Wer sich nicht verbiegt, muss auch mit Kritik leben. Björn Böhning

Die Prohibition ist gescheitert

Die repressive Drogenpolitik ist gescheitert – weltweit. Statt Mafia und Drogenkartelle weiterhin mit dieser Politik zu unterstützen, sollten die Regierungen über eine Legalisierung nachdenken. Davon könnten sogar die Volkswirtschaften profitieren.

Vor 100 Jahren in Shanghai wurde erstmals auf multinationaler Ebene versucht, den weltweiten Opiumhandel einzuschränken, vor 40 Jahren rief Richard Nixon den “War on Drugs” aus, und vor zwölf Jahren beschloss die UN-Generalversammlung das Ziel einer drogenfreien Welt und die “völlige oder signifikante Reduktion des illegalen Anbaus von Drogenpflanzen” bis zum Jahr 2008. Die Realität des Jahres 2010 zeigt: Diese Versuche waren erfolglos.

Diese Politik hat verheerende Folgen für die Konsumenten illegalisierter Drogen, die Menschen in den Anbau- und Transitländern sowie die Rechtsstaatlichkeit der meisten Nationen weltweit. Das Versagen dieser Politik führt in Afghanistan zur Finanzierung von Taliban und Warlords sowie zur Korrumpierung des labilen Staates. In Mexiko sterben direkt hinter der Grenze zu den USA täglich mehr als 20 Menschen im offenen Krieg der Drogenkartelle untereinander und gegen den mexikanischen Staat.

200 Millionen Menschen konsumieren illegale Drogen

Mit dem Drogenverbot haben wir uns für einen unkontrollierbaren Schwarzmarkt entschieden, denn Drogen werden konsumiert, darauf hat die Repression keinen empirisch nachweisbaren Einfluss – auch wenn sich Politiker gern etwas anderes einreden wollen. 200 Millionen Menschen bzw. fünf Prozent der erwachsenen Bevölkerung der Erde konsumieren illegalisierte Drogen und schaffen einen Markt mit einem jährlichen Umsatz von mehr als 300 Milliarden Euro.

Natürlich kann man, wie Antonio Maria Costa, der Leiter des UN-Drogenbüros, behaupten, dass ohne diesen Versuch einer Kontrolle weitaus mehr Menschen ihr Leben verloren hätten. Was aber, wenn sich Cannabis, Ecstasy und Heroin wie Alkohol und Tabak auf einem legalen Markt regulieren ließen und die Drogenprohibition ein riesiger politischer Fehler war? Was wäre, wenn wir unsere Nachfrage legal befriedigen könnten und den drogenproduzierenden Bauern statt Hass auf den Westen ein vernünftiges Einkommen bescheren würden? Was, wenn in Deutschland nicht Mafia und Hells Angels, sondern der Arbeitsmarkt und der Staatshaushalt von den Umsätzen profitieren würden? Wenn wir nicht Milliarden Euro jährlich für Rauschgiftdezernate verschwenden, sondern das Geld für eine aktive Sozialpolitik und Förderung von Drogenmündigkeit nutzen würden?

Drogenforscher wie der ehemalige oberste Drogenberater der britischen Regierung, David Nutt, weisen regelmäßig darauf hin, dass die Unterteilung in legale und illegale Drogen unter einer medizinischen Betrachtungsweise willkürlich ist. Die niederländischen Drogenforscher Schippers & Cramer zeigten auf, dass ein signifikanter Anteil der Konsumenten von sogenannten “harten Drogen” einen unauffälligen und kontrollierten Gebrauch praktiziert.

Für eine ideologiefreie Drogenpolitik

Die Legalisierung aller Drogen sowie eine starke Regulierung wären zwar kein Königsweg, denn es gäbe auch weiterhin Drogenmissbrauch, aber es wäre die insgesamt weniger schädliche Lösung. Mit der Entkriminalisierung der Konsumenten aller Drogen und der Einführung von lizenzierten Fachgeschäften für Drogen wie Cannabis können wir die ersten wichtige Schritte gehen.

Vielleicht erscheint diese Vision zu optimistisch, gar naiv. Aber allein die Möglichkeit, dass eine alternative Drogenpolitik mehr Probleme lösen könnte, als sie neue schafft, sollte uns zum Nachdenken bringen. Angesichts der verheerenden Bilanz der bisherigen Drogenpolitik sollten wir einen ideologiefreien und wissenschaftlich fundierten Neubeginn wagen. Das sind wir den Opfern der Prohibition schuldig.

Lesen Sie weitere Meinungen aus dieser Debatte von: Michael Grossman, Edgardo Buscaglia, Vicente Fox.

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