In einer Diktatur haben sie nur zwei Möglichkeiten: Konformität oder Widerstand. Marco Schöller

Elefantenhochzeit in Frankfurt?

Mit einem Anteil von drei Prozent steigt der US-Investor Cerberus bei der Deutschen Bank ein. Das wäre kein Grund zur Aufregung, wäre Cerberus nicht Cerberus. Vor kurzem ist dieser äußerst aktivistische Investor auch bei der Commerzbank eingestiegen. Schon machen Gerüchte die Runde, die beiden größten deutschen Privatbanken könnten miteinander fusionieren. Was ist dran?

Innerhalb kürzester Zeit taucht der Name Cerberus zweimal am deutschen Aktienmarkt auf. Zweimal gemeinsam mit einer deutschen Großbank. So hält der amerikanische Investmentfonds seit Sommer 5,01 Prozent an der Commerzbank und, wie diese Woche bekannt wurde, nun auch rund drei Prozent an der Deutschen Bank. Womit es das dann auch schon weitestgehend war mit Informationen. Obwohl Cerberus seit seiner Gründung im Jahr 1999 geschätzte 25 Milliarden US-Dollar in mehr als dreihundert Unternehmen weltweit investiert hat, ist von dem Private Equity-Unternehmen das Jahr über nur wenig zu hören. Das aber, was zu erfahren ist, lässt im wahrsten Sinne des Wortes aufhorchen.

Cerberus verspricht seinen Kunden nicht nur eine jährliche Rendite irgendwo zwischen sagenhaften 18 und 22 Prozent, nein, der als aktivistisch bekannte Investor hält dieses Versprechen auch ein. So ist es kein Wunder, dass sich Firmen-Gründer Stephen Feinberg inzwischen einen Namen als knallharter Sanierer gemacht hat. Um Renditen in solcher Höhe zu erzielen, braucht es mit Sicherheit des Öfteren unpopuläre Entscheidungen in Bezug auf die Unternehmen, die es zu sanieren gilt und an denen man Anteile hält.

Steigt Cerberus irgendwo ein, können sich Anleger meist sicher sein, dass von diesem Zeitpunkt an jemand unnachgiebig aufs Profit-Gaspedal drückt und Arbeitsplätze in etwa so viel wert sind wie ein Sandhaufen in der Wüste. Mit seiner Strategie hat Cerberus in der Vergangenheit aber auch schon oft genug bewiesen, wie gut man darin ist, kriselnde Unternehmen wieder in Fahrt zu bringen. So stiegen die Amerikaner unter anderem 2007 bei der krisengeschüttelten österreichischen Bawag-Bank ein und brachten diese nach scheinbar erfolgreicher Restrukturierung erst vor wenigen Wochen mit saftigem Gewinn an die Börse.

Mehr Potential als gedacht?

Diesen Sprung an die Finanzmärkte muss die Deutsche Bank bekanntlich nicht mehr schaffen, doch Restrukturierungbedarf und Krisen gibt es bei Deutschlands größtem Geldhaus wahrlich genug. Was also bedeutet der zirka eine Milliarde Euro schwere Cerberus-Einstieg für die Deutsche Bank? Fluch oder doch eher Segen? Vergleicht man Cerberus mit anderen großen Anteilseignern wie HNA aus China oder dem katarischen Staatsfonds, könnte die Deutsche Bank mit den Amerikanern immerhin jemanden mit sehr fundiertem Wissen hinsichtlich des voranschreitenden Konzernumbaus an ihrer Seite haben. Zudem jemanden, der, wie bereits erwähnt, auf eine Verbesserung der Geschäfte pochen wird.

Das könnte für Anleger auch ein Kaufgrund für die Aktie des Frankfurter Geldhauses sein, denn es scheint unwahrscheinlich, dass ein Investor wie Cerberus irgendwo einsteigt, ohne sich zuvor genauestens über die damit einhergehenden Renditechancen Gedanken gemacht zu haben. Lauert in der Bank also vielleicht mehr Potential als Börsianer derzeit denken? Vielleicht. So schrieb beispielsweise Analyst Alevizos Alevizakos von der britischen Investmentbank HSBC: Die aktuelle Bewertung der Aktie unterschätze das langfristig gute Verbesserungspotenzial des Geldinstituts. Damit einhergehend hob er auch sein Kursziel von 14 auf 18 Euro an.

Um dieses Potential aber zu wecken, wird vor allem eines unabdingbar sein: Ein rigoroser Job-Abbau. Und Cerberus wird hier wohl klar die Empfehlung aussprechen, sich nicht mit Gefühlsduseleien aufzuhalten. Und eine solche Empfehlung würde wohl auch Gehör finden in den Vorstandsetagen. Erst vor kurzem sagte CEO John Cryan gegenüber der Financial Times: „Wir beschäftigen 97.000 Leute. Die meisten großen Wettbewerber haben eher halb so viele.“ Der bereits angedachte Abbau von 9.000 Stellen dürfte als wohl erst der Anfang einer großen Arbeitsplatzvernichtungsaktion sein. Im Zuge der Digitalisierung scheint man zu solch einem Unterfangen aber wohl auch gezwungen, um langfristig überleben zu können.

Wirklich eine Elefantenhochzeit?

Was aber ist, wenn Cerberus auf etwas ganz anderes hofft? Nämlich auf eine Megafusion der beiden größten deutschen Privatbanken. Schließlich erscheint es schon ungewöhnlich, dass die Amerikaner innerhalb kürzester Zeit sowohl Anteile an der Commerzbank als auch an der Deutschen Bank erwerben. Und das ausgerechnet in einer Zeit, in der sich eben jene Commerzbank kaum vor Übernahmespekulationen retten kann. Die für die Übernahme notwendigen Anteile hält derzeit noch der deutsche Staat, ein Überbleibsel aus Finanzkrisenzeiten. Schnell liegt da die Vermutung nahe, dass die Bundesregierung ihre Anteile wohl lieber in den Händen der Deutschen Bank als in denen eines ausländischen Finanzinstituts sehen würde. Man darf also gespannt sein, was hier in Zukunft noch passiert. Die Spekulationen um eine baldige Fusion der beiden Schwergewichte haben die Cerberus-Beteiligungen jedenfalls wieder stark ansteigen lassen.

Langfristig könnte es vor allem aus politischer Sicht in Richtung einer Zusammenlegung gehen. Grundsätzlich zeigt man sich bei Deutschlands größtem Finanzinstitut derzeit nicht abgeneigt von etwaigen Fusionsgedanken. Erst kürzlich hatte der stellvertretende Vorstandschef Christian Sewing eine Konsolidierung im Bankenmarkt Deutschlands und Europas angemahnt. Für Cerberus wäre das ein „cleverer Schachzug“, wie das Handelsblatt mit Verweis auf einschlägige Finanzkreise schrieb. „Falls Commerzbank und Deutsche Bank fusionieren, befindet sich Cerberus nun in einer Pole Position.“, hieß es dort weiter.

Aber egal, ob es nun am Ende zu einer Fusion zwischen den beiden Geldhäusern kommt, oder nicht, Anleger sollten sowohl die Deutsch Bank als auch die Commerzbank gut im Auge behalten. Mag sein, dass Cerberus sogar dabei hilft beide Institute wieder profitabler zu machen, genauso aber haben die deutschen Banken wieder ein Stück weit Kontrolle ans Ausland abgegeben. Und für Investment-Unternehmen wie Cerberus zählt am Ende nur eines: die Rendite.

Dieser Beitrag erschien zuerst in Ihrer BÖRSE am Sonntag.

Lesen Sie weitere Meinungen aus dieser Debatte von: Hans-Olaf Henkel, Wim Weimer, Joe Kaeser.

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