Ein Buch über Twitter im Regal ist wie ein Foto vom Wagenheber im Kofferraum. Sascha Lobo

„Ich würde alles wieder ganz genauso machen“

Verkehrsminister Peter Ramsauer wird vor allem von den Fluggesellschaften hart angegangen. Es gäbe keine konkreten Hinweise auf Gefährdung. Den CSU-Politiker interessiert die Kritik nicht. Für ihn steht die Sicherheit der Passagiere im Vordergrund. Und die gaben ihm in Umfragen zuletzt recht, sagt er.

The European: Herr Minister, die Aschewolke hat sich verzogen – welche Erkenntnisse bleiben für Sie nach der knappen Woche ohne Flugverkehr?
Ramsauer: Sicherheit stand zu jeder Zeit an oberster Stelle. Nach diesem Prinzip habe ich gehandelt. Das war absolut richtig und alternativlos. In der Rückschau bleibt auch die persönliche Erkenntnis, dass diese Tage zu den intensivsten meines bisherigen politischen Lebens zählen.

Alle Beteiligten mussten Neuland betreten

The European: Würden Sie Ihre Entscheidung, den Luftraum so lange zu sperren, wieder so treffen?
Ramsauer: Wir haben ja nicht den Luftraum komplett gesperrt, sondern der Situation angepasst geschlossen und geöffnet. Unser Ziel war es, schrittweise zu einer Normalisierung der Lage zu kommen. Zu Ihrer Frage: Ja, ich würde alles wieder ganz genauso machen. Als Bundesverkehrsminister trage ich Verantwortung für die Sicherheit im Luftverkehr. Wir waren mit einer Situation konfrontiert, die wir in Europa bislang noch nicht erlebt hatten. Alle Beteiligten – national wie auch international – mussten Neuland betreten. Es handelte sich um ein historisch erstmaliges Phänomen und damit auch eine erstmalige Herausforderung.

The European: Glauben Sie, die Fluggesellschaften werden mit ihrer Forderung nach Schadensersatz Erfolg haben?
Ramsauer: Noch ist keine Fluggesellschaft mit solchen Forderungen an uns herangetreten. Es ist auch nicht meine Aufgabe, hier eine Rechtsberatung vorzunehmen. Für mich stehen vor allem die Fragen nach einem sicheren Flugbetrieb bei künftigen Vorfällen im Vordergrund. Wir brauchen schnellstmöglich ein besseres System zur Messung der Ausbreitung und der Konzentration von Vulkanasche in der Luft. Und wir brauchen rasch international einheitliche, verbindliche Grenzwerte. Wir müssen wissen, wann geflogen werden darf und wann nicht. Nur so kann man einschätzen, wie hoch die Gefahr für Triebwerke und Flugzeuge ist.

2012 wird ein funktionaler Luftraumblock über Zentraleuropa eingerichtet

The European: Die Fluggesellschaften wünschen sich einen einheitlichen europäischen Luftraum. Wird das Aschewolken-Ereignis die Schaffung desselben beschleunigen?
Ramsauer: Wir kommen dem einheitlichen europäischen Luftraum ja schon Schritt für Schritt näher. Es ist bereits verabredet, dass bis 2012 ein funktionaler Luftraumblock über Zentraleuropa eingerichtet wird. Deutschland, Frankreich, Österreich, Schweiz und die Benelux-Staaten werden enger kooperieren und ihre jeweiligen Regelungen miteinander abstimmen.

The European: Manch einer schrieb, dass die Aschewolke die Bevölkerung zum ersten Mal seit Langem daran erinnert habe, dass es einen Verkehrsminister gibt – hat Sie das geärgert?
Ramsauer: Solche Äußerungen sind mir nicht bekannt. Tatsache ist: Ich habe von vielen Menschen Zuspruch erfahren. Auch das “ZDF Politbarometer” hat repräsentativ festgestellt, dass 78 Prozent der Deutschen die ergriffenen Maßnahmen genau richtig fanden. Darüber hinaus gilt: Ich bemühe mich seit dem ersten Tag, diesem Amt das Gewicht zu verleihen, das es verdient. Wir haben den größten Investitionsetat aller Bundesministerien. Knapp 15 Milliarden Euro geben wir jedes Jahr für bessere Verkehrswege, besseres Wohnen und Bauen sowie lebenswertere Städte aus.

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