In einem scheinen sich Beobachter einig: Die Enthüllungen des arabischen Nachrichtensenders Al Jazeera über die Verhandlungsführung der Palästinenser im Nahostfriedensprozess sind ein weiterer Nagel im Sarg der Palästinensischen Autonomiebehörde. Mahmoud Abbas, dessen demokratisches Mandat spätestens seit Januar 2010 abgelaufen ist, wird durch Al Jazeera abermals an den unerbittlichen Pranger der palästinensischen Öffentlichkeit gestellt.
Das Stillhalten des Rais im Gazakrieg 2009, der zögerliche Umgang mit den Ergebnissen der Goldstone-Kommission und sein als Einknicken gewertetes Taktieren in der Frage direkter Friedensverhandlungen war noch nicht vergessen, nun folgen die Al-Jazeera-Enthüllungen. Sie präsentieren Abbas erneut als einen glücklosen Bittsteller auf einem permanenten und fruchtlosen Gang ins diplomatische Canossa.
Vordergründig verweist die Wut der palästinensischen Öffentlichkeit dabei auf ein bekanntes Problem: Der 1992 mit Hinterzimmergesprächen in Oslo begonnene Nahostfriedensprozess hat den Schritt in die Öffentlichkeit nie gewagt. Weder in Israel noch in Palästina. Statt schwierige transparente Debatten über die Kernfragen des Konflikts anzustrengen, beschränkten sich die Akteure auf Verhandlungen unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Kurzfristig hat dies Kritik verhindert, doch der Offenbarungseid steht nun mit einigen Jahren Verspätung ins Haus – mit Zins und Zinseszins.
Wut auf Al Jazeera
Vorerst versuchen sich Israelis und Palästinenser in Schadensbegrenzung: Chefunterhändler Saeb Erekat beklagte am Dienstag die "Schmierkampagne“ Al Jazeeras – und erhielt Rückendeckung nicht nur von Abbas, sondern auch vom ehemaligen israelischen Ministerpräsidenten Ehud Olmert. Parallel verkündete Abbas Fatah-Bewegung einen "Al-Jazeera-Boykott“, während aufgebrachte Halbstarke sich anschickten, das Korrespondentenbüro des Senders in Ramallah zu stürmen.
Bedrückender jedoch als der fortgesetzte Sturzflug der Abbas‘schen Popularitätswerte ist der Blick auf die israelische Seite der Verhandlungen. Auch in diese vermitteln die Al-Jazeera-Leaks ungeschminkte Einsichten – und hier droht sich der Skandal in eine handfeste Tragödie zu verwandeln. Die palästinensischen Unterhändler stellten offenbar schon vor Jahren zwei umfassende Kompromisse in Aussicht, die eine Konfliktlösung eigentlich in greifbare Nähe brachten: eine Anerkennung des illegalen israelischen Siedlungsbaus in Jerusalem und das Eingeständnis, dass nur rund 100.000 Flüchtlinge von ihrem "Recht auf Rückkehr“ Gebrauch machen würden.
Sargnagel für den Nahostfrieden
Wie weitreichend diese Zugeständnisse sind, wird deutlich, wenn man sie mit älteren Positionen abgleicht: Faktisch decken sie sich nicht nur mit den "Clinton-Parametern“ des ehemaligen US-Präsidenten, sondern sogar mit der links-säkularen Genfer Initiative. Von Israel wurden die Vorschläge jedoch nicht nur durch den rechtsgerichteten Benjamin Netanjahu, sondern sogar von der als "gemäßigt“ geltenden aktuellen Oppositionsführerin Zipi Livni in Bausch und Bogen verworfen. Angesichts dessen stellt sich die bislang stets auf die Palästinenser bezogene Frage nach einem "Partner für den Frieden“ nun in Bezug auf Israel. Außenminister Avigdor Liebermann triumphierte schon am Montag mit der Einschätzung, dass ein dauerhafter Kompromiss in Nahost nunmehr vollends illusorisch geworden sei. Sollte er sich durchsetzen, stellen die Al-Jazeera-Akten keinen weiteren Sargnagel für die Palästinensische Autonomiebehörde dar – sondern für den Nahostfrieden insgesamt.


















Die Frage ist natürlich, wieviele der Papiere gefälscht sind. Wer hat Recht? Al-Jazeera, weil sie das alles veröffentlichen? Oder die Vertreter der Autonomiebehörde und Israels? Wie nah ist derjenige Narrativ an der Wahrheit?
Da sich hierfür kaum Antworten finden lassen, sind auch Interpretationen schwierig. Möglicherweise möchte Al-Jazeera beiden Parteien schaden, möglicherweise möchten die Verantwortlichen nur ihre Stellung sichern und die Position retten.
Ich habe kein Idee, wie man die “Palestine Papers” einzuordnen könnte.
Solange die arabische Welt nicht vom Islam loskommt wird sich auch nichts
ändern. Denn nur der Islam behindert den Fortschritt. Die jetzt gestürtzten
Despoten werden in absehbarer Zeit durch neue (islamische) ersetzt sein. Und der
Islam wird weiter verhindern dass die Frauen mehr Mitsprache in der Politik
erhalten und die so dringend notwendigen Änderungen in der
(Über)-Bevölkerungspolitik verhindern.