Ich lese hier die Presseankündigung zu einem neuen Buch von Heiner Geißler, in der es heißt: “Nur in der radikalen Umkehr und Erneuerung liegt die Rettung der Kirche.” Diese These also wird uns 2011 beschäftigen: Jesus würde austreten! Ach ja?
Ich bin der festen Überzeugung, dass gerade radikale Umkehr und Erneuerung den Tod der Kirche bedeuten würden. Alle anderen haben sich umgekehrt und radikal erneuert, fast im Minutentakt, aber die katholische Kirche steht da wie ein großartiges Bollwerk der Glaubenszuversicht.
2000 Jahre, das ist ihr Stolz, das ist ihr Alleinstellungsmerkmal im relativistischen Wellenschlagen der Zeit.
Gab es Verirrungen, gab es Verfinsterungen? Und ob. Aber Jesus hat seine Kirche auf Menschen gegründet, die fehlbar sind. Er hat sie auf Menschen gegründet, die ihn wie Judas verkauft und wie Petrus verraten haben. Und ausgerechnet zum letzteren hat er gesagt: “Du bist Petrus, der Fels, und auf diesen Felsen will ich meine Kirche bauen.” Nein, Jesus hat mit menschlicher Schwäche gerechnet.
Geißler dagegen findet sie so unverzeihlich, dass er das Große und Ganze infrage stellt. Er erinnert mich an jenen Pharisäer aus dem Evangelium, der sich über den Zöllner mokiert und Gott dafür dankt, dass er nicht so ist wie jener.
Eigentlich, glaubt er, wäre er der bessere Papst
Wir erleben ja alle derzeit, dass Geißlers Heiligsprechung durch die Medien läuft. Es fehlen noch ein paar Zeugenaussagen darüber, wie er über Wasser gewandelt ist, Kleinkram, der schnell zu besorgen wäre. Und er mag ganz offensichtlich den Papst nicht. Zusammengenommen ergibt das ein brisantes Gemisch. Eigentlich, glaubt er, wäre er der bessere Papst. Oder will er mehr?
Mich verblüfft immer wieder, wie gut sich Geißler in Jesus’ Kopf auskennt. Einer seiner Bestseller heißt: “Was würde Jesus heute sagen?” Geißler gibt die Antworten. Es sind immer die gleichen: Priesteramt für Frauen, Aufhebung des Zölibats, Schluss mit der “repressiven Sexualmoral”, Demokratie. Die besonders. Geißler kann es nicht ertragen, dass da ein Papst ist, der das letzte Wort hat in Glaubens- und Kirchendingen und nicht Geißler heißt.
Dabei hat er in seinem Schlichtungsverfahren durchaus päpstliche Züge an den Tag gelegt. Da war nichts von Basisdemokratie. Er hat sich beide Seiten angehört und dann entschieden. Allein und einsam seinen Richterspruch verkündet. Geißler locuta, causa finita est. Im Grunde genommen hat er gehandelt wie der Papst auf einem Konzil.
Abrupte Manöver führen zu Havarien
Aber das ist Stuttgart. Das andere ist die Weltkirche. Das andere ist ein ehrfurchtgebietendes Riesenschiff, das durch die Zeiten gesteuert werden muss, und da ist es natürlich ein Glücksfall, dass nicht ein Geißler-Temperament am Steuer steht, sondern der geistreiche und glaubenstiefe Gelehrte Benedikt XVI. Und der weiß, dass abrupte Manöver zu Havarien führen können. Na ja, er ist ja auch der Ältere von den beiden.
Nein, lieber Herr Geißler, eine Kirche mit verheiraten Priesterinnen und Priestern und Päpsten, die per Urabstimmung gewählt werden, mag Ihren Beifall haben und den der “Kirche von unten”-Aktivisten, die dann vor leergespielten Kirchenbänken Leseabende mit "selber gemachten“ und geschlechtsneutralen Bibeltexten veranstalten, aber für interessierte Außenstehende wäre der Lack ab.
Ich glaube übrigens doch nicht, dass Geißler nach dem Papstamt strebt. Jemand, der so genau Bescheid weiß darüber, was Jesus nun eigentlich denkt, der muss seine Aufnahme in die Heilige Dreifaltigkeit anpeilen.
Müsste man halt sehen, wer für ihn Platz macht.
Leserbriefe
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Danke! Sehr schöner Artikel!
Ich erinnere mich noch an einen Bundesparteitag, auf dem Geißler als Generalesekretär Stripperinnen auftreten liess und dabei auf heftige Empörung der Parteifreunde stiess. Vielleicht sieht er ja auch in der Empörung über solche “Fortschrittlichkeiten” die “repressive Sexualmoral der Kirche.”
Papst Heiner O. würde ganz gewiss aus seinem Repertoire zeitgemässe Töne die in Kirche bringen. Vielleicht mit dem Entrüstungsautomaten der Grünen (Focus) Claudia Roth bunt und schrill beim Christopher-Street-Day.
Auch Matussek, Herr Schneider -Flagmeyer, ist ein Busenfreund. Welcher normale Mann ist es eigentlich nicht nicht?
Googlen Sie doch einmal unter :
you tube Matussek Eklat bei Beckmann
Herr Matussek,
Ihre kindisch-naiven Papstpöbeleien gegen Geißler einmal beiseite, denke ich, dass in Anbetracht der jesuitischen Grundausbildung Geißlers realiter Ihr theologisches Fundament sich vergleichsweise eher in embryonalen Zustand befindet.
Trotzdem kann ich mich inhaltlich mit einigen Ihrer Gedanken anfreunden, bin ich doch auch der Meinung, dass eine radikale Umkehr “den Tod der Kirche” bedeuten würde. Ein Gebäude, dass auf dogmatisch abgesicherten Hirngespinsten aufgebaut ist, muss fallen, sobald eine morsche Säule entlarvt wird.
Jesus könnte auch garnicht aus der Kirche austreten, denn er hatte nie die Chance, Mitglied zu werden. Erst drei Jahre nach seinem Tod gründete ein ihm völlig unbekannter Egozentriker, der gerade vom blutigen Christensteiniger zum 13.( selbsternannten) Apostel mutierte, diese Religion. Obwohl er unter “Christus” firmierte, packte Paulus in seine Firma alles, was Jesus zutiefst zuwider war: Antisemitismus, Frauen- und Leibfeindlichkeit, Obrigkeitshörigkeit, ein Blutopfer-Sühne-Schuld- Geschwafel etc.
Ihnen, Herr Matussek, der sie sogar unsere voluminöse Kanzlerin dort sitzen sehen, wo sie garnicht ist (Herr Beckmann hat das verraten), traue ich auch zu, dass Sie an die unbefleckte Empfängnis glauben.
Voller Bewunderung
Harald Hansen
@ Harald Hansen
Und was verstehen SIE unter unbefleckter Empfängnis?
Nur für den Fall, dass Sie bei diesem Thema an Sex oder Nichtsex denken sollten, lassen Sie sich gesagt sein, dass unbefleckte Empfängnis nichts mit Jungfräulichkeit zu tun hat.
Unbefleckte Empfängnis meint, dass Maria vom Anbeginn ihrer Empfängnis im Schoß ihrer Mutter Anna von der Erbsünde befreit war. Es geht dabei also nicht darum, wie Maria empfangen hat, sondern wie sie selbst empfangen wurde.
Daher wird das Hochfest der unbefleckten Empfängnis ja auch nicht neun Monate vor Weihnachten gefeiert (am 25. März feiert die katholische Kirche das Hochfest der Verkündigung des Herrn), sondern neun Monate vor Mariae Geburt (8. September) am 8. Dezember.
Keine Sorge, anonymer Nici, ich kann sehr gut zwischen unbefleckter Empfängnis (immaculata conceptio) und Jungfrauengeburt unterscheiden. Beides bedingt sich allerdings im Falle Marias gegenseitig und ich erlaube mir, beides als Hirngespinst zu bezeichnen.
An Sie,anonymer Nici, deshalb die vertrauliche Frage:
Glaubst du noch oder denkst du schon??
Glauben und Denken schließen sich nicht aus.
Sie bedingen einander.
Herzlichen Dank für den Artikel, der Heiner Geißler aus den entlarvt, der er wirklich ist: ein selbstgerechter, eitler alter Mann, der es nicht verwunden hat, dass er politisch kalt gestellt wurde.
Vermutlich als Ersatz läßt er jetzt seine Frustration an der Katholischen Kirche und dem Hl. Vater aus.
Wenn er dann doch endlich den Vorsitz von “Wir sind Kirche” übernehmen würde und zu den Grünen überliefe!
“HERR Norbert Jansen”,
(warum eigentlich nicht SIR Norbert H…?),
bewundernswert, wie Sie die geheimsten Gedanken und Intensionen Heiner Geißlers kennen.
Bezüglich Jesus von Nazareth dagegen scheinen Sie nicht einmal seine Worte ernst zu nehmen, wenn Sie vom "HL. Vater " sprechen, denn:
“Ihr sollt niemand euren Vater heißen auf Erden; denn einer ist euer Vater, der im Himmel ist.” (Matth. 23;9)
“HERR Norbert Hansen” , damit keiner auf die Idee kommt, “FRAU Norbert Hansen” zu sagen. Wir leben in metrosexuellen Zeiten und da braucht es Menschen, die endlich mal sagen, wo es langgeht. So wie der “Herr Matussek”, nicht nur Patriot der peinlichen Sorte, sondern auch Kenner der einzig wahren Religion. Vielleicht Herr Matussek ist Ihr Problem, dass kein Schwein nach Ihnen gerufen hat, als es um die Schlichtung bei S21 ging und des Heiners Bücher sich besser verkaufen als Ihre.