Wir müssen unseren freiheitlichen Lebensstil verteidigen. Philipp Mißfelder

Die Hoffnung für Europa sind wir

Kleinmut und politische Ohnmacht zerfressen den europäischen Traum. Zeit ein Zeichen zu setzen. Die Hoffnung für Europa ist die Zivilgesellschaft

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Es kommt nicht oft vor, dass ein Linker die Worte eines Konservativen als inspirierend, als wegweisend, als stärkend und als fortschrittlich begreift. Mit den folgenden Worten von Friedrich von Gentz aus dem Jahr 1806 ist es mir so passiert. In „Fragmente aus der neusten Geschichte des Politischen Gleichgewichts in Europa“ – Auszüge dazu finden sich in einem von Paul Michael Lützler herausgegebenen Textband zu „Europa“ – schreibt Gentz:

„Das Übergewicht, welches Gleichgültigkeit und Kaltsinn gegen das höchste Interesse von Europa, oder unmittelbare Begünstigung dessen, was diesem höchsten Interesse den Tod bringt, in den Gemüthern der Zeitgenossen gewannen, war nicht blos, wie häufig geglaubt wird, eine Zugabe zu wesentlichern Uebeln, eine Neben-Figur in dem düstern Gemählde des schmählichen Verfalls von Europa; es war das eigentliche, innerste Wesen, die ursprüngliche Wurzel dieses Verfalls. Mannigfaltige und große Verschuldung luden allerdings die Regierungen auf sich; viel, sehr viel haben sie gethan, um sich selbst und uns zu Grunde zu richten; aber der größte, der entscheidendste Antheil an dem Werke der Verwüstung ist unser. Ihrer Verirrungen wären weniger, und die, in welche sie geriethen, wären leichter, kürzer und heilbarer gewesen, wenn die tiefe Verblendung der Nationen, die Verkehrtheit des öffentlichen Geistes, die Erschlaffung aller echten Gefühle, die Herrschaft der niedrigsten Triebfedern, und, um das Ganze mit einem Worte zu umfassen, die moralische Fäulniß der Welt, nicht rund um sie her alles vergiftet, zerfressen und aufgelöset hätte.“

Wenn man diese Worte von Gentz liest, kann man eine mehr als 200 Jahre alte Beschreibung für eine halten, die auch für heute passt. Aber was tun?

Von welcher Seite sollte Europa Hilfe erwarten?

Gentz fragte sich das damals auch. „Von welcher Seite sollen wir nun Hülfe erwarten?“ Seine Antwort ist auch für heute noch richtig:

„Die Starken, Reinen und Guten, wie gering auch ihre Anzahl seyn mag, müssen fest und unzertrennlich zusammenhalten, müssen wechselsweise einander belehren, und zusprechen, und tragen, und heben, und begeistern. Ihr Bund ist die einzige Macht, die einzige unüberwundne Coalition, die heute noch der Waffengewalt trotzen, die Völker befreien, und die Welt beruhigen kann.“

Mit anderen Worten: Nur von uns selbst können wir Hilfe für Europa erwarten. Die Hoffnung für Europa, das sind wir. Wir Bürger. In einem Bund können wir für Europa streiten. Ja, wir müssen es. Wir dürfen die Probleme Europas nicht verleugnen und nicht unter den Teppich kehren. Aber allein unseren Regierungen das Handeln zu überlassen, wäre fahrlässig. Unser Kleinmut und unsere selbstempfundene Ohnmacht lassen Europa zerfallen. Das können nur wir wieder ändern. Und wir sollten es.

Lesen Sie auch die neuste Kolumne von Nils Heisterhagen: Die Linke ist gespalten – ein Neuanfang muss her!

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