind?
Antony: Das weiß ich leider nicht, das müssen Sie die Zuschauer fragen. Vielleicht haben die Leute mich einfach nur kennengelernt und lieb gewonnen.

„Ich glaube, dass man mit der Zeit ,echt‘ wird“

The European: Wie echt ist das Verhalten der Kandidaten? Immerhin werden sie rund um die Uhr von Kameras beobachtet.
Antony: Man vergisst innerhalb von zwei Tagen, dass die Kameras da sind. Die sieht man sowieso nicht, die sind sehr versteckt.

Ich glaube, dass man mit der Zeit „echt“ wird. Ich musste nichts verstecken oder verheimlichen. Bei anderen Kandidaten hat man aber eine Entwicklung gesehen. Die erste Hälfte haben sie wirklich hervorragend gespielt und alles gegeben, aber irgendwann kam dann ihr wahres Gesicht zum Vorschein. Das ist es, was wir als Menschen lieben.

The European: Auf welchen Kandidaten freuen Sie sich in der neuen Staffel am meisten?
Antony: In jedem Fall auf Olivia Jones. Ich kenne sie bzw. ihn persönlich. Ich denke, es wird sehr interessant werden, den Menschen dahinter, Oliver, kennenzulernen. Wir wissen nicht, wie er wirklich ist, da er immer nur als Transvestit unterwegs ist. Irgendwann während der Woche wird er die Perücke ablegen, das wird sonst zu anstrengend. Das interessiert mich sehr, wie er damit umgeht.

Iris Klein, die Mutter von Daniela Katzenberger, finde ich auch super. Wir haben schon bei „Big Brother“ gesehen, dass sie Unruhe bringen kann. Sie wird eine Art Mami im Camp sein.

The European: Was ist eine gute Mischung an Kandidaten?
Antony: Man braucht auf jeden Fall einen Sänger, einen Schauspieler, einen Sportler, einen Nachrichtensprecher und eine Celebrity-Ehefrau. Jemand wie Micaela Schäfer ist immer super, damit die Jungs was zu gucken haben. Deswegen ist diesmal Fiona Erdmann dabei. Sie ist ein Wirbelwind und wird mit Sicherheit Probleme im Camp machen, weil sie ihren Mund nicht halten kann. Und natürlich braucht man einen Superstar.

„Ich kann ohne Rampenlicht nicht leben“

The European: Es ist auffällig, dass ziemlich viele ehemalige Teilnehmer von Castingshows in den Dschungel gehen. Sie selber sind auch durch eine solche – „Popstars“ – bekannt geworden, aber im Gegensatz zu vielen anderen auch heute noch sehr gut im Geschäft. Wie bleibt man im Gespräch?
Antony: Das kann ich nicht beantworten. Vielleicht liegt es daran, dass ich ein ehrlicher Mensch bin. Vielleicht liegt es auch daran, dass ich etwas kann. Ich habe eine dreijährige Ausbildung an der Guildford School of Acting gemacht; ich kann singen, ich kann tanzen. Das ist auch die Basis für die gemeinsamen Projekte mit meinem Mann Paul. Unser aktuelles Album „Two Ways“ wäre beispielsweise ohne diese Ausbildung nicht möglich gewesen.

Aber es ist nicht nur das: Meine Arbeit ist mehr als nur ein Job für mich, es ist eine Leidenschaft. Ich glaube, das unterscheidet mich von anderen Leuten, die nur einen Weg suchen, um in einer kurzen Zeit viel Geld zu verdienen. Ich kann ohne Rampenlicht nicht leben. Ich brauche die Bestätigung der Zuschauer da draußen, dass ich gut genug bin, sie zu unterhalten.

The European: Im deutschen Fernsehen wimmelt es geradezu vor Castingshows. Sie selber saßen in der letzten „Popstars“-Jury, die in Bezug auf die Quoten nicht sehr erfolgreich war.
Antony: Bei allen Castingshows sinken die Quoten. Die Leute haben langsam genug. Ich kann das nachvollziehen, auch wenn ich selbst Castingshows immer noch sehr gerne sehe. Aber diese Entwicklung ist ja keine, die nur auf Castingshows beschränkt ist. Irgendwann sind die Zuschauer gesättigt und dann müssen neue Unterhaltungsformate her.

The European: Ist es also vorbei mit der Castingshow?
Antony: Nicht unbedingt. In England haben sie es verstanden. Da haben die Shows immer zwei, drei Jahre Pause und kommen dann wieder zurück. Dann ist der Hype wieder da und die Leute freuen sich darauf. Im Moment läuft nur „X-Factor“, „Let’s Dance“ und „Yes, you can dance“. Das ist alles. In Deutschland laufen zu viele Castingshows gleichzeitig und man hat keine Ahnung, wo man hingucken soll. Ich kann verstehen, dass viele Leute da genug haben.

The European: Haben Sie Ihre Teilnahme bei „Popstars“ jemals bereut?
Antony: Nein, überhaupt nicht. Aber es war ein Glück, dass wir bei einer der ersten Staffeln dabei waren, zu einem Zeitpunkt, als das alles noch ganz neu war. Außerdem haben die Produzenten nach der Entstehung von Bro’Sis eine Pause gemacht, die neue „Popstars“-Band entstand erst zwei Jahre später.

Wie die No Angels haben wir die Chance, die wir durch „Popstars“ bekommen haben, genutzt. Wir waren fünf Jahre zusammen, haben viel erreicht, alle möglichen Preise gewonnen und hatten vor allem eine wahnsinnig tolle Zeit. Aber irgendwann reicht es dann auch. Und dann haben wir gesagt: „Danke. Tschüss.“

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Das Album „Two Ways “ von Ross Antony und Paul Reeves ist 2011 erschienen.

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