Links bedeutet für mich heute, dass man sich für soziale Gerechtigkeit einsetzt. Michael Hartmann

Gruppentherapie

Das Festhalten Irans an seinem Atomprogramm dient einer Politik der Abschreckung. Erst wenn Sanktionen mit einem Dialog verknüpft werden, kann der Konflikt sinnvoll bearbeitet werden. Denn: Teheran hat durchaus das Interesse, mit den Amerikanern ins Geschäft zu kommen.

Im Nahen Osten gibt es viele Länder, die vermuten, dass hinter dem iranischen Atomprogramm mehr als nur der Wunsch nach ziviler Nutzung steckt. Wie weit der Iran jedoch gehen würde, darüber herrscht, ähnlich wie unter westlichen Geheimdiensten, Uneinigkeit. Die Mehrheit jedoch vermutet, dass das Regime in Teheran zumindest die Möglichkeit eines militärischen Nutzens erlangen will – die Bombe selbst müsste dazu aber nicht gebaut werden. Ein ähnliches Vorgehen wie Nordkorea, also Bau und Test einer Atombombe, würde gegen den Nichtverbreitungspakt verstoßen, der Iran würde sich damit international ins Unrecht setzen. Auf diese Weise profitiert das Land von der Situation, weil der Westen und insbesondere der Sicherheitsrat die Rechte Teherans einzuschränken sucht.

Der Iran baut ein Drohpotenzial auf

Für Israel ist ein solch taktisches Vorgehen jedoch nicht weniger bedrohlich. Denn: Im Zweifelsfall könnte der letzte Schritt, die tatsächliche Montage einer Bombe, innerhalb weniger Wochen erfolgen. Der Iran baut auf diese Weise ein Drohpotenzial auf, das alle seine Nachbarländer sorgt. Mit diesem Wissen in der Hinterhand kann der Iran weiter die Hisbollah im Libanon mit Raketen versorgen oder Druck auf die Politik von Kuwait oder Bahrain ausüben. Die iranische Politik sagt ganz eindeutig: Wenn es ernst wird, können wir mit Pakistan oder Israel gleichziehen.

Doch es gibt Auswege aus dieser verfahrenen Situation. Sanktionen allein bewirken nur wenig, wenn es nicht gleichzeitig einen Dialog gibt – zur Lösung bedarf es also mehr als einer Partei. Die Entscheidung des Sicherheitsrats, wieder Gespräche zu führen, ist der richtige Weg. Interessant ist, dass die verhängten Sanktionen die iranische Seite nicht zu einem Abbruch des Dialogs bewogen haben, sondern im Gegenteil ein Festhalten an der bestehenden Kommunikation bewirkten. Der Iran will auch weiterhin mit der Türkei und Brasilien über einen Forschungsreaktor verhandeln und an den Gesprächen der Sechsergruppe teilnehmen.

Ahmadinedschad will irgendwie mit den Amerikanern ins Geschäft kommen

Einen großen Beitrag zu dieser Entwicklung lieferte die Geschlossenheit des UN-Sicherheitsrates, in dem sich auch China den Sanktionen gegen Teheran anschloss. Die Furcht vor internationaler Isolation hat auch in der iranischen Gesellschaft ihre Spuren hinterlassen und die Regierung starken Zwängen ausgesetzt. Der erzkonservative Präsident Ahmadinedschad will irgendwie mit den Amerikanern ins Geschäft kommen, weil er weiß, wie viel innenpolitische Zustimmung ihm dies brächte.

Dieser Wunsch nach einem Verbleib in der internationalen Staatengemeinschaft kann der Schlüssel zur Lösung des Konflikts sein. Die Iraner wollen lieber eine Regierung, die Brücken baut, als eine, die sie nur einreißt. Wenn man hier ansetzt, können neben dem Atomprogramm auch Probleme wie der Drogenhandel aus Afghanistan oder Piraterie im Golf von Aden oder im Indischen Ozean auf einmal angesprochen werden. Es gibt genügend gemeinsame Interessen, darüber muss nun verhandelt werden.

Dieser Kommentar entstand aus einem Gesprächsmitschnitt

Leserbriefe

  • Theeuropean-placeholder
    Jiggy – 06.08.2010 - 17:26

    is klar..

    Wie kann man ein solches Regime nur gut heissen ? Platz 2 der Menschenrechtsverletzungen in der Welt, antike Gesetzgebung, kontroverse Weltanschauung…Ich red von dem Regime und nicht von der Bevölkerung, die Mullahs müssen weg, Sie haben das land 50 Jahre zurückgeworfen und verseuchen die Jugend bewusst mit Opium. Alle Mullahs gehören hingerichtet und nicht die oppositionellen.

  • Theeuropean-placeholder
    fariborsm – 06.08.2010 - 20:26

    Wie kann man ein solches Regime nur gut heissen ?
    ja, wie? Kann sein, dass wenn man die Realitäten wahrnimmt und Fremden – US hörigkei ablegt? Natürlich auch dann muss man ein solches Regim nicht gut zu heissen. Aber auch nicht seinen Hass und Neid, geschürrt durch unbefriedigtem Gier – weil solch ein regim nichts mehr um sonst her gibt wie eh und je – freien Lauf lässt, mal mit Embargo ein anders mal mit atomarem Übergriff droht. Es wäre strebenswert, wenn wir – D – unser eigens Regim gut heissen könnten. aber können wir das?.Wie gut das Mullah-Regim dort unten am Persergplf ist, wird Jedem von uns klar, wenn der nächste Winter kommt und Erdöl und Erdgaslieferungen aus bleiben. wir werden – garantiert – von unseren Freunden, deren regim wir gezwungenermassen gut heissen keinen Ersatz bekommen. Denn sie werden selbst keines haben.

  • Theeuropean-placeholder
    fariborsm – 06.08.2010 - 20:12

    Eine Umfrage unter der Bevölkerung von sechs arabischen Ländern offenbart Enttäuschung und wenig Verständnis für die amerikanische Nahost-Politik. Allein, ich denke Iran ist nicht auf A-Bombe erpicht. Fakt ist: Die Völker der Islamisch-Arabischen- Welt wünschen, sie wären Iraner, wollen, dass ihr land sowie Iran wird.

  • Theeuropean-placeholder
    Manfred K. – 06.08.2010 - 20:48

    Entweder die Iraner finden selbst im Iran eine breite Mehrheit (und die Kraft) einen Regimewechsel herbeizuführen, oder sie wollen keinen Regimewechsel. Vielleicht möchten sie nur eine Reform wie der Moussavi ihn wollte. Denn die Iraner haben schon mehrfach gesehen, was es bedeutet wenn der Westen seine Demokratie in dieser Gegend “exportieren” will. Ich glaube kaum dass sie darauf scharf sind ein zweites Irak oder Afghanistan zu werden. Ob nun Regimegegner oder nicht. Von einigen Exil-Iranern denen alles egal ist mal abgesehen. Sie leben ja auch nicht im Iran. Man sollte mal eine Umfrage im Iran machen und nicht immer auf diese Propaganda von diesen sogenannten Oppositionellen (MKO – Terrororganisation die nun Salonfähig geworden ist) hören.

  • Theeuropean-placeholder
    arn – 06.08.2010 - 21:26

    @ Manfred K.
    Ich bin selbst auch Exiliraner, aber wo Sie recht haben, haben Sie einfach Recht!!!
    Ich weis das die meisten Exiliraner Schahanhänger sind welche das land Fluchtartig verlassen müssten weil diese selbst (mit und durch den SAVAK (ehemaliger Iranischer Geheimdienst)) ermordet und abgezockt haben, also landesverat, Brudermord usw… Daher ist es auch nicht unverständlich dass gerade diese (ehemaligen Terroristen) momentan (entschuldigen Sie meine Ausdrucksweise) den MAUL AUFREISSEN.

    Die einzigen die dieses Regim stürzen könnten und/oder sollten wären die im Iran lebenden Iraner und nicht irgendwelche entflohenen die ausserhalb des Boxrings den Boxern zujubeln.

  • Theeuropean-placeholder
    Ihr Name – 12.08.2010 - 18:05

    @ Jiggy,
    „Alle Mullahs gehören hingerichtet“
    So geistvoll kann nur einer reden, welcher keine Argumente hat, und das sind im Allgemeinen Angehörige von denen welche täglich Menschenrechtsverletzungen vollziehen. Steine werfende Kinder erschießen ist da noch das wenigste.
    @ Manfred K.
    „Ich bin selbst auch Exiliraner“ und wer soll das glauben?
    „Die einzigen die dieses Regim stürzen könnten und/oder sollten wären die im Iran lebenden Iraner“.
    Und warum sollten sie daß? Sie haben es doch erst mit großer Mehrheit wieder gewählt!
    Nicht die Atombombe macht ihn Ahmedinejad zur Gefahr für die Juden, welche lieber Heute als (man denke an das Massaker von Sabra und Schatilla) Morgen mit ihren Schildknechten den Amis ( Wir, die Juden, kontrollieren Amerika, und die Amerikaner wissen das." (Ariel Sharon zu seinem Außenminister Peres) einmarschieren (plattbomben) würden, man denke an . Ahmedinejad hat eine Diskussion über den Holocaust in Bewegung gebracht, daß könnte bei der Erkenntnis das es den gar nicht gegeben hat, der finanzielle Ruin für die zionistischen Juden sein und sie müßten dann die Türe hinter sich und Palästina zu machen. Ich bin gespannt welchen 9/11 sie sich einfallen lassen um Ahmedinejad zu hängen.
    Für den Fall, daß sich USrael für einen Terrorüberfall auf den Iran entschließen sollte, wird Teheran mit nicht zu lokalisierenden Raketenwerfen die “Straße von Hormuz” in ein kochendes Meer verwandeln und die US-Armada darin versinken. Sobald die “Straße von Horzmuz” von den Iranern mit versenkten US-Schiffswracks geschlossen ist, gehen in Europa die Lichter aus, da dieser Seeweg der einzige Zugang zur Energieversorgung des Westens.
    Das könnte uns vielleicht helfen uns von unseren Befreiern zu befreien und rechtstaatlich zu werden.
    Also ihr Juden heizt das Feuer an es könnte uns wärmen. Ahmedinejad wir danken Dir.

  • Theeuropean-placeholder
    Ralf Köhl – 07.08.2010 - 11:52

    Betrachten wir Ahmedinejad mal nicht als denn Hetzer,wie es uns die USA und ihre Wasallen gerne glauben machen wollen, sondern mal als einen hochintelligenten Visionär.Die USA und auch Europa, handeln und verschwenden das Erdöl als gäbe es unendliche Reseven die nur gefördert werden müssen.Sie werfen dem Iran vor nicht genug Erdöl auf den Markt zu bringen und bezeichnen dies als Erpressung.Die westlichen Industrienationen sind zum Erhalt ihres Reichtums und dem Lebensstil auf Pump auf dieses Erdöl angewiesen.Weigern sich aber auch andere Energieformen zu Fördern.Der kleine Iraner ist da viel schlauer.Warum soll er iranisches Erdöl auf den Weltmarkt bringen, es verschwenden wenn dieses Öl die Zukunft seines Landes sichert.Es reicht ihm doch nur so viel zu verkaufen wie er Geld benötigt.Er will die erste islamischen Industrienation.Dies gilt es von Seiten der USA und Europa mit allen Mitteln zu verhindern.Das sich Ahmedinejad dazu des Islams bedient, ist verständlich weil nur der Islam sein Volk eint, darauf kann er sich zu 100% verlassen.Seit Jahren lässt der Iran Fachkräfte an westlichen Universitäten ausbilden die die Voraussetzung für seine Visionen sind. Er braucht aber auch die Technik, nur die wird ihm in Form von Sanktionen verweigert.Er steckt in der Zwickmühle.Um das Volk hinter sich zu bringen muss er den Islam in den Vordergrund bringen, das geht am schnellsten und sichersten mit dem Feindbild der Ungläubigen. Dies aber nutzt der Westen um seinerseits auf den Iran und den Islam einzuprügeln und Sanktionen zu fordern mit dem Hinweis der Iran würde die Technik zu Kriegszwecken missbrauchen.Russland und China, 2 angehende Industrienationen hätten den Sanktionen nach jahrelanger Weigerung jetzt nicht zugestimmt, würden sie den Iran nicht als künftigen Konkurenten betrachten.Man sieht es an Afrika und in der Arabischen Welt, das aufkommende Industrieländer und Länder mit Rohstoffen von Westen unterdrückt oder bekämpft werden.

  • Theeuropean-placeholder
    Einfach Köhlich – 08.08.2010 - 12:51

    “Betrachten wir Ahmedinejad mal nicht als denn Hetzer,wie es uns die USA und ihre Wasallen gerne glauben machen wollen, sondern mal als einen hochintelligenten Visionär.”

    Gute Nummer! :-)

    Herr Ralf Köhl, Sie spielen hier ein durchschaubares Spiel, und Ihr Name ist so Deutsch wie Sie es nicht sind und sich auch nicht ausdrücken können. Glauben Sie wirklich man würde Ihre peinlichen Beschönigungen, Verleugnungen und Ihre Demagogik hier ernst nehmen? Mein Tip an Sie: Verfeinern Sie Ihre Taqqiya, So ist Ihre Lügnerei einfach zu plump.

    http://en.wikipedia.org/wiki/Taqiyya

  • Theeuropean-placeholder
    Ralf Köhl – 08.08.2010 - 14:13

    Ja ja, es ist schwer, logischesDenken passt eben nicht zu Boxershorts mit Sternenbanner und Shirts mit blauen Stern. Lesen sie weiter die Meinungsmachepresse und vertrauen sie weiterhin darauf das der grosse Bruder Uncle Sam , der selbsternannte Weltsheriff ihr Leben regelt.Ein kleiner Hinweis noch, ich dürfte deutscher sein als ihre Kinder.

Aus der Debatte

Atomare Bedrohung

Plädoyer für eine andere Iranpolitik

125675193 4

Westliche Antworten auf das iranische Atomprogramm drehen sich im Kreise. Dabei gibt es realistische Lösungswege – sie sind nur äußerst unpopulär.

Simon_koschut
von Simon Koschut
16.11.2011

Irans Atomprogramm

Drugsnuclearweapons

Die letzten Zweifel sind vom Tisch: Iran baut an einer Atombombe. Die Welt steht vor einem klassischen Dilemma.

Thraenert
von Oliver Thränert
09.11.2011

Iran und der Nahe Osten

Iranmapso 13

"Der Iran wird die Bombe bauen", prophezeit Bestsellerautor Samuel Huntington. Statusdenken, die Politik Israels und seiner US-Verbündeten sind gute Gründe weiter...

Fliegauf
von Mark T. Fliegauf
03.08.2010

Mehr zum Thema: Iran, Usa, Sanktion

Kolumne

Kolumne

meistgelesen / meistkommentiert