Dass ich in einem wirklich alten Aufzug stand, merkte ich, als ich dort ein Schild las: „Als Selbstfahrer zugelassen!“ Für den gewöhnlichen Nutzer eines Fahrstuhls mag es heute befremdlich wirken, über den Liftjungen als Berufsbild nachzudenken. Ja, auch hier handelt es sich um einen Beruf, der durch Automatisierung obsolet wurde. Und während die Automatisierung scheinbar unaufhaltsam voranschreitet, denkt man in der Politik ernsthaft über die Idee der Vollbeschäftigung nach.
Ob man die Arbeitslosenzahlen schönrechnet, sei mal dahingestellt. Ebenso sollte man zwischen einem Arbeitslosen und einem Erwerbslosen unterscheiden. Denn wenn jemand Hartz IV bezieht und gleichzeitig ehrenamtlicher Fußballtrainer ist, warum sollte man ihn als „arbeitslos“ abstempeln?
Automatisierung dank Standardisierung
Doch zurück zur Automatisierung – ich behaupte: Uns steht DIE große Entlassungswelle im Einzelhandel erst noch bevor. Sicher, einige Nerds warten nur darauf, dass ihr Kühlschrank eine Kommissionierung – etwa bei Amazon – anstößt und dass ihnen ein Empfehlungssystem vorschlägt, wann sie mit wem, wo, was kochen sollen. Damit verschwindet der lokale Supermarkt nicht unbedingt. Nur wer wird dort noch arbeiten?
Aus Sicht eines Supermarktbetreibers ist die menschliche Arbeitskraft ja eher lästig. Es gibt gesetzliche Auflagen, die einen Rund-um-die-Uhr-Betrieb verhindern. Aber die Fortschritte in der Robotik und Technologien wie RFID lassen einen vollautomatisierten Supermarkt nicht mehr als abwegig erscheinen. Wenn also die Regale von Robotern bestückt werden und den Kunden beim Verlassen automatisch die entnommene Ware in Rechnung gestellt wird, werden Menschen vielleicht noch für den Objektschutz benötigt. Und da gelten, was die Arbeitszeiten angeht, andere Bedingungen als im Einzelhandel.
Prinzipiell erleichtert die Standardisierung bei den Produktionsverfahren die Automatisierung. Hersteller wie Nestlé, Unilever und Procter & Gamble, deren Produkte einen hohen Anteil im Sortiment von Supermärkten ausmachen, haben ein Interesse an einem hohen Standardisierungsgrad, da so die Herstellung vereinfacht wird.
Jobs werden wegautomatisiert
Der Einsatz von Maschinen hat einen erheblichen Beitrag dazu geleistet, unsere Gesellschaft aus einer Agrargesellschaft herauszuführen. Auf den ersten Blick mag 1980 als Gründungsjahr der Gesellschaft für Informatik in der Land-, Forst- und Ernährungswirtschaft irritieren, aber warum sollte die Automatisierung vor diesem Bereich haltmachen? Von Spargelstechmaschinen über satellitengesteuerte Reispflanzroboter und Tomaten erntende Roboterhände, bis hin zu Melkautomaten, arbeiten Techniker daran, dem Menschen Arbeit abzunehmen.
Dabei übernehmen Roboter nicht nur Aufgaben, die dem Menschen das Überleben erleichtern, sondern auch das Töten. Dafür werden im militärischen Bereich Tötungsmaschinen entwickelt. Waren Computer im Zweiten Weltkrieg noch Menschen, so werden heute Roboter für den Kampfeinsatz vorbereitet.
Natürlich entstehen durch die Automatisierung auch neue Arbeitsplätze. Doch unterm Strich werden weniger aber dafür meist besser qualifizierte Menschen benötigt, um eine bestimmte Arbeit zu erledigen. Aber wie soll die Gesellschaft damit umgehen, wenn einem größeren Teil der rund 3 Millionen Beschäftigten im Einzelhandel der Job wegautomatisiert wird?
Lesen Sie auch die letzte Kolumne von Der Presseschauer: Auf in den Kampf














