Es ist Zeit, sich zu verabschieden. Ich habe mich dazu entschlossen, diese Kolumne nicht mehr weiterzuführen. Nun möchte ich noch kurz die Gelegenheit nutzen, einen Blick zurückzuwerfen.
Angefangen hatte alles voriges Jahr im Dezember. Martin Eiermann fragte mich, ob ich nicht Interesse hätte, eine Kolumne für The European zu schreiben. Er schien von den Texten, die ich bis dahin in meinem Blog veröffentlicht hatte, recht angetan und konnte sich vorstellen, dass ich für The European schreiben würde. Wir trafen uns dann zu einem persönlichen Gespräch, bei dem wir die Bedingungen aushandelten und per Handschlag besiegelten.
Herausforderung im Wochenrhythmus
Der Deal bestand im Wesentlichen aus einem Tausch von Texten gegen Aufmerksamkeit. Finanziell bin ich nicht darauf angewiesen, mit von mir verfassten Texten Geld zu verdienen. Daher war es für mich kein Problem, die Texte unentgeltlich zur Verfügung zu stellen. Mir war allerdings daran gelegen, eine Freiheit in der Themenwahl und eine Freiheit in der tatsächlichen Ausführung zu haben. Mir wurde zugesichert, man würde meine Texte nicht redigieren – und daran hielt sich die Redaktion strikt.
Auch wenn ich die Kolumne aus freien Stücken geführt habe, so stellte sich ein gewisser Publikationsdruck ein, den ich nie wollte, aber dann als Herausforderung begriff. Jede Woche einen Text abzugeben, mit dessen Qualität man den eigenen Ansprüchen genügen kann, ist als Hobby keine leichte Aufgabe. Mir ist dies auch nicht immer gelungen.
In den zweiundvierzig Texten, die ich im Rahmen der Kolumne geschrieben hatte, habe ich eine Vielzahl von Punkten angesprochen, die mich persönlich bewegen. Natürlich könnte ich mir jetzt jede Woche ein politisches Ereignis heraussuchen und daran fortwährend diese Punkte durchdeklinieren. Doch die Hölle ist Wiederholung und ich möchte Sie als Leser von The European damit nicht langweilen.
In den vergangenen Wochen fiel es mir häufiger schwer, ein Thema für den zu schreibenden Text zu finden. Mir fehlte öfters auch Herzblut in den Texten und manchmal war ich einfach nur froh, etwas abgegeben zu haben. Das brachte mich ins Grübeln.
Es schlich sich eine Alltäglichkeit ein, die ich nicht gern leiden mochte. Viel mehr litt ich zunehmend unter ihr. Die Befürchtung, ein derartiger Zustand könne sich irgendwann einstellen, hatte ich schon, als sich herauskristallisierte, dass ich eben wöchentlich einen Text abgeben würde. Aber da dachte ich mir noch, es gibt ja so viel zu erzählen – einen Versuch ist es allemal wert.
Es war für mich eine spannende Erfahrung, als jemand, der zu Schulzeiten regelmäßig wegen Deutsch versetzungsgefährdet war und dem eine leichte Form der Legasthenie attestiert wurde, überhaupt den Schritt, eine Kolumne zu führen, zu wagen.
Muße und Freiheit
An meinem eigenen Blog gefiel und gefällt mir nach wie vor die Möglichkeit, schreiben zu können, wann, wo und worüber ich gerade Lust habe. Für eine Kolumne ist dieser Arbeitsmodus nachvollziehbarerweise, zumindest auf der zeitlichen Ebene, nicht passend, da der Leser eine gewisse Regelmäßigkeit erwartet. Nur empfand ich die Kolumne nie als Arbeit. Sie war für mich immer ein Hobby.
Und als Hobbyist möchte ich mir nun herausnehmen, was ich mir als Hobbylobbyist auch herausnehme, die Freiheit über das „Wann“ selbst zu bestimmen. Daher habe ich mit Alexander Görlach und Martin Eiermann vereinbart, gerne Texte zu liefern, wenn ich den Eindruck habe, damit die Debatte bereichern zu können. Nur eben nicht mehr in der Form einer wöchentlich erscheinenden Kolumne. Mir hat die Zeit als Kolumnist viel Freude bereitet und es ehrt mich, dass Martin Eiermann und Alexander Görlach mir die Möglichkeit dafür eingeräumt haben. Vielen Dank!
Abschließend möchte ich mich noch bei Doreen Butze, Klaus Minhardt und Mathias Köhler bedanken, die mir im Hintergrund als kritische Lektoren beratend zur Seite standen. Ohne sie wäre diese Kolumne einfach nicht möglich gewesen.
Lesen Sie auch die letzte Kolumne von Der Presseschauer: Auf in den Kampf
















