Der Erzähler ist der Herr der Zeit. Rüdiger Safranski

Keine Denkschablonen, sondern offener Diskurs!

„The European“ will keine Denkschablonen bedienen, sondern den offenen Diskurs. Wir leugnen keine Tatsachen, wir kultivieren keine Verschwörungstheorien.

Produktiver Streit ist das Lebenselixier einer funktionierenden demokratischen Gesellschaft. Das Ausblenden von politisch nicht korrekten Themen aus der öffentlichen Debatte und die gouvernemental verordnete „Alternativlosigkeit“ sind Gift für eine res publica, die vom Mitwirken des Volkes lebt. Die Union hat deshalb in den vergangenen beiden Bundestagswahlkämpfen dieser Mitwirkungskultur des Souveräns einen Bärendienst erwiesen, als sie mit der Strategie der asymmetrischen Demobilisierung die Wähler der Konkurrenzparteien in die Wahlabstinenz trieb. Sie hat damit zwar Bundestagswahlen gewonnen, aber gleichzeitig für politische Frustabstinenz gesorgt, die auch den Keim legte für den Aufstieg einer neuen Partei rechts der Union.

Der Souverän ist letztendlich immer das Volk, gerade auch in der repräsentativen Demokratie. Politiker haben in der Demokratie nur geliehene Macht auf Zeit. Das wird von manchen Repräsentanten anscheinend immer wieder vergessen.

Zum notwendigen Meinungsstreit gehört der Respekt vor der anderen Meinung. Wesensmerkmal einer produktiven Debattenkultur ist die intellektuell redliche Argumentation und die Akzeptanz von Fakten. Betroffenheitsrhetorik und ad personam gerichtete Diffamierungs-Unkultur schreit uns fast im Sekundentakt aus dem Netz entgegen. Die Neue Zürcher Zeitung nannte dieses digitale Phänomen neulich „Leben im postfaktischen Zeitalter“.

„The European“ will keine Denkschablonen bedienen, sondern den offenen Diskurs. Wir leugnen keine Tatsachen, wir kultivieren keine Verschwörungstheorien. Wir wollen Themen zuspitzen, manchmal auch politisch inkorrekt sein. Aber wir wollen mit dem sprachlichen Florett fechten und der Meinungsvielfalt verpflichtet bleiben. Dazu laden wir alle gesellschaftlichen Akteure aus Politik, Wirtschaft und Gewerkschaften, der Wissenschaft, den Medien und natürlich unsere Hunderttausende Leserinnen und Leser ein.

Dafür stehe ich ab heute als neuer Chefredakteur.

Herzlich,
Ihr
Oswald Metzger
Berlin, 01.09.2016

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