Die Konservativen sind die Pausenzeichen der Geschichte. Norman Mailer

Reiche Gutmenschen, die höhere Steuern fordern

Immer mal wieder melden sich Reiche zu Wort, die lautstark höhere Steuern für Reiche fordern. Was ist der Hintergrund?

Es gibt einen alten Grundsatz für Journalisten: „Hund beißt Briefträger ist keine Nachricht, Briefträger beißt Hund, ist eine.“ Und so darf man sich nicht wundern, dass Medien geradezu darauf fliegen, wenn sich mal wieder ein Reicher zu Wort meldet, der über andere Reiche herzieht und sich für Steuererhöhungen einsetzt. Mit einem dieser Vertreter hatte ich eine Diskussion bei Maischberger. Der Immobilienunternehmer Josef Rick fordert schon seit Jahren immer wieder höhere Steuern für Reiche und hatte im Bundestagswahlkampf 2013 öffentlich das Steuer-Wahlprogramm der Grünen unterstützt, die allerdings gerade wegen diesem radikalen Steuererhöhungsprogramm eine herbe Niederlage erlitten.

Was bewegt Reiche, gegen Kapitalismus und Reiche und für höhere Steuern zu fechten? Vielleicht kann man das am Fall des Milliardärs George Soros erläutern, der sicherlich der bekannteste reiche Antikapitalist ist.

Der Fall Soros

Soros wurde berühmt als der Mann, der die Bank von England durch gigantische Währungsspekulationen gegen das Pfund in die Knie zwang und damit Milliarden verdiente. Er gehört zu den reichsten Männern der Welt. Sein Leben lang, so zeigt sein Biograf Robert Slater in einer lesenswerten Biografie, wollte Soros eigentlich lieber Philosoph sein und lechzte geradezu nach Anerkennung als intellektueller Denker. Diese Anerkennung blieb ihm jedoch stets versagt, trotz zahlreicher – aus meiner Sicht eher wirrer – Bücher, in denen er sich als Philosoph gerierte. Ich bezweifle, dass auch nur eines dieser Bücher gedruckt worden wäre, wenn er sich nicht einen Namen als Finanzspekulant gemacht hätte.

Soros wurde in Ungarn geboren, verließ das Land im Alter von 17 Jahren und schrieb sich an der London School of Ecnomics ein, wo er unter anderem Karl Popper hörte. Er wollte damals Gesellschaftsphilosoph oder Journalist werden und der Welt wichtige Erkenntnisse vermitteln – „so wie Freud oder Einstein“. Doch er war in dieser Hinsicht nie erfolgreich. Er selbst bezeichnet sich als „gescheiterter Philosoph“.

Soros fördert seit Jahrzehnten linke Initiativen in Amerika und vielen anderen Ländern und macht immer wieder Schlagzeilen mit Kapitalismuskritik und der Forderung, Reiche höher zu besteuern. Dass er Antikapitalismus predigt, obwohl er selbst Milliardär ist, hängt damit zusammen, dass ihm die Anerkennung der Intellektuellen so ungeheuer wichtig ist. Durch seine Theorien und Bücher konnte er diese Anerkennung nicht finden, denn die sind belanglos. Als Reicher hat man es sowieso verdammt schwer, von den Intellektuellen gemocht zu werden, die meistens links sind. Aber derjenige, der weit links steht, Antikapitalismus predigt, auf die Reichen schimpft und höhere Steuern fordert, kann trotz seines Reichtums auf ein wenig Anerkennung oder wenigstens Beachtung durch die überwiegend antikapitalistisch gesinnten Intellektuellen hoffen. Die richtige (also linke) Gesinnung kann manches andere ausgleichen, so auch fehlende intellektuelle Brillanz oder den „Makel“ eines Milliardenvermögens.

Gutmensch zu sein, kostet nichts

Der Vorteil: Wenn ein Reicher hohe Steuern für Reiche fordert, dann bekommt er damit viel Aufmerksamkeit, so wie Soros oder mein Diskussionspartner bei Maischberger. Man kann weiter in Seelenruhe alle Steuervorteile nutzen und im kapitalistischen Spiel mitspielen, dabei gleichzeitig für andere Reiche fordern, die sollten höhere Steuern zahlen. Das ist zwar irgendwie schizophren, aber von linken Medien wird man gerne als Beispiel dafür zitiert, dass „die Reichen“ angeblich selbst eingesehen hätten, sie würden zu wenig Steuern zahlen. Reicher Gutmensch zu sein kostet also nichts, bringt aber eine Menge Publizität. Aus Sicht eines Investors ein gutes Geschäft: Es kostet mich nichts, antikapitalistische Sprüche zu klopfen, aber ich bekomme dafür wenigstens ein bisschen Sympathie und Aufmerksamkeit von Intellektuellen und den Medien. Ich kann zudem klammheimlich hoffen, dass meine Forderungen nicht erfüllt werden. Bezeichnenderweise sind diese „Wasser-predigen-und-Wein-trinken“-Reichen oft entweder Erben (so wie der linke Zigarettenerbe Jan Philipp Reemtsma oder Jakob Augstein) oder Menschen, die bereits reich geworden sind. Auf dem Weg zum selbst erarbeiteten Reichtum kommen die wenigstens auf die Idee, höhere Steuern zu fordern. Ernüchternd muss es für diese Anti-Reichen-Reichen sein, wenn – wie bei der Maischberger-Sendung – die Doppelmoral aufgedeckt wird und sie gleichermaßen zum Gespött der Linken und der anderen Reichen werden.

Mehr dazu auch hier

Lesen Sie auch die neuste Kolumne von Rainer Zitelmann: Auftrag: Rufmord gegen Carsten Maschmeyer

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