Er sei nur “ein einfacher Arbeiter im Weinberg des Herrn” – das waren die Worte, mit denen sich Joseph Ratzinger als Benedikt XVI. von der Loggia des Petersdomes aus der Welt vorstellte. Die Predigt beim Requiem seines Vorgängers Johannes Paul II. hatten einige Kommentatoren als Bewerbungsrede des damals 78-Jährigen gewertet. Ratzinger selbst, das gilt als verbürgt, hat sich um das Amt des Petrusnachfolgers nicht gerissen.
Als gelehrt und schüchtern wird Joseph Ratzinger beschrieben. Als Kardinal hat er jeden Tag seinen Spaziergang durch den Borgo Pio gemacht – in einer einfachen Sutane. Weder wirkte er wie ein Panzerkardinal noch sprach er so. Entsprechend groß war die Hoffnung, als er als 264. Nachfolger des Apostels Petrus dessen Stuhl erklomm, dass der weise, alte Herr aus Bayern ein milder und sanfter Kirchenführer werde – ganz anders, als zu jener Zeit, in der er als Präfekt der Glaubenskongregation für die Disziplin in der katholischen Universalkirche sorgen musste. Damals hat er die Mauern der Befreiungstheologen geschleift und die deutschen Bischöfe zum Einlenken bei der Schwangerenkonfliktberatung gezwungen.
Diese Hoffnungen bestätigten sich – allerdings in einer anderen Weise als gewünscht: Der weise Mann mit dem Ring des Fischers ist kein Diplomat. Mit einer Rede in der Universität Regensburg bringt er die gesamte muslimische Welt gegen sich auf. Die Wiedereinführung einer alten Fürbitte, die in der Liturgie des Karfreitages gebetet wird, empört die Juden. Die Rehabilitation des Holocaust-Leugners Williamson, der der ultra-rechtskonversativen Piusbruderschaft angehört, brüskiert jeden Christgläubigen, der halbwegs bei Verstand ist.
Benedikt versteht es aber auch, die Wogen, die er aufwirft, zu glätten: Sein Besuch in der Türkei, der Besuch einer Moschee und das Schwenken der türkischen Fahne, machten ihn zum Helden und Star in der islamischen Welt. In der Causa Williamson entschuldigt sich Benedikt und merkt an, dass bei besserer Recherche – vor allem und auch im Internet – Schaden hätte von der Kirche abgewendet werden können. Es ist ein Moment, in dem sich ein Papst zeigt, der zu lernen bereit ist.
Aus Rom ist zu hören, nicht der Papst selbst sei für die schlechte Kommunikation und Diplomatie verantwortlich, sondern die Berater, die ihn umgeben. Sein Sekretär, Prälat Gänswein, zum Beispiel sei der eigentliche Hardliner hinter dem Pontifex. Der Außenminister des Vatikans, Tarcisio Bertone, kein Gewächs der vatikanischen Diplomatenschule, mache keine gute Figur. In Rom, so befürchten deshalb nicht wenige, werden die Uhren zurückgedreht hinter das Zweite Vatikanische Konzil. So schlimm ist es wahrscheinlich nicht – die Uhren sind “nur” angehalten.