„Tribunal- Talkshows“ nützen der AfD

Rainer Zitelmann7.10.2016Gesellschaft & Kultur, Medien

Einer der besten Wahlhelfer der AfD sind die „Tribunal-Talkshows“, in denen mehrere Teilnehmer, oft kräftig unterstützt vom Moderator, in aggressiver Weise über einen Vertreter der AfD herfallen.

Beispiel Sandra Maischberger am 5. Oktober: Lea Rosh, früher selbst Moderatorin einer betont linken Talkshow und der Vorsitzende der Grünen-Bundestagsfraktion Anton Hofreiter fallen regelrecht über Beatrix von Storch von der AfD her. Man muss nicht einmal die Argumente analysieren, sondern nur auf den Ton hören und die Mimik und Gestik achten, dann wird klar, wem solche Talkshows nutzen: Allein der AfD. Die AfD-Vertreter müssen nichts anderes tun, als relativ ruhig und gelassen den aggressiven Wortschwall der anderen Teilnehmer ertragen, die sich im Geschimpfe überbieten. Zwischendurch sorgt die Redaktion der Talkshow meist noch mit Anti-AfD-Einspielungen dafür, dass jeder Zuschauer versteht, wie „unsäglich“ (so ein Lieblingswort der AfD-„Kritiker“) die Ansichten der „Rechtspopulisten“ sind.

Neulich bei Markus Lanz fiel die Schauspielerin Renan Demirkan mit einem nicht enden wollenden aggressiven Wortschwall und emotionalem Ausbruch regelrecht über einen AfD-Vertreter her. Es handelte sich um Guido Reil, einen ehemaligen Sozialdemokraten, einen Arbeiter aus dem Ruhrgebiet, der sich nicht sonderlich gut ausdrücken kann. Begleitet wurde der aggressive Wortschwall der Schauspielerin von tiefenpsychologischen Überlegungen des WELT-Chefredakteurs Ulf Porschardt, der intellektuell und rhetorisch dem AfD-Mann haushoch überlegen war. Porschardt war dabei nicht laut, sondern analysierte herablassend, was psychologisch mit Reil nicht stimme.

„Wer schreit hat unrecht“, sagt der Volksmund. Nun, das Sprichwort muss nicht immer stimmen. Wer schreit, kann auch Recht haben. Aber wer in einer Talkshow schreit, schimpft und sich emotional aufspult, überzeugt damit garantiert keinen einzigen AfD-Anhänger. Er erzeugt eher eine „underdog-Identifikation“ mit den AfD-Leuten.

Ich habe auch den Eindruck, dass es den emotional gestikulierenden Talkshowgästen auch gar nicht darum geht, irgendetwas Positives zu bewegen oder Andersdenkende zu überzeugen. Sie wollen vielmehr nur denjenigen, denen sie selbst politisch nahestehen, zeigen: „Schau mal, wie ich es dem (der) AfD-Vertreter(in) gegeben habe.“ Das wurde besonders deutlich bei einer Talkshow von Anne Will im März, bei der die CDU-Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen mit Schimpfkanonaden über Beatrix von Storch herfiel.

Die besten Wahlhelfer sind Talkshow-Redaktionen

Ich habe neulich geschrieben, Peter „Schönfärber“ Altmaier sei der beste Wahlhelfer der AfD. Das war falsch. Er ist nur der zweitbeste Wahlhelfer. Die besten Wahlhelfer sind Talkshow-Redaktionen wie Anne Will oder Sandra Maischberger. „Hart aber fair“ will ich ausnehmen, denn dort sorgt Frank Plasberg, der nicht allzu einseitig Partei ergreift, dafür, dass sich eine Talkshow nicht zum Tribunal entwickelt.

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