Dass Kondome eine eklige Angelegenheit sind, sowohl in erotischer, ästhetischer, taktiler, kulinarischer oder welcher Hinsicht auch immer, muss hier nicht vertieft werden. Das weiß jeder Mann und jede Frau. Dazu muss man nicht einmal auf einer dieser gefüllten Scheußlichkeiten ausgerutscht sein. Dass zweitens das Überstreifen eines “Parisers” über einen erigierten Penis mitten im Liebesakt – und zwar allen falschen Werbe- oder Heilsversprechen zum Trotz (wie “gefühlsecht”, “Himbeergeschmack”, “geschützter Verkehr” et cetera et cetera) ein existenzieller Schritt human-kreatürlicher Entfremdung ist, auch darüber soll hier kein weiteres Wort verloren werden.
Ohne ist immer schöner
Besser und schöner ist der Geschlechtsverkehr jedenfalls immer ohne dieses Scheißgummi, am besten und “sichersten” mit dem eigenen Ehemann und der eigenen Ehefrau – sofern die beiden treu sind. Dies ist in etwa, wenn ich da nichts falsch verstanden habe, grosso modo das, was auch die katholische Kirche lehrt und worauf die Päpste seit Jahrzehnten mit bewundernswerter Sturheit gegen alle wechselnden Wellen des Zeitgeists beharren – und inzwischen auch gegen eine immer übermächtigere Lobby der Kondompolizei, die schon einen internationalen Haftbefehl gegen Benedikt XVI. ausstellen wollte, weil er im März 2009 auf seinem Flug nach Kamerun gewagt hatte zu sagen, “dass man das Aidsproblem nicht allein mit Werbeslogans oder mit der Verteilung von Präservativen bewältigen” könne.
Volkshygienisch ist diese Auffassung sinnvoll, wie die Statistiken des afrikanischen Beispiels zeigen, wo es etwa in Swasiland (mit 5 Prozent Katholiken in der Bevölkerung) 43 % Aidsinfizierte gibt und in Uganda (mit 36 % Katholiken) nur 4 %. – In Washington D.C., wo Kondome umsonst verteilt werden, ist die Ansteckungsrate inzwischen höher als in Westafrika. Dies vorab. Als kaum realistisch darf danach die Vorstellung von einem Katholiken oder einer Katholikin verstanden werden, der oder die gerade einmal die Ehe bricht und/oder ein Bordell aufsucht und dabei im entscheidenden Moment plötzlich sagt: “Nein, kein Kondom bitte. Ich bin doch katholisch.” Oder welchem Afrikaner auf dem schwarzen Kontinent mag es wohl im entscheidenden Moment in den Sinn kommen zu sagen: “Was, ein Kondom? Um Himmels willen, nein! Der Papst hat es doch verboten.”
Kein Papst kann Kondome verbieten
Diese Vorstellung ist einfach nur irrsinnig. Kondome benutzt jeder und jede, der und die es will. Kein Papst kann das verbieten. Daran kann auch die geballte Wehrkraft ihrer Schweizer Garde nichts ändern. An nichts anderes hat nun auch Papst Benedikt XVI. wieder erinnert, als er in seinem Interviewbuch mit Peter Seewald – auf S. 146. – auf die Selbstverständlichkeit zu sprechen kam. Mit eingeübt gefühlsechtem Entsetzen oder Entzücken hat sich aber dennoch die gesamte Medienwelt wieder zunächst auf diese Beiläufigkeit gestürzt, seit sie am Samstag publik wurde. Bei der Pressekonferenz, in der das aufregende Dialogbuch am Dienstag der Weltöffentlichkeit vorgestellt wurde, herrschte ein Andrang wie seit dem Tod Johannes Paul II. nicht mehr. In großer Mehrzahl konzentrierten sich alle Fragen aber dennoch immer nur auf das kleine Gummi, bis endlich Peter Seewald selbst das Wort dazu ergriff. Stimmt, sagte er, die katholische Kirche stecke in einer großen Krise. Das wisse nun jeder. Auch die Gesellschaft stecke in einer Krise. Wer wisse das nicht? Nun müsse aber auch endlich einmal von der Krise des Journalismus gesprochen werden, wenn die Welt am Abgrund stehe, der Papst wie nie zuvor dazu Auskunft gebe – und seine Kollegen ihn dennoch immer nur neu danach fragten, wie er es mit dem Kondom halte. Dem ist nur noch das Buch selbst hinzuzufügen. Es heißt “Licht der Welt” und wird in jeder Buchhandlung vorrätig sein. Am besten sollte es auch in Apotheken vorrätig sein.
















Lieber Herr Badde, gut gebrüllt. Manchmal hilft nur noch eine verbale Ohrfeige. Vielleicht hift sie bei manchen “Denkern” einfach wieder normal zu denken. Danke.
Endlich sagt es mal einer. Vielen, vielen Dank!
Irgendwann während des Lesens fragte ich mich, wer diesen so treffenden Artikel bloß geschrieben hat – aber dann war mir mal wieder alles klar, lieber Paul Badde! Dankeschön!
Was sich heute jeder Mensch fragen sollte und vor allem anschliessend genau erforschen sollte, sind die Ursachen für die verdrehten Auswüchse unseres sexuellen Verhaltens, das wir überhaupt einen Markt für Kondome geschaffen haben. Wer ist verantwortlich für Ponographie, Perversionen, Entwürdigung unserer Frauen und unmoralischesVerhalten in unserer Gesellschaft ? Das Alte Testament und der Talmud liefern tiefgehende und erschreckende Antworten. Wer regiert Hollywood, dort wo 80 % aller Pornofilme der Welt gedreht werden ? Wer hat zugelassen, das alter Wein in neue Schläuche gefüllt wird ? Und dann wundern wir uns über hilflose Aussagen des Papstes über Kondome, der wie alle seine Vorgänger trunken und vergiftet ist vom alten Wein, und wenn er mal nüchterne Momente hat sieht er wie die Kirche stirbt, weil die Menschen, insbesondere die Christen dringend neue Wein brauchen. Und es gibt ihn, frisch von der Quelle, Jahrgang 2001, rein, aufbauend und belebend. Immer wenn das Alte stirbt hat Gott das Neue schon lange bereitet. Mensch erkenne Dich selbst und Du erkennst Gott sei mit Dir, lieber Leser.
mein lieber herr badde, natürlich kann der papst keine kondome verbieten, er kann auch keine schwulenehen verbieten (oder zwischen katholiken und protestanten), oder kinderarbeit, zwangsprostitution und auch nicht pommes mit mayo – aber er kann ein gesellschaftliches bild mitbestimmen und das tut er zur genüge. da sind die rehabilitierten nazis einer piusbrüderschaft, da ist die erschreckende untätigkeit beim thema kindsmissbrauch (dazu sagt er weit weniger als zu kondomen), da ist die erneute Verschärfung des Dikurses zur Ökumene … und und und – anstatt ihren Papst zu verteidigen, sollten sie ihm zurufen “komm zu den Lebenden”.
ps: und in sachen gummis – der skandal ist dass benedikt sagte, dass kondome das hiv-risiko in afrika nicht nur nicht lösen, sondern es verschärfen. vielleicht schreiben sie ihren text noch mal neu, jetzt wo sie hoffendlich ihren kleinen recherchefehler erkennen.