Ich bin nicht der oberste Techniker der Nation. Wolfgang Schäuble

Das „neue Zuhause“ für deutsches Gold

Nur rund ein Drittel des Bundesbank-Golds lagert in Deutschland, der Rest in New York, London und Paris. Entweder gelingt es der Bundesbank, diese Bestände effektiv zu kontrollieren, oder das Gold muss nach Deutschland geholt werden. Ein Kommentar von Dr. Peter Gauweiler (CSU) und Philipp Mißfelder (CDU).

Ende Februar 2015 veröffentlichte die Deutsche Bundesbank ein eher ungewöhnliches Video auf ihrer Homepage. Unter dem Titel „Die deutschen Goldreserven“ kam ein etwa zehnjähriger rothaariger Junge zu Wort, der über seine Beziehung zum Thema Gold sprechen durfte: „Es ist selten und viel Geld wert“, so seine einfache und doch sehr zutreffende Einschätzung.

Warum dieser für die altehrwürdige Deutsche Bundesbank eher ungewöhnliche Film über dieses Thema? Die Bundesbank gibt selbst Antwort: „Mit diesem Film informieren wir die Öffentlichkeit auf leichte und unterhaltsame Art über das Thema Gold. Wir erklären in verständlicher Form, wie wir unseren Auftrag erfüllen, die Goldreserven zu verwalten. Wir leisten damit einen weiteren Beitrag zur Transparenz.“ Um ebendiese Transparenz war es nicht immer gut bestellt.

Die Haltung und Verwaltung der deutschen Währungsreserven obliegt laut Artikel 127 des Lissabon-Vertrags und Paragraf 3 des deutschen Bundesbankgesetzes der Deutschen Bundesbank. Ganz banal bedeutet dies: Die Bundesbank muss wissen, wie viel Gold sie besitzt und wo es liegt. Dies setzt eine regelmäßige Überprüfung der bestehenden Goldbestände – auch derer im Ausland – voraus.

Rückführung der deutschen Goldreserven

Die Bundesbank hat jedoch jahrelang bei der Bilanzierung der im Ausland gelagerten Goldreserven gegen die Grundsätze ordnungsgemäßer Buchführung verstoßen, denn sie hat nicht zwischen physischen Goldbeständen und sogenannten Goldforderungen unterschieden. Zudem ist sie ein erhebliches Qualitätsrisiko eingegangen, da sie auf regelmäßige Kontrollzählung und Qualitätskontrolle der Reserven im Ausland verzichtet hat. Dies ist das Ergebnis einer von den Verfassern dieses Artikels veranlassten Überprüfung durch den Bundesrechnungshof im Herbst 2012.

Diese Kritik des Bundesrechnungshofes und der Presse, unter anderem der „Bild“-Zeitung, haben die Deutsche Bundesbank an ihre Pflichten erinnert und sie zu einer ersten Transparenzoffensive veranlasst: So hat sie im Januar 2013 mit ihrem Lagerstellenkonzept einen wichtigen Schritt zur Rückholung der deutschen Goldreserven getan.

In ihrer neunzehnseitigen Präsentation gibt die Bundesbank den deutschen Goldbestand mit 3.391 Tonnen an. Lediglich 1.036 Tonnen – gerade einmal 31 Prozent – davon lagerten zu diesem Zeitpunkt in den Tresoren in Frankfurt. 2.355 Tonnen des deutschen Goldes befanden sich im Ausland – in New York, London und Paris.

In der Presseerklärung der Bundesbank heißt es: „Die Deutsche Bundesbank wird ab 2020 die Hälfte der deutschen Goldreserven in eigenen Tresoren im Inland lagern. Die andere Hälfte verbleibt bei Partnernotenbanken in New York und London. Bis 2020 wird die Bundesbank dazu schrittweise 300 Tonnen Gold von New York nach Frankfurt am Main sowie 374 Tonnen Gold von Paris nach Frankfurt am Main verlagern.“

Als Erklärung für diesen Schritt werden im Video das Ende des Kalten Krieges sowie die Währungsunion der Euro-Staaten angeführt. Ein Vierteljahrhundert nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion und mehr als ein Jahrzehnt nach Einführung des Euro scheinen die Beweggründe zwar etwas veraltet, aber die Schlussfolgerungen – die Rückführung der deutschen Goldreserven – nicht weniger begrüßenswert.

Die Bundesbank ist in der Pflicht

Mitte Januar dieses Jahres berichteten die „ARD-Tagesthemen“ vom Fortschritt bei der Umsetzung des Lagerstellenkonzepts: Aus Paris und New York seien bislang 160 Tonnen nach Deutschland verlagert worden. Damit lagerten derzeit rund 1200 Tonnen in Deutschland. Bis 2020 bleibt somit noch einiges zu tun.

Richtigerweise weist die Börsen-Expertin der ARD in ihrem Beitrag darauf hin, dass gerade in Zeiten der Geldschwemme durch die EZB und der Angst vor einer dauerhaften Aufweichung des Euro das Interesse an dem „Krisen-Metall“ Gold steigt.

Eine Begründung für die Haltung von Gold durch Notenbanken hatte auch die Bundesbank in der Präsentation ihres Lagerstellenkonzepts geliefert: Vertrauensbildung. Lange hatte die Deutsche Bundesbank mit dieser Maßnahme zur Vertrauensbildung gewartet. Nun gilt es, dass die Bundesbank sich dieses Vertrauens als würdig erweist und ihre Planungen zur Rückführung des deutschen Goldes zügig umsetzt.

In ihrem Video führt die Bundesbank Bedenken bezüglich der Kosten, Versicherungen und der Sicherheit bei der Überführung des Goldes nach Deutschland an. Das stetige Verweisen auf den „logistischen Kraftakt“ führt jedoch lediglich zu Spekulationen, ob nicht andere Gründe für die zaghafte Rückführung des Goldes vorliegen. Um diese zu widerlegen, sollte die Bundesbank aufhören, sich hinter Entschuldigungen zu verstecken.

Mit der Rückholung eines Teils des deutschen Goldes ist es jedoch nicht getan. Die verbleibenden Bestände in New York und London müssen nun endlich nach geltenden Vorschriften regelmäßig kontrolliert werden. Sollte dies nicht möglich sein, müssen auch diese Bestände vollständig nach Deutschland geholt werden. Hier ist die Bundesbank in der Pflicht, ebenfalls für Transparenz zu sorgen. Ein unterhaltsames Informationsvideo reicht hier nicht aus, sondern die Anwendung der Regeln genügt.

Lesen Sie weitere Meinungen aus dieser Debatte von: The European, Steffen Meyer, Emanuel Richter.

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