Wir müssen so etwas wie eine Fehlerkultur entwickeln. Thomas de Maizière

Sexueller Missbrauch durch Imame

Der sexuelle Missbrauch von muslimischen Kindern durch einige Imame ist kein Einzelfall. Er betrifft nicht nur Flüchtlinge, sondern auch Menschen, die in Deutschland seit Jahren von Imamen unterrichtet wurden.

Ich habe sehr lange mit mir gerungen. Ich habe sehr lange überlegt, ob und wie ich dieses Problem ansprechen soll. Ich bin mir über die zu erwartenden Reaktionen durchaus bewusst.

Ich bin jedoch der festen Überzeugung, dass dieses Problem nur dann in der Öffentlichkeit wahrgenommen wird, wenn ich darauf aufmerksam mache. Ich betrachte es als meine Pflicht, darauf aufmerksam zu machen. Ich bin somit der erste, der auf dieses Problem hinweist.

Doch um was handelt es sich hier? Es handelt sich um sexuellen Missbrauch von muslimischen Kindern durch einige Imame. Dieses Problem höre ich nicht nur von einigen Flüchtlingen, die inzwischen älter geworden sind, sondern (in den letzten 10 Jahren) auch von Menschen, die hier in Deutschland von Imamen unterrichtet worden sind.

Sexuelle Übergriffe gelangen nicht an die Öffentlichkeit

Ich weise darauf hin, dass es sich hier um Einzelfälle handelt. Es ist die absolute Minderheit unter den Imamen, die solche Verbrechen begehen. Dennoch halte ich es für wichtig, dass diese Sache angesprochen wird.

Die Betroffenen (Frauen und Männer), die zum größten Teil inzwischen verheiratet sind und selbst Kinder haben, sind schwer traumatisiert und leiden weiterhin unter den Folgen dieser fürchterlichen Erlebnisse. Die meisten von ihnen berichten, dass sie kaum schlafen können. Sie leiden unter schwersten Konzentrations- und Aufmerksamkeitsstörungen im Rahmen dieser posttraumatischen Belastungsstörung.

Die meisten Betroffenen kämpfen ihr ganzes Leben gegen sich aufdrängende Erinnerungen, sogenannte Flashbacks. Hinzu kommen nicht selten Albträume, die vor dem Hintergrund eines andauernden Gefühls von Betäubtsein und emotionaler Stumpfheit auftreten.

Einige berichten über Gleichgültigkeit gegenüber anderen Menschen, Teilnahmslosigkeit der Umgebung gegenüber, Freudlosigkeit sowie Vermeidung von Aktivitäten und Situationen, die Erinnerungen an das Trauma wachrufen könnten.

Depressionen sind häufig mit den genannten Symptomen und Merkmalen assoziiert und Suizidgedanken sind nicht selten. Andere sind völlig beziehungsunfähig. Insbesondere Frauen berichten, dass sie in der Partnerschaft Probleme haben- sich auf den Partner einzulassen.

Der Weg zum Arzt ist geprägt von Ängsten und Schamgefühl

Einige geben sich selbst die Schuld an diesen fürchterlichen Übergriffen. Diese Menschen haben niemanden, mit dem sie reden können, denn ihnen ist auch das Vertrauen genommen worden und erschwerend kommt hinzu, dass es kaum Anlaufstellen für die Betroffenen gibt.

Es ist an der Zeit, dass diese Übergriffe thematisiert werden. Die schwarzen Schafe müssen zur Rechenschaft gezogen werden. Die Eltern müssen sensibilisiert werden. Sie müssen lernen, darauf zu achten, ob sich das Verhalten ihrer Kinder verändert hat.

Viele Kinder werden plötzlich ängstlich, misstrauisch. Sie sind zum Teil schreckhaft und beginnen wieder einzunässen. In diesem Falle empfiehlt es sich mit dem eigenen Kind zu reden und ggf. einen Therapeuten aufzusuchen. Häufig wollen die Kinder diesen Unterricht nicht mehr aufsuchen, so berichten mir das einige der Betroffenen.

Die meisten der Betroffenen berichten, dass sie durch die Täter eingeschüchtert werden, ja, gar bedroht werden. Andere werden für ihr Schweigen belohnt. Hinzu kommt, dass einige Eltern ihren Kindern keinen Glauben schenken, weil sie solche Übergriffe nicht wahrhaben wollen.

Psychische und soziale Schäden

Die psychischen und sozialen Folgen für diese Menschen sind verheerend, daher sollten wir genauer hinschauen und beginnen, die entsprechenden therapeutischen Angebote auszuweiten.
Ich selbst behandle keine Kinder. Allerdings konnten mir die Betroffenen, die, wie bereits erwähnt, inzwischen älter geworden sind, sehr detailliert berichten, was sie erlebt haben. Niemand von ihnen ist bereit, damit an die Öffentlichkeit zu gehen, weil diese zum einen das Erlebte nicht noch einmal erleben wollen und weil sie Angst vor Schikanen haben.

Einige haben Angst, damit ihr ganzes Leben zu zerstören oder ihre Familie zu verlieren. Daher kann und werde ich auch keinen Betroffenen der Öffentlichkeit präsentieren können. Ich berichte lediglich von den Erfahrungen, die ich in den letzten 10 Jahren gemacht habe.

Selbstverständlich unterliege ich der Schweigepflicht als Mediziner. Ich möchte mit diesem Artikel auf diese Problematik aufmerksam machen in der Hoffnung, dass endlich entsprechende Strukturen geschaffen werden, damit rechtzeitig und nachhaltig geholfen werden kann. Hierzu gehört sicherlich auch eine gut durchdachte Aufklärungsarbeit.

Quelle: The Huffington Post

Lesen Sie weitere Meinungen aus dieser Debatte von: Georg Müller, Adorján F. Kovács, Reinhard Kardinal Marx.

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