Gott nützt mir letztlich nur, wenn er ist. Walter Kasper

Zum mündigen User

Unsere Gesellschaft verändert sich mehr und mehr zur vernetzten Informations- und Wissensgesellschaft. Das ist von der Staatengemeinschaft gewollt. Doch es besteht Aufklärungsbedarf, um die Gesellschaft zu mündigen Internetnutzern zu erziehen.

Das Internet ist ein komplexes Medium. Es geht über alle geografischen, politischen und administrativen Grenzen hinaus, schafft innovative Wege, Demokratie sowie Bürgerbeteiligung und stellt somit eine neue Herausforderung für die internationale Gesellschaft dar. Deshalb müssen wir als Internetnutzer lernen, wie wir mit den Chancen und Risiken des weltweiten Netzes umgehen. Wir brauchen eine Kompetenz im Internet, die über die bestehende Medienkompetenz hinausgeht.

Die beste Technik reicht nicht aus, wenn der Internetnutzer nicht richtig aufgeklärt ist. Wir sehen eine immer schnellere Entwicklung im Internet. Das bedeutet, wir müssen uns immer schneller auf neue Technologien und neue Angriffe einstellen. Doch die meisten Internetnutzer wissen nicht genug über die Möglichkeiten und Gefahren des weltweiten Netzes.

Surfen ohne Schutz ist fahrlässig

Im Straßenverkehr haben wir gelernt, wie wir uns sicher und umsichtig verhalten. Wir schnallen uns an, achten auf die Verkehrsschilder, fahren ein Auto mit Airbag. Aber im Internet gibt es immer noch Nutzer, die sich ohne jeglichen Schutz bewegen. Das ist fahrlässig!

Um unsere Daten zu schützen, müssen wir unseren Computer mit einem Anti-Malware-Programm und einer Personal Firewall ausstatten, bevor wir uns mit dem Internet verbinden und uns einer potenziellen Attacke von Viren und Trojanern aussetzen. Unser Home-WLAN muss verschlüsselt sein, sensible Informationen dürfen wir nur bei einer sicheren SSL/TLS-Verbindung eingeben, und wir sollten nur sichere Passwörter verwenden. Außerdem sollten wir die Möglichkeiten des Schutzes der Privatsphäre in sozialen Netzwerken aktiv nutzen.

Wenn ich zu einer Feier eingeladen werde, dann ist mir schnell klar, was ich anziehen muss. Zur Schulabschlussfeier meiner Kinder ziehe ich mich festlich an. Zur Geburtstagsfeier meines Nachbarn kann ich in Jeans gehen.

Ähnlich wie beim Dresscode muss ich eine Einschätzung in sozialen Netzen durchführen können. In Netzwerken für Businesskontakte werde ich ein seriöses Bild einstellen. Im sozialen Netzwerk meiner Stadt werde ich mich privat darstellen. Auch die Informationen, die ich anderen zur Verfügung stelle, muss ich in Abhängigkeit der anderen Teilnehmer sorgfältig abwägen.

Mündigkeit und Selbstbestimmung im Web

Ich muss sofort nach dem Beitritt zu einem sozialen Netzwerk festgelegen, wer auf mein Profil zugreifen darf. Zum Schutz der personenbezogenen Daten sollte ich die AGB des Anbieters prüfen. Dabei ist zu beachten, ob Informationen an Dritte weitergegeben werden. Eine aktuelle Untersuchung der Stiftung Warentest hat ergeben, dass bei vielen sozialen Netzwerken großer Handlungsbedarf besteht, denn der Datenschutz ist dort mangelhaft.

Hier liegt das Problem! Wir müssen lernen, sicher mit dem Internet umzugehen. Erst dann können wir das Potenzial des Webs voll ausschöpfen. Wir müssen die Regeln und richtigen Verhaltensweisen verinnerlichen, um die Risiken und Gefahren zu erkennen. Dazu muss eine Internet-Kompetenzentwicklung strukturiert werden. Wir müssen uns als Gesellschaft überlegen, was wir in den Kindergärten, Schulen, Volkshochschulen, Universitäten sowie in Firmen vermitteln wollen, damit wir als mündige Bürger unsere gesetzlich verankerte Selbstbestimmung eigenverantwortlich wahrnehmen können.

Der Staat ist dafür verantwortlich, seine Bürger auf das gesellschaftliche Leben vorzubereiten. Dazu gehört heute die positive Nutzung des Internets. Es darf nicht sein, dass hier eine fehlende Bildung der Internetkompetenz neue Barrieren und Benachteiligungen in unserer Gesellschaft ermöglichen wird.

Leserbriefe

  • Theeuropean-placeholder
    Tobias Knobloch – 01.05.2010 - 13:39

    Mit Ihren Überlegungen, Herr Pohlmann, kann jeder vernünfitge Mensch völlig einverstanden sein: Es handelt sich um einen richtigen und wichtigen Aufruf.
    Allein die Einschätzung im letzten Absatz, der Staat sei für die Vorbereitung der Bürger für ein Leben in der Gesellschaft verantwortlich, kann nur von Etatisten geteilt werden.
    Es ist genau diese paternalistische Sichtweise, die uns eine gewaltige Staatsquote, hohe Steuern, eine exorbitante Staatsverschuldung und ein jährliches Umverteilungsvolumen von über 1000 Milliarden (!) Euro beschert hat.
    Gerade in der vernetzten Wissensgesellschaft kann der Staat nicht mehr die Rolle des übermächtigen Vaters spielen, der sich um das Wohl seiner Schäfchen kümmert. Alle täglich fehlschlagenden Versuche von Internet-Zensur in bestimmten Teilen der Welt zeigen das ebenso wie der verzweifelte Kampf gegen Netzkriminalität hierzulande.
    Wenn es um Internet-Aufklärung und ein sicheren Umgang mit neuen Medien geht, dann tragen in erster Linie diejenigen Verantwortung, die vom informationstechnischen Wandel der vergangenen Jahre besonders profitiert haben und einen dementsprechend guten Überblick über die damit verbundenen Chancen und Gefahren haben. Als Internet-Unternehmer nehme ich mich mit dieser Aussage selbst in die Verantwortung. Angedacht habe ich mit Partnern und Kollegen beispielsweise Netzwerkkurse für sozial benachteiligte Kinder und Jugendliche, in denen ein bewusster Umgang mit sozialen Medien und die Möglichkeiten aktueller Informationstechnologien vermittelt werden.
    Der Staat kann und sollte dabei Hilfestellung leisten, allein abdecken kann er diese Aufgabe keineswegs. Schon die Inkompatibilität von Netz-Geschwindigkeit und behäbigen Staatsstrukturen sorgt dafür.
    Sollte der Umgang mit Social Media in den Lehrplan aufgenommen werden? Meinetwegen, aber in jeder Klasse wird ein Großteil der Schüler besser informiert sein als die Lehrkraft. Und mit jeder Innovation wächst die Kluft zwischen den Digital Natives und den Digtial Immigrants. Profis können hier sehr viel mehr bewirken, wenn sie sich ihrer gesellschaftlichen Verantwortung bewusst werden und zu entsprechendem Handeln bereit sind. Der Staat könnte dafür sogar gezielt Anreize schaffen, indem er Internet-Unternehmen beispielsweise einen Teil der Steuern erlässt, wenn Sie an der Lösung des von Ihnen richtig beschriebenen gesellschaftlichen Problems mitarbeiten.

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