2011 war ein schlechtes Jahr für böse Jungs. Srdja Popovic

Breitband ist eine Währung

Wer den Schaden verursacht, muss auch dafür aufkommen! Dieses Verursacherprinzip haben wir von Kindesbeinen an gelernt und fühlen uns damit wohl, weil es zu unserer Wertekultur passt. Doch diese Logik funktioniert im Internet nicht mehr.

Das Internet ist ein Verbundnetz mit mehr als 30.000 unabhängigen Netzen, die zusammen das Internet ausmachen. Diese 30.000 unabhängigen Netze haben auch unterschiedliche Ziele und Strategien. Einige kümmern sich um den Zugang von Nutzern, sogenannte Access-Provider, andere um die Zurverfügungstellung von Inhalten, sogenannte Content-Provider, wieder andere sind Transit-Provider, die Netze miteinander über längere Entfernungen verbinden usw.

Der Hunger nach Bandbreite wächst

Wenn der Nutzer ins Internet möchte, dann geht er zu einem Access-Provider, der dafür sorgt, dass die Dienste im Internet zu erreichen sind. Das kann z. B. ein DSL-, Kabel- oder Mobilfunk-Provider sein. In Abhängigkeit von dem Access-Provider sowie von dem eigenen Budget und Anspruch wird ein fest vereinbarter Preis gezahlt. Dafür erhält der Nutzer Zugang zu Diensten im Internet und kann über definierte maximale Bandbreiten Daten ins Internet schicken und abrufen. Die angebotenen Dienste im Internet haben unterschiedliche Ansprüche und Anforderungen an die Qualität der Kommunikation. Bei typischen Web-Anwendungen oder zeitunabhängigen Medien spielt die temporäre Beziehung zwischen zwei Nachrichtenpaketen keine wesentliche Rolle. Dies bedeutet, dass es für alle Beteiligten keinen Unterschied macht, ob eine E-Mail in drei oder in fünf Sekunden übertragen ist.

Bei Realzeitanwendungen, wie z. B. bei kontinuierlichen oder fortlaufenden Medien wie Audio, Video und TV, bei denen sich die Werte über die Zeit verändern und nur zu einem bestimmten Zeitpunkt Gültigkeit haben, spielt die temporäre Beziehung zwischen zwei Nachrichtenpaketen eine sehr große Rolle! Dies bedeutet, dass z. B. Nachrichtenpakete aus einem TV-Stream kontinuierlich ihr Ziel erreichen müssen, sonst wurden sie umsonst übertragen, weil sie nicht mehr für die Darstellung verwendet werden können. Bei den neuen Diensten, wie Web-TV, gibt es also sehr hohe Anforderungen an die Access-Provider bezüglich der Kommunikationsqualität und der notwendig großen Bandbreite.

Wir müssen investieren, um verdienen zu können

Auf der einen Seite gibt es Content-Provider wie Google, die in Zukunft verstärkt Web-TV anbieten möchten. Dazu muss der Content-Provider eine Infrastruktur aufbauen, damit die Nutzer diesen Dienst über Server aus seinem Netz abrufen können. Der Content-Provider wird dann über die Nutzung von Web-TV direkt oder indirekt über Werbung Geld verdienen.

Auf der anderen Seite gibt es die Access-Provider, die ihren Kunden mehr Bandbreite und Kommunikationsqualität anbieten müssen, damit diese Web-TV in einer ausreichenden Qualität nutzen können. Dazu müssen die Access-Provider sehr viel Geld in den Aufbau besserer Kommunikationsinfrastruktur investieren. Hier investiert die Telekom z. B. in den nächsten Jahren mehrere Milliarden Euro in die VDSL- und Backbone-Technologie. Da die Kunden für die höhere Bandbreite und Kommunikationsqualität nicht sehr viel mehr zahlen werden, entsteht ein Ungleichgewicht.

Die Content-Provider werden mit den neuen Inhalten mehr Geld verdienen und die Access-Provider müssen sehr viel Geld investieren. Wenn der Access-Provider selber auch Content-Provider ist, ist das Problem gelöst. Falls Access-Provider und der Content-Provider unterschiedliche Unternehmen sind, müssen Modelle gefunden werden, wie dieses Ungleichgewicht finanziell kompensiert werden kann. Dies ist eine notwendige Aufgabe, um die Stabilität des Internets gewährleisten zu können, und berührt die Netzneutralität im ursprünglichen Sinne nicht!

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