Das ist keine Kampfkandidatur. Das ist Demokratie, wenn man Auswahl hat. Renate Künast

Der vierte Genozid

Im Sudan brodelt es. Nach dem Völkermord in Darfur steht die südliche Region Abyei vor der Abspaltung und der Unabhängigkeit. Das wird Präsident Bashir nicht zulassen. Das Morden wird aufs Neue losgehen.

Abyei ist eine kleine Grenzregion zwischen Nord- und Südsudan. Hier befindet sich das größte Ölfeld des Landes, “Heglig 2”. Die Menschen im Süden stimmen im Januar 2011 darüber ab, ob sie aus dem heutigen Sudan austreten und einem neuen Staat, einem zweiten Sudan, angehören wollen – und wie sie wollen! Umfragen sehen weit mehr als 90 Prozent der Stimmen für eine Staatsteilung. Seit 1993 erblickt erstmals ein neuer afrikanischer Staat das Licht der Welt. Aber die Geburt wird alles andere als geräuschlos verlaufen. Das Epizentrum von Schreien, Maschinengewehren und Bombenexplosionen wird Abyei heißen. Der Name eines weiteren Vorhofs zur Hölle. Ausgangspunkt des vierten Genozids im Sudan?

Inszenierte Unruhen als Schlüsselproblem

Die Einwohner der Region sollten eigentlich am 9. Januar 2011 darüber abstimmen, ob sie zum Süden oder zum Norden des Landes gehören wollen. Das sieht der 2005 geschlossene Friedensvertrag vor, der einen 20-jährigen Bürgerkrieg mit mehr als 2 Millionen Toten auf Eis gelegt hat. Seit letztem Monat dämmert der westlichen Diplomatie aber, dass etwas nicht stimmt. Bislang wurde nicht einmal die Referendumskommission besetzt. Bashir verweigert jegliche Unterschrift. Der wiedergewählte Präsident des Sudans hat schließlich genug zu tun. Er wird wegen Völkermordes international gesucht.

Den diplomatischen Anstrengungen, die wir dieser Tage erleben, darf eine Gewissheit entgegengehalten werden: Zu einer Wahl in Abyei wird es niemals kommen. Bashir wird jede Abspaltung Abyeis mit allen Mitteln verhindern. Selbst das Wie ist absehbar: Spätestens im Dezember 2010 kommt es wundersam, plötzlich und völlig überraschend zu “Ausschreitungen”. Diese nutzt Bashir dazu, die Region mit Truppen zu besetzen, die offiziell die Bevölkerung vor Gewalt “schützen”. Spätestens nach der Unabhängigkeit am 9. Januar 2011 marschiert dann auch der Südsudan mit Truppen in Abyei ein.

Wenn Abyei Maschinenraum eines neuen Kriegs ist, wäre er auch zu verhindern: Was die Menschen brauchen, sind Beobachter, die jede Art von “Unruhen” beobachten und untersuchen. 5.000 Soldaten der Afrikanischen Union dürften genügen, um Wahlen zu garantieren. Sie würden den potenziellen Kriegsparteien verunmöglichen, sich als Retter in der Not zu inszenieren. Denn genau das ist ihr Plan.

Der gute Wille eines zweifachen Völkermörders?

Abyei wirft einmal mehr die Frage auf, wie der Westen mit Völkermördern zu verfahren gedenkt. Wer ist eigentlich bereit, einem zweifachen Völkermörder zu vertrauen? Die Antwort: so gut wie alle. Die Verhandlungsführer setzen darauf, dass Bashir sich über Nacht in einen Gutmenschen verwandelt hat. Aber wo andere einen Krieg fürchten, sieht Bashir zwei der größten Ölfelder seines Landes. Seine Politik ist darauf angelegt, Rebellen im Südsudan auszurüsten, die den neuen Staat destabilisieren, bis er im Bürgerkrieg kollabiert.

Unser religiöser Glaube an den guten Willen eines zweifachen Völkermörders hat etwas Verzweifeltes. Es reiht sich in ein politisches Erbe ein, das sich an Gestalten wie Hitler bis Milosevic die Zähne ausgebissen hat. Man ignoriert das Genozidinferno, das diese Männer anrichten. Genauso wie ein Gesetz der politischen Psychologie, nach dem die Verachtung eines Diktators in dem Maße wächst, wie man bereit ist, seine Bösartigkeit zu verdrängen.

Dabei hatte die Regierung Bush vor Jahren einmal vorgemacht, wie mit Bashir umzugehen ist. Nach dem 11. September wollte Khartum keine Informationen zu Osama bin Laden offenlegen. CIA-Agenten trafen sich in London mit Vertretern Bashirs und drohten, Ölraffinerien, Häfen und Pipelines zu bombardieren. Umgehend wurden die gewünschten Informationen ausgehändigt. Aber der Krieg gegen Terror war wichtiger als der Krieg gegen Genozid.

Leserbriefe

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    sebastian – 12.10.2010 - 12:09

    “Lieber Phil, danke Dir für Deine Augen, Deinen Intellekt, Deine Ohren, Deine Rethorik und Dein Herz…!!!” Heinrich Otto Sebastian Rothmaler

  • Theeuropean-placeholder
    Ihr Name – 13.10.2010 - 09:00

    Sehr geehrter Herr Ruch,

    was wissen Sie von Afrika? Null Komma Nix. Haben Sie vergessen, dass eine Pharmafabrik von US Air Force in Karthoum umsost bombardiert wurde? Wissen Sie wirklich nicht, da? die Familie Bush und Osama eng befreundet sind? Wie stehen Sie zur Freiheit der Basken, Korsen, belgische Germanophonen, Neerlandophonen und Francophonen? Sehen Sie keinen Zusammenhang zwischen Öl und die Krise in Sudan nicht? Ihre Definition und Interpretation von Genozid hat ein Negationismussbeigeschmack. Wissen Sie nicht, was im Ost der Demokratischen Republik Kongo passiert? Sie haben mindestens ein handy und einen Laptop. Wir, AfrikanerInnen brauchen ehrliche Freunde und nicht PR Agenten der Multis, nicht Kreigesanbeter. Sehen Sie was Sie mit Jugoslawien gemacht haben? Wo sind die Massenvernichtungswaffen in Orak geblieben? Nach Sadam, sind mehr Menschen in Irak ermordet als in der ganzen Sadamsregierung. Am Anfang nach den westlichen medien und Politik um Massaker von Christen durch den Sklaventreiber Moslims aus dem Nord: Jezt um was gehts es ? In Darfour sind alle Schwarzen und Moslims. Ihre geopolitisches und geoökonomisches Horizont sind extrem eng. Ich bin ein Afrikaner in Deutschland und laße mich nicht von einem Mensch, der in Deutschland nicht gegen die Gewalt der Sinheads gegen die Schwarzen nicht tut, und Krieg zwischen afrikanischen Staaten unterstützt. Dr. Tundanonga

  • Theeuropean-placeholder
    Ihr Name – 14.10.2010 - 16:57

    Moderator?

  • Avatar
    Markus jaCOB – 19.10.2010 - 20:06

    Was sollen wir von Sudan erwarten, wenn in Amerika,
    auch Lateinamerika die Regierungen Demozid begehen?

    Durch die Auferlegung tödlicher Lebensbedingungen von den Militärs des “Plan Condors”,
    z.B. für Ex-Exilierten, Zeugen, nicht Katholiken,etc. in Argentinien, werden die Menschen “inter morior” umgebracht.
    So zu sagen, Salonfähig. Sie finden keine Arbeit, oder werden als Verbrecher verleumdet.

    Förderung eines Systems von Zwangsarbeit oder Versklavung kommt dazu, mit der hohen Schwarzarbeitquote etwa 35% in Argentinien, damit keiner Anzeige erstatten kann, während einige wenige sich bereichern.
    Z. B. in der Provinz Santa Fe ist die Bevölkerung 2010 etwa 3.285.170
    08/2010 Es gibt 40% Schwarzarbeit.
    08/2010 Santa Fe Erwerbspersonen etwa 1.400.000, daraus folgt, das 0,4×1.400.000=560.000 Erwerbstätige ohne Krankenkasse und ohne gesetzliche Rente, in der ilegalität leben.
    Dies bedeutet wieder, wenn eine Familie in der Statistikrechnung aus 4 Mitgliedern besteht, Vater+Mutter+2 Kinder, daß ungefähr 4×560.000=2.240.000 Bürger,” % der Bevölkerung von Santa Fe”, in der Ilegalität leben. Wenn wir annehmen, daß beide Eltern schwarz arbeiten, dann sind es nur 1.120.000 Menschen. Und wieviele Familien ziehen an den Fäden der Marionetten?
    Diese Menschen sind passive Verbrecher “wie passive Raucher”, die dem aktiven Verbrecher gehorchen müssen, wenn sie nicht auf der Strasse landen wollen.
    Sie können niemanden anzeigen, ohne selbst angezeigt zu werden. D.h., daß sie die Sicherung dieses undemokratischen, faschistischen, demozidischen Gesellschaftssystem sind, mit der sich einige zivil-militärische Banden bereichern, währned sie den Anschein einer Demokratie bewahren.
    Angeblich regieren jetzt die Sozialisten “Binner” in Santa Fe, aber die Basis der Sozialisten ist das Proletariat. Und was tut Binner gegen die Schwarzarbeit? Daraus folgt, daß Binner und die Sozialisten aus Santa Fe nur eine Tarnung sind, genauso wie die Kirchner, die so tun sollen als ob sie Linke währen. In Wirklichkeit regieren die fasci Italiener wie De Vido, Giorgi, Admiral E. E. Massera und Gral R. Bendini, Propaganda-due, wie Silvio Berlusconi, aus dem Gefängnis heraus, zusammen mit den italienischen US-Amerikanern Bush und Chile Familie Pinochet, etc..

    Den Tod verursachen aufgrund einer vorsätzlichen oder bewusst rücksichtslosen oder fahrlässigen Missachtung von Leben (konstitutiv für Vorsatz qua Praxis), ist inArgentinien so normal, daß einige Arbeiter streiken in dem sie nach Vorschrift arbeiten.

    Auch die Unterstützung oder Duldung von Mord, Vergewaltigung, Plünderung oder Brandschatzung mit Todesfolge, sind in Argentinien normal.
    Noch mehr, bis nicht Blut vergossen wird, tut die Autorität meistens nichts.
    Den die Leute sollen dressiert werden: “Wenn du deine Rechte geltend machen willst, du dich beklagen willst, du Anzeige erstatten willst, oder die Autorität in Frage stellen willst, dann wird nichts geschehen bis jemand stirbt oder Blut vergossen wird, d.h. du wirst für den unschuldigen tot eines anderen Menschen verantwortlich sein. Und Außerdem muß du mit der Vergeltung der Autorität rechnen. Und wenn man bedenkt, daß es zivil-militärische Banden sind. . .
    Und dies will niemand. Also besser keine Anzeige erstatten, die Autorität nicht in Frage stellen, besser sich nicht beklagen und nicht versuchen seine Rechte geltend zu machen.

    Und da wir ncht genug haben. . ., nach paragraph 19. des Eralsses 1759/72 (T.O. 1991), muß man für einige Gerichts-Ermittlungs-verfahren und andere Verfahren, Anschrift in der Hauptstadt haben, was natürlich den paragraph 8 des argentinischen Grundgesetzes widerspricht, und vielen Bürger die nicht in der Hauptstadt wohnen, die Möglichkeit nimmt ein verfahren einzuleiten.
    So z.B. muß der Bürger, um einige Verfahren im Ministerium für Juztiz und Menschenrechte einzuleiten, eine Anschrift in der Hauptstadt haben.

    Es geht also nicht nur um Frieden, sondern auch um eine demokratische Re-Organization der Gesellschaft nach dem Zivilkrieg oder Genozid, die uns erlaubt die Menschenrechte zu achten und achten zu zwingen.

    Und warum tuen die US-amerikaner in Argentinien nichts dagegen?
    Sind sie die Bosse dieser Banden?
    Warum tut die International Criminal Court in Argentinien nichts?
    Weil einer der Ermittlungsrichter, L. M. Ocampo, argentinier ist?
    Oder weil die Verbrecher und Ocampo Katholiken sind?

    .-.-.-.
    “fettdruck und großbuchstaben?” * " . . . " * zusammen

    Quelle:
    http://de.wikipedia.org/wiki/Santa_Fe_%28Provinz%29
    http://www.agenciafe.com.ar/noticia/articulo/140398/Admitieron_que_aun_hay_un_40_por_ciento_de_trabajo_en_negro.html
    http://es.wikipedia.org/wiki/Provincia_de_Santa_Fe
    http://www.boletinsantafesino.com.ar/noticia.php?subaction=showfull&id=1282153471&archive=&start_from=&ucat=34

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