Die EU war in ihren besten Zeiten eine Art aufgeklärter Absolutismus. Alan Sked

Lindner bei AfD-Wählern beliebter als Gauland

„Lindner abgeschmiert“ melden die Medien. Auf den ersten Blick stimmt das, auf den zweiten Blick ist das Bild differenzierter.

Laut dem ARD-Deutschlandtrend hat Christian Lindner in der Tat im Vergleich zum Vormonat 17 Punkte in der Beliebtheitsfrage verloren und kommt aktuell auf 28 Prozent Zustimmung. Doch diese Zustimmung ist immer noch drei Mal so hoch wie der Prozentsatz derjenigen, die aktuell FDP wählen würden. Zum Vergleich: Alexander Gauland von der AfD genießt laut der gleichen Umfrage nur eine Zustimmung von zehn Prozent in der Bevölkerung, was sogar unter dem Prozentsatz der AfD-Wähler (13 Prozent) liegt.

Beliebt bei AfD-Wählern

Zwar hat Lindner bei den Anhängern z.B. der CDU an Zustimmung verloren, doch bei den FDP-Anhängern ist die Zufriedenheit mit 80 Prozent nach wie vor außerordentlich hoch und ist nur um 10 Prozentpunkte zurückgegangen. Die Zustimmung bei den eigenen Wählern ist für einen Politiker naturgemäß viel wichtiger als die Frage, wie beliebt er bei Menschen ist, die andere Parteien wählen. Doch auch hier kann Lindner durchaus punkten, und zwar bei AfD-Wählern. Bei ihnen verzeichnete Lindner nach der Absage von Jamaika sogar einen sprunghaften Anstieg um 25 Punkte. Mit 64 Prozent Zustimmung ist Lindner bei AfD-Anhängern jetzt sogar beliebter als der frisch gekürte AfD-Bundesvorsitzende Alexander Gauland, der bei AfD-Wählern nur auf 58 Prozent kommt.

Dies belegt: Es ist falsch, AfD-Wähler als rechtsradikal zu beschimpfen. Viele wollen lediglich eine klare Alternative zu den linken Parteien – eine Alternative, die sie in der CDU nicht mehr sehen. Perspektivisch könnte die FDP, wenn sie z.B. in der Europa- und Einwanderungspolitik den von Lindner im Wahlkampf vertretenen Kurs konsequent verfolgt, auch Anhänger aus dem Spektrum der AfD-Wähler gewinnen.

Lindner selbst hat – beispielsweise in seinem kürzlich erschienenen Buch „Schattenjahre“ – Schnittmengen zwischen AfD- und FDP-Wählern stets bestritten. Aber schon vor der Wahl zeigten Umfragen, dass es in manchen Punkten hohe Übereinstimmungen zwischen Wählern von FDP, CSU und AfD gab: „Die neue Regierung soll eine Obergrenze für Flüchtlinge einführen“, das forderten beispielsweise 77 Prozent der FDP-Wähler, so viel wie von keiner anderen Partei, mit Ausnahme der AfD (97%). Beim Thema „sichere Herkunftsländer“ vertraten schon vor der Wahl die Wähler keiner anderen Partei eine so klare Haltung wie die der FDP: Algerien, Marokko und Tunesien sollen nach Meinung von 66 Prozent der FDP-Wähler als sichere Herkunftsländer gelten, was Abschiebungen erleichtert. Damit lag der Anteil bei FDP-Wählern fast 20 Prozentpunkte (!) über dem der Gesamtbevölkerung und sogar höher als bei den AfD-Wählern, die diese Position zu 59 Prozent teilen.

FDP verliert 1,7 Prozent im Vergleich zur Bundestagswahl

Vorerst hat die FDP an Zustimmung verloren und liegt in der aktuellen Umfrage bei neun Prozent. Das sind 1,7 Prozentpunkte weniger als bei der Bundestagswahl. Bedenkt man, welch massive Kampagne von CDU, SPD, Grünen und Linken sowie von allen linken Medien nach dem Platzen von Jamaika gegen die FDP geführt wurde, dann verwundert das nicht und hält sich durchaus im Rahmen.

Ich finde: Lieber jetzt ein paar Prozent in Umfragen verlieren, aber dafür die Chance offen halten, in einigen Jahren massiv zuzulegen. Wenn es der FDP in den nächsten Jahren gelänge, mit konsequent marktwirtschaftlichen Positionen je fünf Prozentpunkte von wirtschaftliberal gesinnten Wählern zu gewinnen, die sich bei Union und AfD nicht mehr gut aufgehoben fühlten, dann hätte sie eine Chance, mit 20 Prozent die zweitstärkste Partei in Deutschland zu werden.

Lesen Sie weitere Meinungen aus dieser Debatte von: Jörg Hubert Meuthen, Boris Palmer, Alexander Gauland.

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