Man kann es nicht deutlich genug sagen: Bei den etwa 40 Guantánamo-Gefangenen, die in Europa Aufnahme finden sollen, handelt es sich um Männer, die die US-Behörden als unschuldig und ungefährlich eingestuft haben. Männer, die jahrelang mit legalen und illegalen Methoden verhört worden sind – dadurch vermutlich schwer traumatisiert und hilfsbedürftig. Männer, die sofort freigelassen werden könnten, aber nicht in ihre Heimat zurückkönnen, weil ihnen dort politische Verfolgung, Gefängnis, Misshandlung und sogar die Todesstrafe drohen. Männer, die einen Anspruch darauf haben, dass alles Mögliche getan wird, damit diese menschenrechtswidrige Haft endlich ein Ende hat.
Das Pentagon hat wiederholt Zahlen verbreitet, nach denen etwa jeder fünfte entlassene Guantánamo-Häftling wieder unter Terrorverdacht steht oder “rückfällig” geworden ist. Diese Statistiken sind zum Teil falsch: Wer unschuldig entlassen worden ist, kann nicht “rückfällig” werden. Das Pentagon hat keine Beweise für seine Anschuldigungen. Einige Ex-Häftlinge wurden allein deshalb als “rückfällig” eingestuft, weil sie sich US-kritisch geäußert haben. Ein Teil dieser angeblich Rückfälligen war nie in Guantánamo oder ist schon tot. Andere sitzen aus völlig anderen Gründen wieder in Haft. Diese Berichte haben selten den Zweck zu informieren. Sie sollen das “System Guantánamo” rechtfertigen.
Die Bundesregierung muss Obama unterstützen
Deutschland und andere Staaten haben dieses System immer kritisiert. Zu Recht, denn Guantánamo steht für eine Art der Terrorismusbekämpfung, die Menschenrechte systematisch verletzt. Damit Präsident Barack Obama Guantánamo wie versprochen schließen kann, braucht er die Unterstützung der Bundesregierung. Eigentlich müssten die USA diese Gefangenen auf ihrem Territorium aufnehmen. Obamas Regierung wäre dazu bereit. Doch innenpolitisch stehen die Chancen schlecht. Der US-Kongress hat jeglichen Transfer von Gefangenen in die USA untersagt.
Für die einzelnen europäischen Länder geht es jeweils um höchstens eine Handvoll Gefangene. Die könnten – unter Wahrung ihrer Persönlichkeitsrechte – überwacht werden. Zudem zeigt die Erfahrung mit anerkannten Asylsuchenden aus Folterstaaten: Diese Menschen sind vollauf damit beschäftigt, in ein normales Leben zurückzufinden und ihr Trauma zu verarbeiten.
Vorbilder
Zehn europäische Staaten haben dies längst eingesehen: Frankreich, Ungarn und die Schweiz sowie einige andere Länder haben aus humanitären Gründen Gefangene aufgenommen oder angekündigt, dies zu tun. 58 Gefangene sind seit Obamas Amtsantritt entlassen worden. 31 von ihnen kehrten nicht in ihre Heimatländer zurück, sondern erhielten internationalen Schutz. Keinem der 58, die nach einem neuen Haftprüfungsverfahren entlassen wurden, ist bisher Kontakt zu Terroristen vorgeworfen worden.
Wenn Deutschland es seinen Nachbarländern gleichtut, könnte dies dazu beitragen, dem Menschenrechtsskandal “Guantánamo” endlich ein Ende zu machen. Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bundesinnenminister Thomas de Maizière haben dies verstanden – bleibt die Hoffnung, dass sie ihre Parteifreunde in Bund und Ländern überzeugen. Eines ist klar: Mit jedem Tag, den das Lager weiter existiert, erhöht sich in der muslimischen Welt die Gefahr der Radikalisierung gegen den Westen. Die Aufnahme unschuldiger Häftlinge birgt nicht die Gefahr, dass die Bundesregierung Terrorismus nach Deutschland holt, sondern wäre Teil einer modernen Sicherheitspolitik.



















Ich vermisse ein wenig die Argumente bei Ihnen, Frau Lüke. “Die Bundesregierung muss Obama unterstützen” weil … hmm, warum? Weil unsere Nachbarländer es auch machen? Glückwunsch ab sofort Steuerhinterziehung und Cannabiskonsum auch bei uns. Oder weil Deutschland Guantanamo kritisiert hat? Sie kritisieren es auch, bitte nehmen Sie dafür zwei Personen auf!
Deutschland muss keine Häftlinge aufnehmen und wird es hoffentlich nicht tun. Es geht mir hierbei nicht um die öffentliche Sicherheit, sondern um unsere supranationale Stellung. Deutschland wird alsbald keinen ständigen Sitz im Sicherheitsrat bekommen, mit diesem Versprechen wurden wir schon nach Afghanistan gezogen.
Obama muss es doch hinkriegen, diese 40 Leute bei sich unterzubringen. Darüber hinaus gibt es im Nahen Osten noch zig andere Länder, in denen die Personen unterkommen können. Dort sind sie vielleicht auch der Sprache mächtig, werden sich besser integrieren können etc., derer Argumente sind lang…
Erhellend ist, dass die für Menschenrechte zuständige CDU-Abgeordnete Erika Steinbach, die sich so vehement für die Rechte der Vertriebenen einsetzt, öffentlich gegen die Aufnahme der Gunantanamo-Häftlinge ausgesprochen hat (http://www.faz.net/s/Rub594835B672714A1DB1A121534F010EE1/Doc~ECE04195F6EF54ED9A9EED556B9E79366~ATpl~Ecommon~Scontent.html)
Damit hat Frau Steinbach einmal mehr bewiesen, dass es ihr am wenigsten um die Menschenrechte geht.
Warum soltle die BRD diese Leute aufnehmen. Das ist ganz alleine Sache der VSA. Die BRD muss endlich ein freies Land werden.
Leider ist die Beweisführung des Artikels extrem schwach. Erst mal muß man sich fragen, warum die Amerikaner völlig harmlose Insassen wegen ihrer Gefährlichkeit erst mal fast 10 Jahre inhaftiert halten, während die harmlosen Kandidaten alle bereits vorher gehen durften?
Zweitens kennt man die Vita der entsprechenden Personen. Einige haben sich in Al Quaida-Ausbildungslagern für Sprengstoffattentate und ähnliches ausbilden lassen, oder wurden in einem Haus mit Al Quaida-Führungskräften festgenommen, wohin sie angeblich per Zufall gelangt wären. Solche Personen werden in Deutschland normalerweise als “Gefährder” eingestuft, und beanspruchen ein sündhaft teures rund um die Uhr Überwachungs- und Beschatttungsprogramm.
Drittens ist das Argument der Aufnahme durch andere Länder eher eine Argument dagegen, es ihnen gleichzutun. Dann wenn sich die anderen bereits die harmlosesten Kandidaten herausgepickt haben, ist es geradezu wahnwitzig, sich jetzt freiwillig die härtesten Kandidaten ins Land zu holen, die keiner aufgrund ihrer Gefahrenvorhersage haben wollte.
Und viertens, spricht auch die Vergangenheit eine ganz klare Sprache gegen die Aufnahme. Etliche Inhaftierte haben sich sofort nach ihrer Freilassung wieder dem islamistischen Kampf angeschlossen, und verübten erneut Anschläge. Es ist doch extrem naiv, von überzeugten Islamisten anzunehmen, daß sie durch die “Sonderbehandlung” in Guantanamo plötzlich auf den Geschmack des westlichen Lebensstils geraten seien.
Ob es außerdem besonders sinnvoll ist, diese nun in ein Land zwischen Beate-Uhse-Läden und Gender-Mainstreaming-Indoktrinierung zu holen, sei mal ganz dahin gestellt. Spätestens hierdurch befördert man doch geradezu ideologische Rückfälle.