Die Helden einer Revolution sind immer die mutigen Menschen vor Ort. Srdja Popovic

ZDF lobt sich selbst

Stolz präsentierte Claus Kleber gestern in der ZDF heute-Sendung eine Studie über die Glaubwürdigkeit der Medien. Ausdrücklich betonte er, die Studie sei nicht manipuliert. Ein genauerer Blick zeigt, dass ARD und ZDF nicht so gut wegkommen, wie Kleber dies behauptete – und dass die entscheidenden Fragen wohlweislich ausgeklammert wurden.

Kleber präsentierte die Studie als Beleg dafür, dass nur eine kleine, lautstarke Minderheit, die über die „Lügenpresse“ schimpft, der Berichterstattung der Öffentlich-Rechtlichen kritisch gegenüberstehe. Die Mehrheit der Befragten habe hingegen sehr großes Vertrauen in die Berichterstattung.
Schaut man sich die Zahlen an, dann sind sie eher ernüchternd. Zwar sagen 60 Prozent der Zuschauer, sie hätten großes Vertrauen in ARD und ZDF. Aber 38 Prozent haben kein bzw. nur geringes Vertrauen in deren Berichterstattung. Stolz verkündete Kleber, dies habe sich im Zeitablauf kaum verändert. Aber was sagt das schon? Es ist keine Studie, die seit Jahrzehnten erhoben wird, sondern erstmals wurde sie 2015 durchgeführt. Nach so kurzer Zeit wären große Änderungen eher überraschend.

Dass Wähler von AfD und Linkspartei den Öffentlich-Rechtlichen kritisch gegenüberstehen, ist nicht verwunderlich. Aber sollte es nicht zu denken geben, dass auch 43 Prozent der FDP-Wähler kein oder nur geringes Vertrauen in die Berichterstattung eines Mediums haben, das wir alle durch unsere Rundfunkbeiträge finanzieren müssen?
Stolz wird in der Studie mehrfach verkündet und unterstrichen, die meisten Menschen fänden ARD und ZDF glaubwürdiger als die Bild-Zeitung. Nun, wenn das der Maßstab ist, um zufrieden zu sein….

Was nicht gefragt wurde

Wenn Kleber betont, dass die Studie nicht manipuliert wurde, dann muss man fragen, was er damit meint. Auch ich glaube nicht, dass die Zahlen verfälscht wurden. Aber jeder Sozialwissenschaftler weiß, dass der Ausgang einer Befragung entscheidend davon abhängt, was man fragt – und wie man fragt. Studien renommierter Meinungsforschungsinstitute wie etwa des Instituts für Demoskopie in Allensbach zeigen, dass ein Großteil der Zuschauer und Leser der Meinung ist, dass insbesondere die Berichterstattung zum Thema „Flüchtlinge“ sehr einseitig und wenig glaubwürdig sei. Dies war und ist seit 2015 das beherrschende Thema der öffentlichen Debatte in Deutschland und der Berichterstattung in den Medien. Warum gibt es in der umfangreichen Studie keine einzige Frage dazu, ob die Zuschauer die Berichterstattung zum Thema „Flüchtlinge“ glaubwürdig oder einseitig finden? Das wäre eine ebenso aufschlussreiche wie naheliegende Frage gewesen, die von anderen Instituten auch gestellt wird. In der vom ZDF in Auftrag gegebenen Studie fehlt diese Frage. Warum wohl?

Kleber widerlegt sich selbst

In der gleichen Sendung, in der Kleber die wohlwollende Studie zur Glaubwürdigkeit von ARD und ZDF präsentierte, moderierte er einen Beitrag über die CSU, der an Unsachlichkeit gar nicht mehr zu überbieten ist. Der Beitrag braucht keinen Vergleich zu scheuen mit denen des DDR-Propagandisten Eduard von Schnitzler im „Schwarzen Kanal“. Wer dieses harte Urteil überzogen findet, dem empfehle ich, sich diesen Beitrag in der ZDF-Mediathek anzuschauen. Es ist schon absurd, wenn Kleber seine eigene Glaubwürdigkeit lobpreist und Kritiker in die Ecke von „Lügenpresse“-Schreiern stellen will, aber dann in der gleichen Sendung einen Beitrag präsentiert, der all jene, die die Einseitigkeit der Berichterstattung kritisieren, bestätigt.

Lesen Sie auch die neuste Kolumne von Rainer Zitelmann: Wie politisch weitsichtig sind Börsianer?

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