Von den meisten Menschen wird Gott als eine Art Kundendienst betrachtet. Ilona Bodden

Der Verführer

Die Schlagzeilen in der Champions-League-Woche macht mal wieder Trainer José Mourinho. Der schillernde Trainer erinnert nicht nur wegen seiner Eitelkeit an Oliver Stones Filmfigur Gordon Gekko. Wie der Finanzhai in "Wall Street" kennt auch Mourinho keine Grenzen, um an sein Ziel zu kommen.

In der Champions League blieben unter der Woche die großen Überraschungen aus. Die Bayern sind trotz Niederlage weiter, Bremen ist raus. Auch Real Madrid ist erwartungsgemäß für das Achtelfinale qualifiziert. Doch Trainer José Mourinho erregte mit einer spektakulären Aktion die Gemüter. Ihm wird vorgeworfen, seiner Spieler Sergio Ramos und Xabi Alonso im “Stille Post”-Prinzip dazu verführt zu haben, sich mit Gelb-Rot vom Platz stellen zu lassen. Damit wären beide im bedeutungslosen letzten Gruppenspiel gesperrt, im Achtelfinale aber wieder dabei. TV-Bilder erhärten den Verdacht, die UEFA ermittelt.

Ob als Trainer bei Chelsea, Inter Mailand oder beim spanischen Rekordmeister: Mourinho schafft es immer wieder, für neue Skandale zu sorgen. Fair Play ist ein Begriff, der im Mourinho’schen Universum offenbar keine Bedeutung hat. Mourinho ist vielmehr das fleischgewordene Fußball-Abziehbild von Oliver Stones Filmfigur Gordon Gekko (Michael Douglas).

Direkt hinter Gott kommt Mourinho

In “Wall Street” zerstört Gekko notfalls Existenzen, um reicher zu werden. Mourinho ist ebenfalls skrupellos. Seine Börse ist der Profifußball, seine Währung ist der Ruhm – und Geld verdient der Portugiese inzwischen mehr als mancher Starkicker. “Wenn ich einen einfachen Job gewollt hätte, dann wäre ich in Portugal geblieben – wunderschöne blaue Stühle, den UEFA-Champions-League-Pokal, Gott und direkt hinter Gott, ich”, hatte Mourinho einmal gesagt.

Gemeinsam ist beiden auch die Eitelkeit. Immer top frisiert, maßgeschneiderte Anzüge, teurer Fingerschmuck, immer ein als Verachtung deutbares Lächeln auf den Lippen. Das Schlimme an beiden ist ihre Kunst der Verführung. Die Rolle des Gordon Gekko hat nicht nur Bud Fox (Charlie Sheen) zu unlauteren Handlungen verführt. Sie hat im echten Leben eine ganze Generation von jungen Männern zu einer Karriere in der Finanzwelt motiviert. Aufstieg, egal mit welchen Mitteln.

Auch Mourinho wird vielfach angehimmelt. Unter Spielern gilt er als Trainergenie. Es findet sich kein Profi, der etwas Schlechtes am System Mourinhos finden würde. Mesut Özil und Sami Khedira sind ebenso begeistert wie einst Michael Ballack, der in seiner Zeit bei Chelsea schwärmte: “Mourinho ist ein großartiger Trainer, der in schwierigen Phasen immer hinter mir stand.”

Zurück zu Gekko. Einer seiner Leitsprüche: “Portfoliomanager sind wie Schafe, und Schafe werden geschlachtet.” Portfoliomanager verschaffen anderen Menschen Geld. Gekko hingegen verschafft sich Geld – Unsummen, ohne Rücksicht auf andere. Er ist kein Getriebener, sondern er ist derjenige, der treibt.

Mourinho unternimmt einiges, um nicht geschlachtet zu werden, und befindet sich dabei oft am Rande der Legalität. 2005 trieb er Barca-Trainer Frank Rijkaard fast in den Wahnsinn. Er warf ihm vor, den Schiedsrichter in der Halbzeitpause der Achtelfinalpartie in der Champions League unter Druck gesetzt zu haben. Von einer ominösen Tür war da die Rede; von der Heim-Kabine direkt in die Umkleide des Unparteiischen. An diesem Abend kam Chelsea weiter, Mourinho hatte gesiegt.

Fußball ist Mourinhos Hure

Die Erfolgsgeschichte des José Mourinho nimmt kein Ende, und die eingeflüsterten Gelb-Roten-Karten für Ramos und Xabi Alonso werden dem Image des Real-Coaches nicht schaden. Selbst wenn die UEFA eine Strafe verhängt, weil die Aktion ganz offensichtlich nichts mit Fair Play zu tun hatte. Solches Verhalten schadet dem Sport und muss geahndet werden, wenn der Profifußball glaubwürdig bleiben will. Bei aller Bewunderung für Mourinhos Schlitzohrigkeit schwingt immer auch ein wenig Ekel mit, wenn er mal wieder auf den Titelseiten zu sehen ist.

Apropos Ekel. Gekko sagt auch: “Geld ist eine Hure.” Wenn Fußball für Mourinho die Hure ist, kommt irgendwann der Zahltag, denn für lau macht niemand die Beine breit – nicht einmal korrupte Fußballfunktionäre.

Leserbriefe

  • Theeuropean-placeholder
    ConsueloFULTON34 – 29.11.2010 - 17:24

    I’ve used two more writing company in the past and the custom term paper I received from the company was by far the most well put together custom research papers of the three. But, this community more pleasant and speedy. My individualguidelines were followed and as a result of essential writing illustration I was effective to achieve my papers with confidence. I will definitely use this essays online in the future.

  • Theeuropean-placeholder
    Amigos – 05.04.2012 - 09:40

    I’ve found your testimony by accident when I was trying to find adipex-p, and I am so glad I did

Mehr zum Thema

Kolumne

Wer kann besser kicken?

140771770 1

Deutsche Teams haben in der vergangenen Woche international mehrere krachende Niederlagen erlebt. Trotzdem: Deutschlands Fußball lebt!

Lukas_hermsmeier
von Lukas Hermsmeier
11.03.2012

Mehr zum Thema: Fc-barcelona, Fussball, Champions-league

Kolumne

Lukas_hermsmeier
von Lukas Hermsmeier
11.03.2012
meistgelesen / meistkommentiert