Die anlasslose Speicherung von Telekommunikations-Verkehrsdaten, auch Vorratsdatenspeicherung (VDS) genannt, wurde 2006 in vielen EU-Ländern, quasi als Ersatz für die polizeiliche Ermittlungsarbeit aller möglichen Verbrechen, implementiert. Bis heute konnten Befürworter der Vorratsdatenspeicherung deren Daseinsberechtigung nicht nachweisen und letztlich wurden durch die Richtlinie weder die Art der zu speichernden Daten harmonisiert noch einheitliche Speicherfristen geschaffen.
Es geht auch ohne VDS
Dabei waren doch im ursprünglichen Entwurf sogar regelmäßige Statistiken vorgeschrieben, um diese schon im Orwell’schen „1984“-Bereich liegende Maßnahme dauernd zu beobachten, ob sie tatsächlich hilft. Alle bisher vorgebrachten Fälle wurden oder wären auch ohne VDS zu lösen gewesen. Selbst in einem Land wie den USA, wo die Provider alles speichern, konnten bei terroristischen Aktivitäten die Daten nicht helfen. All diese Ungereimtheiten hat nicht nur das Bundesverfassungsgericht (BVerfG) bemerkt, als es die deutsche Implementierung der VDS als nicht verfassungsgemäß einstufte, sondern auch die allgemeine Kriminalstatistik zeigt heute schon bei mit und über das Internet begangenen Verbrechen eine um ca. 20 Prozent höhere Aufklärungsquote als im Offline-Bereich. Wozu dann noch die Vorratsdatenspeicherung benötigt wird, bleibt dem gesunden Menschenverstand verschlossen.
Warum dann diese Eile und der Druck des Innenministers?
In der Tat, wenn ein Land eine Richtlinie nicht innerhalb einer gegebenen Frist implementiert, muss es Strafe an die EU zahlen. Auch Österreich hatte sich lange gegen die VDS gewehrt, wurde aber letztendlich durch die Geldstrafe weich gekocht. Vielleicht will der Innenminister mit seinem Druck hier zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen, den Staat vor einer Strafzahlung schützen und gleichzeitig bei der Polizei notwendige Investitionen in Personal und Ausstattung sparen? Letzteres gelingt natürlich nur, wenn die Provider als Hilfssheriffs speichern und auf Verlangen genau bezeichnete Datensätze von Verdächtigen an die Polizei weiterleiten, das Ganze natürlich zu 100 Prozent auf Kosten der Provider, ohne nennenswerte Erstattung von Anfangsinvestitionen oder laufenden Aufwendungen.
Verbranntes Geld
Die geforderte Speicherdauer von sechs Monaten ergibt sich genau aus diesen Einspargründen, denn bei zu wenig Polizisten dauern Ermittlungen eben länger. So verstehe ich die Version mit kurzen Speicherfristen aller Daten und einem zusätzlichen „Einfrieren“ genau der Daten eines Verdächtigen, auch als „Quick Freeze“ bezeichnet, eher als eine Aufforderung zur Verbesserung der Polizeiarbeit. Hinzu käme noch eine Aufrüstung von Personal und Ausstattung der Polizei, denn ansonsten sind diese Daten ein stumpfes Schwert für eine effektive Verbrechensverfolgung.
Für die erste Implementierung haben die Provider bereits viel Geld ausgegeben, was nach der Entscheidung des BVerfG hinfällig wurde. Die vom BVerfG gemachten Auflagen erlauben auch keine Wiederverwendung, sondern zusätzliche Entwicklungen und damit Ausgaben. Abgerufen wurden Daten in der Vergangenheit übrigens so gut wie nie und 99 Prozent aller in Deutschland tätigen Provider haben auch keine für die Strafverfolgung interessanten Daten. Die meisten der über 3.000 deutschen Provider sind für Geschäftskunden tätig und mit den 15 größten Providern könnten die Daten von 95 Prozent der Einwohner gespeichert werden. Investieren sollen sie trotzdem alle jetzt noch einmal und zwar fast eine Milliarde Euro.
Welch eine Verschwendung und welch ein Freiheitsverlust bei null Sicherheitsgewinn!




















Ob die Provider aus dem Staatssäckel abgefunden werden oder sie sich das Geld von ihren Kunden zurückholen ist eigentlich egal. Soll das Volk überwacht werden, zahlt es dafür in jedem Fall selbst.
Oh, ein Guttenberg, Copy&Paste von hinlänglich bekannten und falsch interpretierten Fakten. Interessant ist der Kostenfaktor. Nur zur Aufklärung: Die VDS kostet die Provider kein Geld. Die Telekom hat in 6 Monaten 10 TB gespeichert, O2 3 TB. In Zeiten wo jeder Aldi-Rechner von 2 TB und jeder Aldi Laptop schon 500 GB hat, sicherlich ein finanziell leistbarer Aufwand. Ach ja, alles ohne Aufwendendungsersatz. Der Provider bekommt pro Anfrage 35 Euro. Also, erst schlau machen, dann was sagen. Es könne sein, dass mal jemand ließt, der sich in der Materie auskennt und dann wird’s peinlich.
Das ist aber drollig die ansprüche einer VDS in einem großunternehmen mit dem aldi laptop zu vergleichen. Die TB platte gibts für den endverbraucher ja auch schon für 80€ da sind doch die 10 TB daten bei der Telekom doch ein klacks wa?
Lieber mal schlau machen was eine vernünftige datensicherung an vorraussetzungen benötigt (vorallem wenn die Daten auch noch vertrauenswürdig bleiben sollen). Da werden nicht einfach ein paar billig 1 TB usb platten vom aldi an rechner gestöpselt so wie sich das der durchschnitt’s DAU vorstellt.
Lieber mal wirklich mit der Materie auskennen und dann anderen mangeldes wissen vorwerfen…. ist nämlich gerade sehr peinlich geworden ihr kommentar :/
Nicht alles was hinkt ist ein Vergleich oder so. Da muss Software geschrieben werden die speichert, da müssen die Daten wahrscheinlich in ein kompliziertes Speicherwerk geschrieben werden. Das ganze muss halbwegs sicher sein. Es werden mehr Daten gespeichert als sie so müssen, das darf auch nicht jeder sehen.
BTW: Die Telekom soll auf meine Daten aufpassen? Gerade Die?
Die brauchen Leute die sich damit auskennen und vielleicht sogar eine juristische Schulung haben.
Wenn der “gesunde Menschenverstand” beispielsweise einmal ein Urteil wie das des BGH vom 13. 1. 2011 – 3 StR 332/ 10 oder 1 StR 663/10
lesen würde, wüsste er, wozu man Vorratsdaten brauchen kann.
Und das ist nur ein kleiner Ausschnitt an Verfahren, in denen z.B. die Standortdaten und angefallenen Verbindungen ein wichtiges Beweismittel sind. Die meisten Revisionsentscheidungen des BGH in Strafsachen ergehen nämlich ohne nähere Begründung.
so sieht es aus, die Urteile sind wirkich aussagekräftig, wofür die Vorratsdatenspeicherung nützlich ist. Interessant auch das Argument, die Daten würden ja so selten abgerufen, bisher war doch immer die Angst, jeder Bürger würde ausgeforscht…
Man sollte fair sein, da Deutschland eh viel zu viel Kohle hat und anscheinend null Schulden vorhanden sind, sind doch die Kosten für die Bürgerbefragung echte Peanuts. Witziger finde ich das Frau Merkel mal wieder in alten Jugend errinnerungen auf Kosten der Steuerzahler schwälgt, wie einst in der DDR -bei den Ossis die Stasi ist überall und überwacht alles.