Felix Magath hat das Glück verlassen. Der genaue Beobachter kann in diesem Fall nur zu einem Schluss kommen: selbst schuld. Im Fußball sollte man sein Glück eben nicht herausfordern, schon gar nicht als Trainer und niemals als Trainer auf Schalke. Mirko Slomka, der Mann, der Magath gestern eine schmerzhafte Niederlage zufügte, hätte da auch einiges zu erzählen.
Felix der Große, Alleinherrscher auf Schalke, droht, an der eigenen Größe zu scheitern. Er steht mit den Fans auf Kriegsfuß. Die trauen als echte Kumpel keinem Fußball-Diktator – auch wenn er goldene Zeiten und Trophäen verspricht. Besonders übel haben die Anhänger der Knappen die Entlassung des Fanbeauftragten Rolf Rojek genommen. Auch da hatte Magath seine Finger im Spiel.
Die “kleine Gruppe” hat eine kritische Masse erreicht
Die empörten Fans nannte er vor wenigen Wochen despektierlich “kleine Gruppe”. Großer Fehler. Denn diese “kleine Gruppe” trat schon am ersten Spieltag massiv in Erscheinung. Über 5.000 Fans trugen im Stadion weiße T-Shirts mit der Aufschrift “Kleine Gruppe”. Nach Spielschluss – der 2:0-Pleite gegen den Hamburger Sportverein – schmissen die Fans einigen Spielern diese Shirts zu. Und die zogen die Teile an; angeblich ohne darauf zu achten, was darauf geschrieben stand. Inzwischen hat die “kleine Gruppe” eine kritische Masse erreicht.
Magath steht unter großem Druck, denn der knorrige Fitnessfanatiker hat auf Schalke Narrenfreiheit. Aus großer Macht erwächst große Verantwortung. Als Vorstandsvorsitzender verfügt Magath über Möglichkeiten, für die andere Trainer selbst noch mal Medizinbälle wuchten würden.
In der Fußballphilosophie Magaths dreht sich alles zuallererst um Magath selbst. Er ist der Star, nichts kann das in Zweifel stellen. Nicht mal die Verpflichtung des Real-Stürmers Raúl. Der Spanier stellt für den Trainer in Sachen Starpotenzial aus zweierlei Gründen keine Gefahr dar: Raúl ist schon immer ein sehr geerdeter und zurückhaltender Charakter gewesen, mit wenig Drang zu Glitter und Schlagzeilen in der Boulevardpresse. Und zweitens ist Raúl in die Jahre gekommen. Der Lack ist ab, bei Real saß er zwei Jahre lang fast nur noch auf der Reservebank.
Für Magaths um sich selbst kreisendes Fußballuniversum mag das alles gut sein, wenn sich der Erfolg einstellt. Doch der bleibt aus. Magaths Bilanz: zwei Spiele, zwei Niederlagen. Dazu die Schmach, vor heimischem Publikum als Meisteranwärter gegen einen vermeintlichen Abstiegskandidaten verloren zu haben. Das letzte Mal, als Schalke mit zwei Niederlagen in eine Saison gestartet ist, stieg die Mannschaft am letzten Spieltag in die zweite Liga ab. Das war 1991.
Magaths Gang nach Canossa
Heute tritt der eitle Trainer, der auch Journalisten für unangenehme Fragen gerne mal abstraft, seinen Gang nach Canossa an. Er trifft sich mit Aufsichtsratsboss Clemens Tönnies und einem Abgesandten der Fans zur Aussprache. Wenn Magath bei diesem Treffen ebenso stoisch bis gelangweilt in seinem Tee herumrührt, wie er es so oft bei Pressekonferenzen tut – mit Designerschal stets bemüht, dabei eine gute Figur zu machen –, dann könnte das schon der Anfang vom Ende der Ära Magath sein, zumindest auf Schalke.
Denn eines verzeihen die Fans einem dort nicht: Hochmut. Auf Schalke herrschen die Kumpel, das ist Reviermentalität. Wer den Sonnenkönig gibt, wird ausgepfiffen und davongejagt, vor allem – und hier greifen wieder die Mechanismen der Wirtschaft –, wenn die sportlichen Ergebnisse nicht stimmen. Dann fehlen auch dem Aufsichtsrat die Argumente, einen solchen Trainer mit einer solchen Philosophie zu behalten.















Aha!
Wir lernen:
Der Erfolg und Mißerfolg eines Trainers steht in engem Zusammenhang mit den erzielten/zu erzielenden Spielergebnissen.
Danke.
Das Spiel HSV-Schalke endete übrigens 2-1 und nicht 2-0 . Letzte Saison haben die Bayern übrigens mit 1-1 gegen Hoffenheim, 1-1 gegen Bremen und 1-2 in Mainz auch einen miserablen Start gezeigt und sind am Ende beinahe abgestiegen ;)