In Deutschland heisst es Jugend forscht. In England heisst es Petting. Harald Schmidt

Vertrauen wird zukünftig immer wichtiger

Die nächste CeBIT steht unter dem Motto „Managing Trust“ – ein gut gewählter Titel, denn er orientiert sich nicht nur an der Wirtschaft, sondern vor allem an den Bedürfnissen der Menschen in unserer heutigen Gesellschaft. Vertrauen wird insgesamt – nicht nur auf dem IT-Sektor, sondern in der gesamten Industrie – einen immer größeren Stellenwert bekommen. Ein Beitrag von Renate Schmidt.

Menschen gehen immer kritischer mit allem um, was ihnen angeboten wird. Das beginnt in der Lebensmittelindustrie oder Pharmabranche und hört in der Telekommunikation noch längst nicht auf. Ein skeptisches „Ist das, was mir da angeboten wird, wirklich in Ordnung?“ ist eine oft gehörte Frage, die manchmal durch die Medien noch weiter verstärkt und angeheizt wird. Negativbeispiele finden sich schnell an einem Öffentlichkeitspranger wieder. Ob das zu Recht oder Unrecht geschieht, kann man im Einzelfall dahingestellt lassen. Fakt ist aber: Die Verunsicherung der Verbraucherinnen und Verbraucher wächst.

Sind technologische Neuheiten auch geeignet, das Vertrauen zu gewinnen?

Das fällt zurück auf die Unternehmen, seien es Dienstleister oder Hersteller von Produkten. Sie alle sind darum gut beraten, ihre technologischen Neuheiten daraufhin zu überprüfen, ob sie geeignet sind, das Vertrauen der Menschen zu gewinnen. So gibt es beispielsweise im Umgang mit persönlichen Daten eine immer größere Sensibilität. Junge Leute gehen damit noch sorgloser um, was sich mit zunehmendem Alter ändert.

Heute gibt es eine große Zahl von Bürgern, die mit Cloud Computing nichts zu tun haben möchten und die sich weigern, Onlinebanking zu betreiben, weil sie Angst um ihre Daten haben. Sie verzichten schlichtweg auf diese Art von Dienstleistungen, weil sie das Vertrauen nicht haben, dass mit ihren Informationen sensibel umgegangen wird. Eine komplizierte moderne Welt mit immer differenzierteren Angeboten trifft da auf immer kritischere Verbraucher, die – allen Pisa-Ergebnissen zum Trotz – einen hohen Bildungsstandard besitzen und gelernt haben, Werbesprüche auch zu hinterfragen. Letztendlich müssen diese Menschen auf zwei Ebenen überzeugt werden, nämlich emotional und intellektuell gleichermaßen.

Datenschutz ist Chefsache

Einen Bedarf nach einem höheren Grad der juristischen Verpflichtung von Unternehmen vermag ich aber nicht zu erkennen. Wir haben – zumindest was den Sektor Telekommunikation betrifft – genügend Gesetze. Das erst kürzlich novellierte Datenschutzgesetz enthält alle notwendigen Aspekte und keine für mich ersichtlichen Lücken. Jedoch ist es immer gut, wenn Unternehmen offensiv mit dem Thema Datenschutz umgehen und etwa betonen, wie wichtig die Kundendaten sind und wie sorgfältig mit ihnen umgegangen wird. Ein neuralgischer Punkt liegt gewiss in der Zusammenarbeit mit externen Dienstleistern. In meiner Tätigkeit als Ombudsfrau für Datenschutz bei Vodafone ist dies ein wichtiges Thema: Es gilt sicherzustellen, dass Dienstleister von Vodafone mit denselben hohen Qualitätsanforderungen arbeiten, wie es das Unternehmen selbst tun würde. Ein Potenzial zum Vertrauensaufbau herrscht etwa beim Thema Kundenwerbung, wo in Zukunft noch stärker kontrolliert werden könnte, ob die Dienstleister ihre vertraglichen Verpflichtungen wirklich einhalten.

Ist also die Bedeutung von Datenschutz und Vertrauen ausreichend im Bewusstsein der Unternehmen verankert? Es liegt in der Natur der Sache, dass Datenschutz interne Abläufe nicht vereinfacht, sondern oftmals komplizierter macht. Aber er lohnt sich. Auch darum ist es so wichtig, dass Datenschutz Chefsache ist und bleibt und dass immer wieder auch von der Unternehmensleitung darauf hingewiesen wird. Das gewonnene Vertrauen der Kunden ist schließlich ein hohes Gut – und letztendlich ist es jeder Mühe wert, dies auch zu erhalten.

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