Demnächst wird die Gleichstellungsrichtlinie erzwingen, dass der nächste Bundeskanzler eine Frau wird. Edmund Stoiber

Sicherheit statt Slum

An zu vielen Orten werden Menschen von schwachen oder verfehlten rechtlichen Rahmenbedingungen behindert. Wenn es ihnen möglich wäre, dorthin zu gehen, wo ein besserer Rechtsrahmen herrscht, könnten sie ihr Leben verbessern und durch eigenes Handeln viel zur Reduktion der globalen Armut beitragen.

Elektrizität war in Haiti schon vor dem Erdbeben teuer, da ineffektive Regeln es privaten Firmen am Markt schwer gemacht haben. Die Ineffektivität der Polizei förderte Kriminalität. Firmen, die Haitianer anstellen hätten wollen, gingen daher nicht nach Haiti. Firmen, die Haitianer beschäftigten, verließen das Land. Im Ergebnis kann ein Arbeiter sein Einkommen um den Faktor 7 steigern, indem er von Haiti in die USA geht.

Gallup hat herausgefunden, dass 700 Millionen Menschen gerne dauerhaft auswandern würden, wenn sie die Möglichkeit dazu hätten. Sie tun es deshalb nicht, weil die Bevölkerungen der Zielländer Masseneinwanderung meist ablehnen. Charter Cities böten eine Möglichkeit, zeitnah jenen zu helfen, die gerne in einem Rechtsrahmen leben würden, der es ihnen ermöglicht, ihre Kinder zur Schule zu schicken, der die Sicherheit ihrer Familie gewährleistet und es ihnen ermöglicht, zu einem Lohn zu arbeiten, der den Wert ihrer Arbeit anerkennt.

Es gibt drei spezifische Rollen: Gastgeber, Quelle und Bürge

Eine Charter City nimmt ihren Anfang mit einem unbewohnten und freiwillig zur Verfügung gestellten Stück Land, welches groß genug ist, einer Stadt Platz zu bieten. Eine Charta legt die Regeln fest, die fortan in der neuen Region gelten sollen, und garantiert die freie Ein- und Ausreise. Die Menschen, Arbeitgeber und Investoren werden dann folgen, angezogen von der Chance, unter den Regeln der Charta zusammenarbeiten zu können.

Es gibt drei spezifische Rollen für die beteiligten Staaten: Gastgeber, Quelle und Bürge. Das Land wird durch den Gastgeber zur Verfügung gestellt. Die Bürger kommen aus dem Quellland. Die Garantie, dass die in der Charta festgelegten Regeln und Gesetze durchgesetzt werden, wird vom Bürge-Staat gegeben.

Ein Land wie Indien könnte beispielsweise alle drei dieser Rollen zugleich übernehmen, analog zu Chinas Sonderwirtschaftszonen. Neben den Bemühungen, in bestehenden Städten neue Regeln zu etablieren, könnten neue Städte eine echte Chance bieten.

Auch entwickelte Länder wie etwa Deutschland könnten als Bürge auftreten

Kenias Regierung könnte ebenfalls eine neue Küstenstadt als Charter City gründen. Kenia wäre dabei Gastgeber und Quellland. Angesichts der jüngsten politischen Unruhen würde ein anderes Land als Bürge für den neuen Rechtsrahmen einstehen. Ein guter Partner wäre hier beispielsweise Mauritius – ebenfalls ein afrikanisches Land mit Erfahrung im Management von eigenen Sonderwirtschaftszonen. Auch entwickelte Länder wie etwa Deutschland könnten allein oder in Zusammenarbeit mit anderen als Bürge auftreten. Wichtig ist, dass die Bürgen glaubhaft machen können, dass die neuen gesetzlichen Regeln auf Jahrzehnte hinaus Bestand haben werden. Dies würde unmittelbar private Investitionen nach sich ziehen und den Ausbau der Infrastruktur vorantreiben. Jenseits der Rolle des Bürgen könnten andere Länder zudem Unterstützung beim Aufbau in Form von organisatorischer und technischer Expertise gewähren.

Dies sind nur einige von vielen Möglichkeiten. Die Vereinten Nationen schätzen, dass drei Milliarden Menschen im Laufe der nächsten Jahrzehnte vom Land in die Städte ziehen werden. Die Frage ist dabei nicht ob, sondern wo und unter welchen Bedingungen. Gegenwärtig erwarten sie dort die Slums. Aber es gibt eine Alternative. Unser Planet hat Platz für Dutzende, wenn nicht Hunderte Charter Cities. Ob im Alleingang oder mit internationalen Partnern: Charter Cities können Millionen von Menschen Zugang zu besseren Lebensbedingungen bieten.

Dieser Text enstand in Zusammenarbeit mit meinem Mitarbeiter Brandon Fuller.

Leserbriefe

  • Theeuropean-placeholder
    Robert Rode – 22.03.2010 - 20:20

    Paul Romer und andere Anhänger dieser Denkweise sollten aufhören, Lösungen für äußerst komplexe Probleme am Reißbrett zu entwerfen. Sicherlich erscheint die Erfahrung Hong Kongs und Chinas sehr attraktiv. Allerdings kam dies nur unter einzigartigen Gegebenheiten zustande und kann nicht ohne weiteres mit einem one-size-fits-all-Denken auf andere ganz unterschiedliche Länder übertragen werden. Richtig ist, dass wir hinsichtlich der Migrationsbewegungen in diesem Jahrhundert vor riesigen Herausforderungen stehen. Nur muss versucht werden, dieser Realität mit ganzheitlichen Ansätzen zu begegnen, anstatt nur einzelne Symptome zu behandeln.

  • Theeuropean-placeholder
    lukasz – 29.03.2010 - 14:53

    hört sich nach einer coolen idee an. gibt es sowwas schon iurgendwo oder ist das eine reine ‘modellidee’?

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