EU-Politik ist ein Kunststück. Heinz Fischer

Wir brauchen mehr Frauen im Sport

Es ist eine Selbstverständlichkeit, dass Frauen im Sportjournalismus und auch im Bereich Fußball tätig sind – egal ob vor oder hinter der Kamera. Frauen haben sich längst bewährt!

Frau Schenker, womit haben Sie den heutigen Tag verbracht?

Mit der Aufzeichnung der „Premier League Highlights“, die wir am Montagabend senden.

Sie waren vielfache Landesmeisterin in der Leichtathletik. Nun sind Sie natürlich noch jung, haben aber dennoch schon viel erlebt. Fühlt man sich alt nach so einer langen und sicher auch anstrengenden erlebnisreichen sportlichen Zeit?

Es war einfach eine richtig tolle Zeit, die ich in meinem Leben nie und nimmer missen möchte. Auch wenn es zur großen Karriere nicht gereicht hat, hat mich diese Zeit sehr geprägt und ich bin wahnsinnig dankbar dafür. Und nein, alt fühle ich mich nicht.

Das bedeutet, wenn es sportlich anders gelaufen wäre, würden Sie heute noch gar nicht vor der Kamera sondern im Startblock sitzen?

Das ist natürlich sehr utopisch und rein spekulativ. Ich kann sicher nicht ausschließen, dass ich trotz einer sportlichen Karriere in den Sportjournalismus gegangen wäre. Ich habe meinen Traumberuf gefunden und bin sehr glücklich in diesem arbeiten zu dürfen. Auf dem Weg in den Journalismus gab es für mich keine Hürden

Inwiefern hilft Ihnen die Karriere als aktive Leistungssportlerin bei Ihrer Tätigkeit als Sportjournalistin?

Ich denke, dass mir das ungemein hilft. Ich kann mich in meinen Gegenüber dadurch sehr gut hineinversetzen. Ich weiß, wie es sich anfühlt, zu gewinnen und zu verlieren, und wie viel Aufwand gewisse Leistungen voraussetzen. Diese Erfahrungen verhelfen mir auch zu einer etwas anderen Herangehensweise bei Interviews. Ich gehe dadurch mit möglichst viel Respekt und Einfühlungsvermögen ran. Das wissen auch die Sportler oft sehr zu schätzen.

Infolge Ihrer sportlichen Karriere wechselten Sie über mehrere Stationen z.B. DFB.TV in den Sportjournalismus. Man sagt immer: Den Königsweg in den Journalismus gibt es nicht. Beschreiben Sie Ihren Weg. Welche Hürden mussten Sie auf Ihrem Weg vom Leistungssport in den Sportjournalismus nehmen?

Auch, wenn ich Hürdensprinterin war, würde ich meinen Weg in den Journalismus nicht als hürdenreich beschreiben. Klar, gab es verschiedene Schritte: Die Grundlage für den Weg in den Sport waren definitiv meine Zeit als Leistungssportlerin und mein Studium der angewandten Medienwissenschaft und Sportmanagement. Während des Studiums habe ich bereits im Bereich Print und Online gearbeitet und auch Praktika bei SPORT1 absolviert, was mir nachher eine freie Mitarbeit ermöglichte.

Wie bereiten Sie sich auf eine Sendung auf SPORT1 vor?

Die Vorbereitung auf eine Sendung besteht aus einem kontinuierlichen Prozess. Man hält sich täglich up to date. Mein Tag vor einer Freitagssendung „Bundesliga Aktuell“ beginnt zum Beispiel immer um 18:00 Uhr mit der Vorbesprechung der Sendung. Um 20:30 Uhr befinde ich mich bereits in der Maske und schaue mir dabei das Freitagabendspiel an. Darauf folgt eine weitere Besprechung, die sich primär mit dem Verlauf des Spiels befasst. Gegen 23:00 Uhr gehe ich ins Studio und stelle in „Hattrick – Die Zweite Bundesliga“ unsere Themen vor. Und um 23.30 Uhr geht’s dann richtig los – bis Mitternacht.

Nach der Sendung ist vor der Sendung. Betreiben Sie eine Fehleranalyse, indem Sie sich ihre Auftritte noch einmal anschauen? Machen Sie überhaupt Fehler?

Klar mache ich Fehler, das ist ja auch nur menschlich. Dennoch bin ich ein sehr selbstkritischer Mensch und schaue mir auch zu Zwecken des Coachings einige Sendungen auch nochmal an.

Es gibt immer mehr Frauen als Moderatorinnen oder Kommentatorinnen im TV. Nur der Sport scheint sich bis auf einige Ausnahmen noch schwer zu tun. Fans haben Ressentiments, es ist eine eitle Branche. Was sind Ihre Erfahrungen?

Natürlich werde auch ich immer mal wieder noch mit alten Vorurteilen konfrontiert – sehr schade. Ich denke, dass es eine Selbstverständlichkeit ist, dass Frauen im Sportjournalismus und auch im Bereich Fußball tätig sind – egal ob vor oder hinter der Kamera. Frauen haben sich längst bewährt!

Doch erst im Sommer musste Ihre Kollegin Claudia Neumann einen Shitstorm über sich ergehen lassen, nur weil sie EM-Spiele kommentieren durfte. Fürchten Sie sich auch davor?

Ich bin der Meinung, dass Angst dabei der falsche Ratgeber ist. Vielmehr sollte man, so wie es auch Claudia Neumann gemacht hat, mit Kompetenz punkten und überzeugen. Ich bewundere Claudia Neumann sehr dafür, wie sie mit diesen Vorbehalten umgegangen ist. Der Sport ist meine große Leidenschaft

Wie bewerten Sie die Vergabe des Titels der „heißesten Moderatorin“? Muss es eine solche Vergabe geben?

Quelle: f1rstlife

Nein!

Gewähren Sie uns einen Einblick in Ihr Leben neben dem Sport. Was macht eine Nele Schenker, wenn sie einmal nicht in irgendeinem Stadion oder TV-Studio vor der Kamera steht?

Sport! Das ist nach wie vor ein ganz großer Bestandteil meines Lebens. Ich treibe selber sehr viel Sport und außerdem schaue und besuche ich sehr gerne Sportevents. Man findet mich auch in meiner Freizeit zum Beispiel bei Spielen der Regionalliga und der Frauen-Bundesliga oder auch bei Leichtathletik-Wettkämpfen. Der Sport ist einfach meine große Leidenschaft!

TV-Moderatorin ist sicher kein besonders familienfreundlicher Job. Wie gelingt Ihnen der Spagat zwischen Beruf und Familie?

Wenn einem etwas wichtig ist im Leben, dann findet man die Zeit dafür! Ich sehe unseren Beruf keineswegs als ein Hindernis, eine Familie zu gründen und Freundschaften zu pflegen.
RB Leipzig ist eine Bereicherung für die Bundesliga

Sie stammen aus Cottbus. Verfolgen Sie die Spiele Ihres Heimatklubs?

Als ich noch in Cottbus gewohnt habe, habe ich Energie ehrlich gesagt intensiver verfolgt – auch sehr gern live im Stadion der Freundschaft. Mittlerweile ist das berufsbedingt nicht mehr so möglich.

Wie bewerten Sie die Entwicklung der Roten aus Leipzig? Als Fluch oder Segen?

RB Leipzig ist für mich eine Bereicherung für die Bundesliga.

Manche sagen, Leipzig helfe dem ganze Osten zu mehr Selbstbewusstsein. Sehen Sie das auch so?

Grundsätzlich denke und differenziere ich nicht in Ost und West. Auch deshalb, weil ich nach dem Mauerfall geboren bin. Aber natürlich ist es für eine Region nur positiv, wenn dort Bundesligafußball gespielt wird. Das gilt aber auch für jede Stadt im Westen.

Das letzte Jahr endete mit einer deutlichen Niederlage des RB Leipzig in München, bei der man zugleich Emil Forsberg verlor. Am Samstag nun empfangen die Bullen die Eintracht aus Frankfurt. Immer noch als Favorit oder auf Augenhöhe?

Leipzig geht für mich als Favorit in dieses Spiel. Allerdings wird es nicht leicht, die Unbeschwertheit der Rückrunde beizubehalten. Mit dem Erfolg steigen auch die Erwartungen und der Druck. Es wird spannend zu sehen, wie sie damit umgehen. Frankfurt, Hoffenheim, der BVB, sprich – sprich 4, 5, 6 in der Tabelle – das ist ein knackiges Programm zum Auftakt. Es wird sehr wichtig sein, in diesen direkten Duellen die eigenen – neuen – Ansprüche auf einen internationalen Platz zu unterstreichen. Die Frauen-Bundesliga ist so hochklassig wie nie zuvor.

Auch in der Frauen-Bundesliga sind Sie beheimatet, modieren hier die Topspiele auf SPORT1. Früher lautete die Spitzenpartie: 1. FFC Frankfurt vs. Turbine Potsdam. In den vergangenen Jahren hieß es eher: Bayern München vs. VfL Wolfsburg Wie bewerten Sie die Entwicklung des deutschen Frauenfußballs auch und vor allem seit dem Einstieg des FC Bayern München und VfL Wolfsburg? Droht auch hier eine „Zweiklassengesellschaft“?

Ich glaube, dass wir uns nicht auf dem Weg in die Zweiklassengesellschaft befinden. Die Liga ist in diesem Jahr spannender und viel enger als im Vorjahr. Die Attraktivität nimmt generell zu. Die Bayern haben mit Potsdam einen ernsthaften Konkurrenten im Titelkampf vor sich. Mit Wolfsburg und Frankfurt ist immer zu rechnen, aber auch Freiburg und Essen leisten Beachtliches in dieser Saison. Ich freue mich wahnsinnig auf die Rückrunde – auch weil ich die eine oder andere Überraschung erwarte.

Noch einmal zurück: Wo landet Leipzig am Ende?

Den Titel holen sie nicht, den schnappen sich die Bayern – da lege ich mich fest! Eine platzgenaue Prognose ist natürlich sehr schwierig. Allerdings rechne ich damit, dass Leipzig auf einem der internationalen Plätze die Saison beenden wird und direkt in der ersten Bundesligasaison zu den Spitzenteams zählt.

Vielen Dank für das Gespräch, Frau Schenker!

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