Advent, Advent, der Geißbock brennt – und das ausgerechnet vor dem Rhein-Derby gegen Bayer Leverkusen. Michael Meier ist seinen Job als Manager los. Manch einer wird aufatmen, nach wochenlangen Debatten über Wohl und Wehe des FC und der sportlichen Leitung. Doch was ist Meier anderes als ein Bauernopfer? Genau wie die Entlassung des Trainers Zvonimir Soldo ist die Beurlaubung Meiers eine populistische Maßnahme, um die Gemüter zu beruhigen.
Der Posten des Managers in Köln ist eine der undankbarsten Aufgaben, die es in der Bundesliga zu vergeben gibt. An der Spitze des Vereins thront Wolfgang Overath, der fortwährend Druck ausübt und sich in die sportlichen Belange einmischt. Gleichzeitig haben sich die Trainer in Köln teilweise weit über ihre eigentlichen Aufgaben hinaus ins Transfergeschäft eingemischt. Ob das nun bei Hanspeter Latour war, der viele Schweizer Spieler verpflichtete, oder bei Christoph Daum, der vor allem Profis aus der türkischen Profiliga unter Vertrag nehmen ließ.
Keine Zeit zur Besinnlichkeit
Michael Meier hat da viel abgenickt, und diesen Vorwurf muss sich der geschasste Manager gefallen lassen. Er hat in seiner Amtszeit zu wenig Durchsetzungskraft entwickelt. Andererseits muss ihm auch zugutegehalten werden, dass diese Konstellation zwischen Präsident und Trainer auch manch anderen Vereinsmanager zermürbt hätte.
Nach Meiers Rauswurf ist eins klar: Zeit zur Besinnlichkeit haben die Kölner keine. Die Personalentscheidung hätte früher erfolgen müssen, damit der neue Manager bzw. Sportdirektor die Mannschaft und die Strukturen im Verein gründlich studieren und kennenlernen kann. Jetzt muss Meiers Nachfolger einen Kaltstart in die Rückrunde hinlegen. Zum Aktionismus wird er keine alternativen Handlungsmöglichkeiten bekommen. Das kann schnell schief gehen.
Namen kursieren derzeit reichlich: Dietmar Beiersdorfer, Jan Schindelmeiser, Jörg Schmadtke, Matthias Sammer, Gerhard Poschner und Oliver Kreuzer. Zuletzt wurde über ein Engagement von Michael Reschke spekuliert. Reschke ist derzeit bei Bayer Leverkusen angestellt. Damit kann diese Spekulation getrost als taktisches Geplänkel vor dem Derby gewertet werden.
Es spielt überhaupt keine Rolle, wer in Köln künftiger Sportdirektor wird, wenn im Verein keine gründliche Umstrukturierung stattfindet. Erste Anzeichen dafür gibt es bereits. In der Gesellschafterversammlung überließ der Vorstand, angeführt von Präsident Wolfgang Overath, Geschäftsführer Claus Horstmann die Festlegung des Aufgabenbereichs für den neuen Sportdirektor. Damit dieser allerdings entsprechend arbeiten kann, muss der Präsident noch mehr Opfer bringen: Overath muss sich aus dem sportlichen Tagesgeschäft raushalten und sich auf repräsentative Aufgaben beschränken.
Knecht Ruprecht trägt heute Rot-Schwarz
Das ist keine einfache Aufgabe, denn formal hat der Vorstand – eine Schicksalsgemeinschaft aus Overath und seinen beiden Vertrauten Friedrich Neukirch und Jürgen Glowacz – die Mehrheit in der Gesellschafterversammlung. Den Verantwortlichen muss das Kunststück gelingen, den Einfluss Overaths zu minimieren, ohne diesem das Gefühl zu vermitteln, an Gewicht im Verein zu verlieren.
Damit wäre noch lange nicht die sportliche Misere beendet. Aber immerhin hätte der Verein die Weichen in die richtige Richtung gestellt. Der Abstieg wird für den FC so oder so schwer zu verhindern sein. Meine Prognose für das Derby: Knecht Ruprecht trägt heute ein Leverkusener Leibchen, also keine Pfeffernüsse für die Kölner, sondern höchstens die Hucke voll.
















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